Oberstenfeld/Isinya Vom Steckling bis zum Blumenstrauß

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350 Mitarbeiter arbeiten in dieser Rosenfarm für einen Lohn von umgerechnet 90 Euro. Foto: Hannah Melcher

Oberstenfeld/Isinya - Haben Sie sich eigentlich schon einmal gefragt, woher Ihre Rosen zum Valentinstag kommen? Ich hatte Glück und durfte eine der Rosenfarmen in meiner Wohngegend besuchen. Diese exportiert nach Europa, in die USA, nach Australien und Asien. Also letztendlich auch nach Deutschland. Vor meinem Besuch war ich ein wenig verunsichert. Mir wurde es, vor allem in der Schule, so vermittelt, dass es ja ein Unding sei die importierten Rosen zu kaufen, wegen den schlechten Bedingungen vor Ort. Die Farmen würden der Lokalbevölkerung das Wasser abzapfen und die Arbeiter ausbeuten. Daher war ich sehr gespannt, was mich erwarten würde. Dort angekommen wurden wir von einem der Manager herumgeführt und er erklärte uns den Prozess vom Steckling bis hin zum abflugbereiten Blumenstrauß.

Die Stecklinge werden in einer Aufzuchtstation, nach Farben sortiert, gezogen. Dann werden sie in einem der Gewächshäuser in poröses Gestein eingepflanzt. Von einer zentralen Pumpe aus werden alle Gewächshäuser auf dem rund 100 Hektar großen Gelände über Leitungen mit destilliertem Wasser, welches mit Dünger vermischt wird, bewässert. Das Wasser kommt aus einem eigenen Bohrloch und es gibt einen großen Teich, mit dessen Hilfe die Farm auch zwei Monate ohne Wasser auskommen könnte.

Die Rosenpflanzen können bis zu fünf Jahre in den Gewächshäusern bleiben oder sie werden entsorgt, falls die Farbe der Blüten nicht mehr so intensiv ist. Wenn die Rosen zur Weiterverarbeitung bereit sind, werden sie abgeschnitten und in einen Kühlraum gebracht.

Sobald sich die Blütenknospen öffnen, sind die Rosen nicht mehr transportfähig und werden entsorgt. Für die immer noch geschlossenen Rosen geht die Verarbeitung weiter. In einer großen Halle werden sie in Sträuße aufgeteilt und verpackt. Danach geht es in den zweiten Kühlraum. Dort werden bis zu 14 verschiedene Rosensorten gelagert und in Kartons verpackt, bis sie in Lastwagen geladen werden. Eine Rose kann bis zu 25 Tagen gelagert werden. Die Rosen, die ich sehe, werden aber alle am nächsten Morgen abgeholt und zum Flughafen gebracht. Zwischen 50 000 und 60 000 Rosen verlassen täglich das Gewächshaus. Eine davon ist ungefähr 40 Schilling wert, was 40 Cent entspricht.

Mehr als die Hälfte der Rosen wird nach Amsterdam versendet, dort gibt es einen Großmarkt. Vor dem Valentinstag gibt es so viele Rosen, dass manchmal nicht alle in die dafür vorgesehenen Flugzeuge passen und so gar nicht die ganze Ware rechtzeitig am Valentinstag ankommt.

Aber der Manager erzählte uns auch noch einige andere Dinge. Die Arbeiter arbeiten alle festangestellt und es gibt Sozialleistungen wie einen Geldbeitrag für Beerdigungen von Familienmitgliedern. Durchschnittlich erhalten sie 10 000 Schilling im Monat, was 90 Euro entspricht. Das klingt nicht viel für deutsche Verhältnisse, aber in Kenia sind die Kosten auch deutlich niedriger. Einige der Arbeiter leben mit ihren Familien in bereitgestellten Häusern, die mit Strom und Wasser versorgt werden. In dieser Rosenfarm sind ungefähr 350 Mitarbeiter beschäftigt.

Einige von ihnen sind hergezogen auf der Suche nach Arbeit, andere lebten schon davor hier. Die lokale Bevölkerung und die indischen Inhaber der Rosenfarmen leben miteinander. Man erzählte mir allerdings auch, ein Massai wollte seine Kühe einmal auf der Rosenfarm weiden lassen, da das Gras dort grüner war, als im angrenzenden Community-Land. Es enthielt aber Spuren von Chemikalien und daher starben einige seiner Kühe.

Diese Eindrücke sind alle subjektiv von mir und die Informationen wurden mir nur erzählt, daher kann ich nicht beurteilen, ob alles auch stimmt. Und dies war nur eine Rosenfarm von vielen in Kenia. Ich fand die Besichtigung allerdings interessant und ich denke nun anders über die Rosen, die man mir zum Abschied geschenkt hat. Nun bleibt mir nur noch zu sagen, kwa heri! Das heißt übersetzt: Bis bald!