Oberstenfeld-Prevorst „Hier stehen Millionen auf dem Acker“

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Auf dem Schleppertreff gab es viele teure und seltene Fahrzeuge zu sehen. Foto: avanti

Oberstenfeld-Prevorst - Toktoktoktoktok. Der satte Klang des am Rand der Wiese geparkten Fahrzeugs und vielleicht auch seine leuchtend blaue Farbe scheinen magnetische Wirkung auf eine Männergruppe zu haben. Was da so tuckert, ist nicht etwa ein Sportwagen der Edelklasse, es ist ein Traktor der Marke Lanz. „Dieser Klang – und der Hubraum, der hat mindestens zehn Liter!“ Die fünf Besucher des 5. Prevorster Schleppertreffs, die aus Oppenweiler und Kirchberg kommen, sind sich in ihrer Begeisterung einig. Und das, obwohl sie selber eigentlich eine andere Marke fahren – einen Kramer, wie auf dem T-Shirt des einen zu lesen ist. „Aber den gibt’s leider nicht mehr!“

Zu sehen bekommt man solche Raritäten aber dennoch hin und wieder. Der Prevorster Schleppertreff ist eine gute Gelegenheit dafür. Rund 500 Oldtimer-Traktoren seien beim letzten Mal da gewesen, erzählt Markus Wolf von den Prevorster Schlepperfreunden, die die Veranstaltung alle zwei Jahre organisieren. Er selbst räumt dazu jedes Mal seine landwirtschaftliche Halle aus, in der die Gäste sitzen und sich Schweinshaxe, Schweinehals mit Kartoffelsalat und Göckele schmecken lassen – selbst gekocht von den Schlepperfreunden und rund 160 Helfern, wie Wolf betont. Auch das gegenüberliegende Zelt, in dem Würste und Pommes serviert werden, will aufgebaut sein.

Für Livemusik sorgt „Rock Charge“. Und wer will, kann sein Gefährt anmelden und bekommt dann ein Schild mit den wichtigsten Eckdaten des Fahrzeugs – Hersteller, Baujahr, PS, Höchstgeschwindigkeit. Das baumelt dann zur Information der Besucher am Fahrzeug. Die Anmeldung ist kostenlos, als Dankeschön und Anerkennung gibt’s eine Tasse mit dem Logo der Prevorster Schlepperfreunde. Denn viele der Traktorenbesitzer reisen ganz schön weit an.

Der kleine Matthias etwa ist mit seinem Bruder Max, seiner Schwester Marina und natürlich dem Papa Martin Trüby extra aus Lörrach gekommen. Nun sitzt er stolz wie Oskar auf einem der drei Schlepper und lässt Vorübergehende freudestrahlend wissen: „Ich darf Bulldog fahren, ohne Führerschein!“ Starten muss das Gefährt allerdings der Papa, doch dann fährt der knapp Fünfjährige auf der großen Wiese los und dreht eine elegante Kurve. „Das darf er natürlich nur auf Privatgelände“, erklärt der Papa, der die drei Oldtimer aus den Jahren 1950 und 1952 auf dem Lkw her transportiert hat. Wie viele andere übernachtet auch die Lörracher Familie auf dem Gelände – im Zelt oder im umgebauten Bauwagen.

Aber nicht nur Männer und Kinder begeistern sich für die Schlepper. Vanessa Betz aus Beilstein-Gagernberg etwa fährt selbst Traktor und mag die alte Technik. Was ihr aber auch am Schleppertreff gefällt: „Die Menschen sind viel lockerer und offener!“ Während sie erzählt, zieht ihr Bekannter Patrick Scholz aus Gemmrigheim mit seinem 65er-Baujahr fünf Baumstämme auf dem Testparcours hinter sich her. Am Hang drehen die Räder kurz durch, doch mit Ruhe bewältigt er auch dieses Teilstück. „Wir haben daheim sieben Schlepper und überhaupt alles, was Räder hat und Krach macht“, grinst er. Optimal vorbereitet für den Transport von Baumstämmen ist der Löwensteiner Thomas Wurst. Sein Ackerschlepper hat eine Forstausrüstung. Mit dem gelben Greifer packt er mühelos einen der Stämme und räumt ihn aus dem Weg. „Das ist eine gute Gelegenheit, zu probieren, was der eigene Schlepper kann“, meint er.

Mindestens genauso interessant ist es aber, was die Schlepper wert sind. Bei einem gut erhaltenen, seltenen Exemplar können das schon mal 100 000 Euro und mehr sein, weiß Markus Wolf: „Hier stehen Millionen auf dem Acker!“ Gar nicht zu beziffern aber ist der Spaßfaktor.