Parkplatznot in Steinheim Gesperrter Parkstreifen zieht Ärger nach sich

Von Henning Maak
Schäden an einer Stützmauer sind der Grund für die Sperrung des Parkstreifens. Foto: privat

Anwohner der Rielingshäuser Straße müssen derzeit auf einen alternativen Streifen ausweichen. Dort gibt es nun jedoch Ärger: die ordnungsgemäß abgestellten Autos ragen in die Straße, wodurch es immer wieder zu abgefahrenen Seitenspiegeln kommt. Gleichzeitig werden zudem Knöllchen verteilt, sobald die Markierung nur um Zentimeter überschritten wird, moniert ein Steinheimer.

Steinheim - Matthias Reinbold hat sich mittlerweile daran gewöhnt, dass es schwierig ist, als Anwohner in der Rielingshäuser Straße in Steinheim einen Parkplatz zu finden. Seit mehreren Monaten ist ein Parkstreifen nahe des Ortsschild auf einer Länge von circa 70 Metern gesperrt, der normalerweise Platz für acht bis zehn Autos bieten würde. „Die anderen Anwohner und ich haben uns inzwischen damit arrangiert, dass wir ein Stück weiter vorne schräg gegenüber vom Autohaus Renz parken müssen“, berichtet Matthias Reinbold.

Nicht arrangieren kann und will er sich jedoch mit den Folgen, die das nach sich zieht. „Der neue Parkstreifen wurde mit einer Markierung versehen, die dazu führt, dass die Fahrerseite eines vorschriftsmäßig abgestellten Autos in die Straße hineinragt“, erzählt der Steinheimer. Dies habe zur Folge, dass immer wieder die Außenspiegel von abgestellten Fahrzeugen abgerissen würden. „Weil das häufig nachts passiert, bleiben die Autohalter in der Regel auf ihren Schäden sitzen, da sich die Schadensverursacher gern einen schlanken Bleifuß machen“, beschreibt Matthias Reinbold anschaulich das, was strafrechtlich als Unfallflucht klassifiziert wird.

Etwas mehr Rücksicht und Augenmaß wäre wünschenswert

Richtig geärgert hat sich der Steinheimer aber darüber, dass er vor Kurzem ein blaues Kärtchen der Stadtverwaltung hinter seiner Windschutzscheibe fand, mit dem ihm ein Strafzettel angekündigt wurde. Der Grund: Nach seiner Schätzung ragte sein Auto wohl maximal zwei bis drei Zentimeter aus der Parkbucht auf den Gehweg hinein. „Bei einer so knappen Überschreitung der Markierung ist bei Weitem noch genug Platz für Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen auf dem Gehweg“, ist er sich sicher.

Matthias Reinbold vermisst in dieser Angelegenheit klar das Augenmaß bei der Steinheimer Verwaltung: „Es geht hier ja nicht um rücksichtslose Zeitgenossen, die die Fußgängerwege mit ihren Autos unpassierbar machen. Etwas mehr Rücksicht wäre angesichts der angespannten Parksituation in der Rielingshäuser Straße angebracht“, findet er. Der Steinheimer sieht die Verhältnismäßigkeit nicht mehr gewahrt, wenn die Stadt einerseits die parkenden Autos mit ihren in die Straße ragenden Seitenspiegeln quasi „als Mittel zur Verkehrsberuhigung“ einsetze, andererseits aber bei einem Verstoß von wenigen Zentimetern sofort „gnadenlos Gebühren eintreibt“.

„Wir sind nicht päpstlicher als der Papst“

Steinheims Bürgermeister Thomas Winterhalter kann die Empörung von Matthias Reinbold grundsätzlich nachvollziehen. Wegen der Parksituation seien ihm aber die Hände gebunden. „Die Sperrung hat das Regierungspräsidium Stuttgart veranlasst, da die Rielingshäuser Straße eine Landesstraße ist“, erklärt er. Das bestätigt eine Sprecherin der Behörde. Grund seien die Schäden an einer Stützmauer. Diese habe ein Sachverständiger bereits begutachtet. Wann die Sanierungsarbeiten ausgeführt würden, stehe aber derzeit noch nicht fest.

Winterhalter kann und will ohne Kenntnis der Unterlagen und Bilder aus der Ferne nicht beurteilen, ob Matthias Reinbold mit seinem Parkverstoß tatsächlich eine Ordnungswidrigkeit begangen habe. „Dass wegen eines Verstoßes von wenigen Zentimetern ein Strafzettel verteilt wird, kann ich mir aber schlecht vorstellen. Wir sind nicht päpstlicher als der Papst“, beruhigt Winterhalter. Er wisse aber aus langjähriger Erfahrung, dass man es nie allen Recht machen könne. „Manche fordern deutlich mehr Kontrollen, anderen ist es schon zu viel, was wir machen.“ Eines kann Winterhalter Matthias Reinbold aber versprechen: Wie jeder Bürger, der sich an die Verwaltung gewandt habe, werde er eine Antwort bekommen, sobald der Sachverhalt gründlich überprüft sei.