Oberstenfeld-Gronau Verzögerung verteuert den Hochwasserschutz

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Den Krebsen wird mit Edelstahlblechen Einhalt geboten, eine Lösung für die Zauneidechsen folgt. Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

Oberstenfeld-Gronau - Vor knapp sieben Jahren hat der Zweckverband Hochwasserschutz Bottwartal damit angefangen, Hochwasserrückhaltebecken (HRB) für das Prevorster und das Kurzacher Tal zu planen. Dass immer noch nichts steht, liegt unter anderem an zwei Tieren – der streng geschützten Zauneidechse und dem unliebsamen amerikanischen Signalkrebs. Erstere leben vor allem an der Böschung entlang des Wirtschaftswegs im Kurzacher Tal, letzterer bahnt sich seinen Weg immer weiter flussaufwärts und gefährdet durch die von ihm übertragene Krebspest die Bestände des geschützten einheimischen Steinkrebses (wir berichteten). Doch auch die Entscheidung über den Gronauer Mühlkanal spielt eine Rolle, da dieser ins Hochwasserschutzkonzept eingebunden ist. Die Gronauer Ortschaftsräte haben sich in ihrer Sitzung am Dienstag klar für dessen Erhalt ausgesprochen, nun liegt der Ball wieder beim Gemeinderat, der nächste Woche entscheiden wird, wie es mit dem verschlammten Kanal künftig weitergehen soll.

Fest steht aber schon jetzt: Die Kosten für die beiden Rückhaltebecken dürften deutlich steigen. Rüdiger Koch vom zuständigen Ingenieurbüro Winkler und Partner begründete das in erster Linie mit den seit der ersten Schätzung gestiegenen Baukosten. Im Fall des Prevorster Beckens werden die Kosten statt bei 2,97  Millionen nun voraussichtlich bei 4,04 Millionen Euro liegen, beim Kurzacher Becken sind es wohl 4,86 Millionen Euro statt der ursprünglich angesetzten 3,03 Millionen. Mehrkosten entstehen allerdings auch durch den teils felsigen Untergrund.

Fest steht zudem, dass sich die Landschaft, wie sie jetzt ist, durch die beiden Becken verändern wird. Oder, wie es der Ortsvorsteher Eberhard Wolf formulierte: „Wenn man nach Prevorst hochfährt, wird das anders sein als bisher, aber es geht kein Weg daran vorbei.“ Mit den Becken sollen Jahrhunderthochwasser aufgefangen werden. Neben dem verbesserten Schutz ergibt sich der Nebeneffekt, dass die Gemeinde die Hochwassergefahrenkarten fortschreiben und so bessere Baumöglichkeiten haben könnte.

Kompensationsmaßnahmen für beide Becken wird es vor allem am ehemaligen Gronauer Flussfreibad geben. Hier soll unter anderem ein Auwald entstehen. Entlang der Straße sollen darüber hinaus auch verschiedene Obstbäume gepflanzt werden.

Dem Signalkrebs wird indes mit Edelstahlblechen Paroli geboten, die die Tiere nicht selbst überwinden können und die auch wieder entfernt werden können, sollten sie sich einmal als nicht mehr nötig erweisen. Aktuell befinden sich in Fließrichtung oberhalb der Ölmühle noch einheimische Steinkrebse, deren Bestand so gesichert werden soll.

Die Frage von Walter Deuble (SPD) nach dem Stand des für den Bau nötigen Grunderwerbs beantwortete Bürgermeister Markus Kleemann: „Die Flurbereinigungsbehörde des Landratsamts ist in Verhandlungen.“ Auch das Problem mit den Eidechsen bekomme man gelöst. Und das werde aus Gemeindesicht auch Zeit: „Die Menschen warten darauf, geschützt zu werden.“