Neuheit an Marbacher Museum Das neue Mekka der Positionsbestimmung

Von Henning Maak
Rüdiger Ament vom LRA Ludwigsburg (vorne) demonstriert in Anwesenheit von Armin Hüttermann, Marbachs Bürgermeister Jan Trost, Landrat Dietmar Allgaier, Stadträtin Susanne Wichmann und Robert Jakob vom Landesvermessungsamt (von links nach rechts) die Funktionsweise des neuen Kontrollpunktes. Foto: Werner Kuhnle

Beim Tobias-Mayer-Museum in Marbach gibt es nun einen neuen Kontroll­punkt für Navigationsgeräte.

Marbach - Das passende Gespür für die Verbindung von Tradition und Moderne haben Armin Hüttermann, der Vorsitzende des Marbacher Tobias-Mayer-Vereins, und Rüdiger Ament, der Geschäftsteilleiter für Vermessungsdienstleistungen am Landratsamt Ludwigsburg, bewiesen. Denn auf ihr Betreiben hin ist am Freitagnachmittag vor dem Tobias-Mayer-Geburtshaus in der Marbacher Altstadt ein sogenannter GNSS-Kontrollpunkt offiziell eingeweiht worden. Mit diesem können Wanderer, Radfahrer und Geocacher die Genauigkeit ihrer Satelliten-Navigationsempfänger in Smartphones, Tablets, Uhren, Fotoapparaten oder Outdoor-Navigationsgeräten überprüfen.

„Einen idealeren Standort hätte man nicht finden können“, meinte Landrat Dietmar Allgaier bei einer coronakonformen Einweihung im kleinen Kreis mit Masken. Der Ort spanne die Verbindung zwischen dem 18. Jahrhundert, in dem der Mathematiker und Astronom Tobias Mayer gewirkt habe, und dem 21. Jahrhundert, in dem Satelliten zur Positionsbestimmung in Navigationsgeräten aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken seien, so Allgaier.

Pionier der Positionsbestimmung

Tobias Mayer gelte völlig zu Recht als Pionier der Positionsbestimmung, erläuterte Hüttermann. Er habe nach seinem Tod im Jahr 1765 einen Preis des „British Board of Longitude“ zur genauen Bestimmung der geografischen Länge erhalten, was vor allem für die Seefahrt in der damaligen Zeit wichtig gewesen sei. Mit der astronomischen Mond-Distanzen-Methode hätten Seeleute stets exakte Positionsdaten errechnen können. „Und heute sind die Monde und Planeten durch Satelliten ersetzt worden, die von Menschen ins All geschossen wurden“, führte Hüttermann weiter aus.

Rüdiger Ament zeigte anhand seines Outdoor-Navigationsgerätes die Funktionsweise des neuen Kontrollpunktes: Zur Überprüfung der Genauigkeit wird ein solches einfach auf die Metallplatte auf dem Stein vor dem Tobias-Mayer-Museum gelegt, der Kompass des Geräts zeigt die Standortkoordinaten an. Die Messwerte des Geräts können dann mit den angegebenen Koordinaten auf der Kontrollpunktplatte verglichen werden. „Man sollte die Messung mehrfach durchführen, weil die Genauigkeit davon abhängt, wie viele Satelliten gleichzeitig empfangen werden können“, erklärte Ament. Eine Neukalibrierung sei allerdings nicht möglich, betonte er.

Vermessung ist zentimetergenau

„Der Kontrollpunkt wurde von der Vermessungsbehörde des Landratsamtes mit dem Satellitenpositionierungsdienst Sapros, der ortsbezogene Korrekturdaten ohne Zeitversatz bietet, bis auf ein bis zwei Zentimeter genau vermessen“, führte Ament weiter aus. Einfache Navigationsempfänger für Wanderer und Autofahrer erreichten üblicherweise eine Genauigkeit zwischen drei und 15 Metern. Bisher nutzten die meisten Satellitenempfänger das Signal des amerikanischen Global Positioning Systems GPS. Es gebe inzwischen jedoch mit dem russischen „Glonass“ und dem europäischen „Galileo“ weitere Satellitensysteme.

Robert Jakob, der Präsident des Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung, sagte, der Landkreis Ludwigsburg sei mit nunmehr fünf von insgesamt 42 Kontrollpunkten im Land führend. Wer im Übrigen mit den gebotenen Daten terminologisch überfordert ist, kann sich auf einer Tafel am Tobias-Mayer-Haus zum Thema GNSS informieren. Zudem gibt es im Museum einen Flyer zum Thema.