Oberstenfeld Gedächtnis des Ortes ist jetzt optimal verstaut

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Bürgermeister Markus Kleemann, Kreisarchivar Wolfram Berner und der Mitarbeiter Christian Hofmann (von links) zeigen Schätze aus dem Gronauer Archiv. Foto: Frank Wittmer

Oberstenfeld - Rund 100 Meter Akten und Bücher aus dem Gronauer Archiv sind jetzt sicher in 800 stabilen Boxen in der Lichtenbergschule untergebracht. „Das ist eine optimale Lösung“, ist Kreisarchivar Wolfram Berner begeistert. Die bis zu 450  Jahre alten Dokument sind nun dauerhaft geschützt.

Wie in Mundelsheim auch hat man die durch den Wegfall der weiterführenden Schule nicht mehr benötigten Räume umgebaut. Zu den Kosten von 45000 Euro gab es eine Förderung des Bundes über 6000 Euro, freut sich Bürgermeister Markus Kleemann. Der Umzug war notwendig geworden, weil die Unterbringung unterm Dach des alten Rathauses in Gronau nicht länger tragbar war.

Schimmel und Holzwurm hatten den Dokumenten zugesetzt, zu intensives Licht die Etiketten ausbleichen lassen. Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit schädigten das Archivgut, sodass die Ortsgeschichte in Gefahr war. „Das wollten wir auf jeden Fall verhindern“, so Kleemann. In Gronau standen die Bände teilweise lose im Regal, jetzt sind sie in stabilen Archivboxen vor Licht und Feuchtigkeit geschützt. „Die würden sogar einen Einsturz wie im Kölner Stadtarchiv überstehen“, erklärt Berner. Wobei man nicht vorhabe, die Lichtenbergschule für die Bottwartalbahn zu untertunneln, scherzt Kleemann.

Beim Umzug hat der Hausmeister der Lichtenbergschule Barnabas Kiss kräftig mit an gepackt. In dem ehemaligen Physikraum standen teilweise noch die Chemikalien im Schrank, die man teilweise an andere Schulen verkaufen konnte. Die ehrenamtliche Archivarin Heidemarie Bücker hat jetzt noch viel zu tun.

Die zehn bis 30 Jahre an Dokumenten der Altregistratur, müssen noch in einem „Findbuch“ eingetragen werden, „damit man nicht stieren muss“. Die frühere Mitarbeiterin im Deutschen Literaturarchiv in Marbach will die Grundschulklassen in Führungen am „Gedächtnis des Ortes“ teilhaben lassen.

Und da gibt es wahre Schätze zu entdecken, die der für den Umzug angestellte Mitarbeiter Christian Hofmann präsentiert: Das Wappen der Gemeinde Gronau, das keine Linde, sondern eine Eiche zeigt, wie der frühere Ortsvorsteher Karlheinz Massa erklärt. Oder die Eingemeindungsurkunde mit der Vereinbarung von 1972, die eigentlich besagt, dass das Archiv in Gronau bleiben muss. Der Ortschaftsrat hat aber der Verlagerung zugestimmt.

Gerichtsprotokolle aus dem frühen 19.  Jahrhundert oder ein handschriftliches Gemeinderatsprotokoll von 1827 sind weitere Besonderheiten aus längst vergangenen Tagen. Einzig ein gutes Stück hat den Umzug nicht mitmachen können: Der Holzschrank aus dem Gronauer Archiv muss erst noch fachgerecht vom Holzwurm befreit und aufgearbeitet werden, bevor er wieder bestückt werden kann. „Die alten Bücher haben teilweise Holzrücken, und die Würmer wechseln immer dahin, wo es ihnen besser schmeckt, und das sind leider meist die Bücher“, erklärt Berner.