Oberstenfeld „Sitz“ und „Komm“ als Unterrichtsfächer

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Wenn sich Menschen begrüßen, sollen Hunde brav danebensitzen. Foto: Michael Raubold Photographie

Oberstenfeld - Eine quirlige Rasselbande hat sich am frühen Samstagnachmittag auf einem Feldweg zwischen Oberstenfeld und Beilstein versammelt. Und alle scheinen sich auf den gemeinsamen Unterricht zu freuen. Unterricht? Ja, denn hier geht es um eine Hundeschule. Wie die Menschenkinder müssen auch Hundekinder viel lernen. Und zu lernen, wie man auf Zuruf zu Herrchen oder Frauchen kommt, ohne sich von spannenden Gerüchen ablenken zu lassen, oder wie man brav an der Leine geht, statt wie wild zu zerren, ist für Welpen und Junghunde nicht weniger anspruchsvoll als für kleine Menschen, die Lesen, Schreiben und Rechnen lernen sollen. Wer dabei auch etwas lernt, sind die Besitzer der Hunde. Denn Hunde brauchen klare Kommandos, damit sie verstehen, was sie tun oder lassen sollen.

Wie bei den meisten Menschenkindern gibt es auch in der „Welpenklasse“ einen kleinen Unruhestifter. Heute ist es der altdeutsche Schäferhund Diego, der die ganze Zeit winselt und unbedingt die anderen der Reihe nach beschnuppern will. Aber das ist auch kein Wunder. Er ist der einzige, der neu ist in der Gruppe, und da muss man doch wissen, wer die anderen eigentlich sind! Der Rest kennt sich schon vom gemeinsamen Spielen. Nun kommt der erste Unterricht.

Carolin Braun vom Hundezentrum Bottwartal schaut sich erst einmal an, welche Leckerchen die Menschen mitgebracht haben. Wo es bloß ein Teil des alltäglichen Futters ist, tauscht sie es rasch gegen etwas Gutes aus ihrer eigenen Tasche aus, denn: „Für trocken Brot würde ich auch nicht bis nach Großbottwar laufen“, schmunzelt sie. Motivation ist wichtig, und die funktioniert nun mal am besten übers Futter. Zunächst einmal geht es darum, Sitz zu machen und auch sitzenzubleiben. Das klappt nicht bei jedem auf Anhieb und muss deshalb mehrmals wiederholt werden. „Wichtig ist es immer, geduldig zu bleiben und nicht sauer zu werden“, erklärt die Hundetrainerin. In diesem Fall heißt das: Solange der Hund sitzt, Leckerchen geben, verbal loben und notfalls wiederholen, bis es klappt.

Die kleine Snow, ein cremefarbener Golden Retriever, muss unbedingt ausprobieren, ob Gras und Erde gut schmecken. Am besten ignorieren, meint Carolin Braun auf eine Frage ihrer Besitzerin: „Wenn sie Gras frisst und ihr an ihr rummacht, bekommt sie die ganze Zeit Aufmerksamkeit.“ Auch Harzer Käse wäre eine mögliche Lösung, empfiehlt die Assistenztrainerin Bettina Behr: „Da ist wohl irgendwas drin, was den Appetit auf Unappetitliches nimmt.“

Bis jeder der Welpen alles richtig kann, vergeht Zeit. Wer fertig ist, wird oft von Frauchen oder Herrchen auf den Arm genommen, denn es ist ziemlich kalt. Dass trotzdem schon die Kleinen gute Manieren lernen, sei sehr wichtig, sagt Carolin Braun: „Ihr müsst euch immer vorstellen, wie das sonst ist, wenn die Hunde erwachsen und viel stärker sind. Da beiße ich lieber jetzt in den sauren Apfel.“ Die nächste Gruppe sind die Junghunde, auf die eine besondere Herausforderung wartet: Sie müssen an einem gefüllten Futternapf vorbeigehen, ohne sich ablenken zu lassen. Das ist vor allem für das Labradormädchen Tammy schwierig, denn die Rasse gilt als besonders verfressen. „Dreh nochmal um, lass dich nicht ziehen“, kommandiert Carolin Braun. Beim nächsten Versuch klappt es besser. Und schon wartet die nächste Übung. Herrchen oder Frauchen knien am Boden, der Hund soll das Leckerchen in der Hand ignorieren und stattdessen Blickkontakt aufnehmen. „Blickkontakt heißt: Rücksprache nehmen mit dem Menschen“, erklärt Carolin Braun. Cockerspaniel Alfons mag sein Herrchen, aber das Leckerchen riecht doch soooo gut! Nach mehrfachem geduldigen Wiederholen klappt die Übung aber auch bei diesem Team. Der Rhodesian Ridgeback Gimlet hat derweil ein ganz anderes Problem: Tammy ist läufig und riecht sensationell! Doch auch er schafft es schließlich, sich vollkommen auf sein Frauchen zu konzentrieren. „Nicht aufgeben!“, macht Carolin Braun auch den Besitzern der etwas unruhigeren Hunde wieder Mut. „Über Kraft kriegt ihr die Hunde irgendwann nicht mehr, nur über mentale Stärke.“

Am Ende haben die Besitzer genauso viel gelernt wie ihre Vierbeiner. Und ebenso viel Spaß gehabt: „Wir freuen uns immer auf die Hundeschule, das ist ein richtiges Hobby geworden“, lobt ein Paar.

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