Pflege im Landkreis Ludwigsburg Demenz darf kein Randthema bleiben

Von Karin Götz
Die Prognose von drei Millionen Dementen im Jahr 2050 fordert nicht nur Kinder, Ehepartner und Pflegedienste heraus, sondern auch die Politik und die Kommunen. Foto: dpa/David Hecker

Deutschlandweit sind 1,6 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. Jeden Tag kommen 900 dazu. In 30 Jahren, so die Prognosen, wird sich die Zahl verdoppeln. Die Politik und die Kommunen sind gefordert – auch im Kreis Ludwigsburg. Ein Blickwinkel von Karin Götz.

Diesen Sonntag geht im Landkreis die Aktionswoche Demenz zu Ende. In vielen der 39 Kreiskommunen wurde über eine Krankheit informiert, die unsere Gesellschaft zu überrollen droht. Jetzt schon sind 1,6 Millionen Menschen deutschlandweit an Demenz erkrankt. Jeden Tag kommen 900 dazu. In 30 Jahren, so die Prognosen, wird sich die Zahl verdoppeln.

Die meisten von ihnen werden zuhause von Angehörigen betreut. Bis zur Erschöpfung – und darüber hinaus. In der Theorie ist klar: Kranke wie Gesunde brauchen Hilfe. Das zu erkennen, ist der erste Schritt. Sie zu finden, der zweite. Und der ist nicht einfach. Auch wenn Aktionswochen helfen, das Thema ins Scheinwerferlicht zu holen, ist Demenz ein Randthema. Das muss aufhören.

Wohngruppen in acht Häusern im Kreis

Die Prognose von drei Millionen Dementen im Jahr 2050 fordert nicht nur Kinder, Ehepartner und Pflegedienste heraus. Es fordert Kommunen, es fordert die Politik, und es fordert die Gesamtgesellschaft. Denn es fehlt sowohl an Entlastungsangeboten für Angehörige als auch an Pflegeplätzen. Und zwar besonders in Einrichtungen, die sich auf die Pflege von Dementen spezialisieren. Im Kreis sind rund 70 Prozent aller Pflegeheimplätze, also 2944, für Menschen mit Demenz, sagt das Landratsamt. Allerdings, so die Einschränkung, handele es sich um eine rechnerische Größe, die auf Erfahrungswerten der Belegung beruhe – und es wird dabei nicht nach Krankheitsformen unterschieden. Wohngruppen ausschließlich für Menschen mit Demenz in geschlossenen Bereichen gibt es jedoch nur in acht Häusern. Das ist ein Anfang, kann aber nicht das Ende sein.

Auch Kommunen sind gefragt, denn die Gestaltung von Wohn- und Lebensumfeldern, öffentlichen Räumen und Gebäuden hat einen unmittelbaren Einfluss darauf, wie Menschen mit Demenz in ihnen leben und sich bewegen. Das ist ein Ergebnis des Forschungsprojektes „Menschen mit Demenz“, das die Hochschule für Technik Stuttgart gemeinsam mit der Wüstenrot Stiftung durchgeführt hat. Bund, Länder und Kommunen müssen im Schulterschluss quartiernahe Wohnformen mit gut vernetzten Versorgungs- und Pflegeangeboten für Demenzkranke mehr fördern als sie dies bisher tun. Und sie müssen Bewusstsein schaffen.

Marbach hat Vorbildcharakter

In Marbach hat sich vor drei Jahren eine Projektgruppe „Demenzfreundliche Stadt“ gegründet, die genau dieses Ziel hat: Auf das Krankheitsbild aufmerksam machen und es in den Alltag holen. Die von der Stadt unterstützte Gruppe hat Vorbildcharakter, denn eines ist sicher: Demenz wird zu einer der größten Versorgungs-Herausforderungen der Zukunft.