Oberstenfeld Ökologie zieht an Ampeln den Kürzeren

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Die Ampeln an der L1100 dienen unterschiedlichen Zwecken. Foto: /von Schaewen)

Oberstenfeld - Jürgen Paschek fährt regelmäßig mit seinem Wagen durch Oberstenfeld nach Großbottwar, wo seine Lebensgefährtin wohnt. Doch dem Bayern aus Dillingen geht es nicht schnell genug. „Ich komme an den drei Ampeln an der L1100 nur selten durch, ohne halten zu müssen.“ Das gehe nicht nur ihm alleine so, sondern allen Autofahrern, sagt der Ingenieur und beziffert den Anteil der Fahrten mit einer reinen „Grünen Welle“ auf etwa zehn bis 20  Prozent aller Durchfahrten. Das sei ökologisch nicht zu verantworten, da unnötigerweise viele Tonnen von Kohlendioxid in die Umwelt geblasen würden.

Paschek ist nicht untätig geblieben und hat das Landratsamt Ludwigsburg angeschrieben. Die Behörde reguliert die Ampelschaltungen und ist gegen eine weitere Beschleunigung des Verkehrs zugunsten der Autofahrer auf der Teilortsumfahrung. Genauer betrachtet, hält das Landratsamt daran fest, dass Fußgänger an der Kreuzung der Lichtenberger Straße mit der L1100 weiter ihr Grünlicht per Bedarfsknopf an der Ampel anfordern können. Die Sorge des Landratsamts: Fußgänger, die zu lange warten, könnten bei Rot queren, teilt der Pressesprecher der Behörde, Andreas Fritz, mit. Das jedoch sei zu gefährlich. Auch bei Autofahrern aus den Nebenrichtungen würde die Akzeptanz sinken.

Diese Argumentation erscheint wiederum Jürgen Paschek nicht schlüssig. Autofahrer müssten auch vor einer roten Ampel warten und könnten nicht einfach losfahren – dies müsste man auch von Fußgängern verlangen dürfen. Außerdem produzierten wartende Fußgänger oder Radfahrer erheblich weniger Kohlendioxid, Stickstoffoxide oder andere schädliche Abgase als Hunderttausende wartende Autofahrer, die abbremsen, mit laufendem Motor vor der Ampel stehen und wieder anfahren müssten.

Die Software der Ampeln an der L1100 in Oberstenfeld waren vor mehr als zehn Jahren neu eingestellt worden. In der Probezeit ereignete sich ein tödlicher Unfall, als ein Linksabbieger an der Kreuzung der Lichtenberger Straße im morgendlichen Berufsverkehr einen Mann anfuhr. „Der Mann verschluckte sich bei dem Unfall an einem Bonbon – das war die Todesursache“, erinnerte sich Jürgen Beck, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr. Damals korrigierte das Landratsamt die Ampelschaltung, damit Fußgänger sicherer über die Straße kommen. Das System habe sich bewährt, sagt Jürgen Beck, der die Situation vom Feuerwehrhaus aus nächster Nähe mitbekommt. Er habe nicht den Eindruck, dass Autofahrer über die Maße warten müssten. Der Verkehr staue sich vor allem in den Stoßzeiten, insbesondere wenn der Bus aus Gronau in Richtung Rathaus das Grünlicht anfordere und die Ampelschaltung dadurch ausgesetzt werde.

Für den Oberstenfelder Bürgermeister Markus Kleemann steht die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer an erster Stelle. „Über allem steht der Schutz der Menschen“, sagt er. Natürlich sei für die Gemeinde ein fließender Verkehr auf der Teilortsumgehung wichtig und der Schutz der Umwelt ein wichtiges Anliegen. Der Rathauschef hatte im Jahr 2016 mit dem Gemeinderat über den Bau eines Kreisverkehrs an der Stelle gesprochen. Damals war ein Grundstück in nächster Nähe von der Gemeinde vermarktet worden. „Wir halten die Fläche frei“, sagt Kleemann. Geld habe die Kommune aktuell nicht im Haushalt eingestellt. „Ob und wann der Kreisverkehr kommt, ist noch nicht diskutiert. Geplant ist er noch nicht.“