Neubaugebiet in Murr Höhere Häuser am Ortsrand sind passé

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Das Konzept für das Neubaugebiet sieht vor, auch dort wie in den Nachbararealen den bereits bestehenden Bebauungsstil fortzusetzen. Foto: Büro FPZ

Der Murrer Gemeinderat entscheidet sich beim letzten Abschnitt des Neubaugebiets Langes Feld für den bewährten Zuschnitt der Gebäude.

Murr - Die Gedankenspiele um hohe Mietshäuser für mehrere Familien am Murrer Ortsrand haben ein Ende. Der Gemeinderat entschied sich am Dienstag für eine Variante, bei der alles beim altbewährten Schema bleibt. Demnach entstehen beim vierten und letzten Abschnitt des Neubaugebiets Langes Feld nur Einfamilien-, Doppel- und Kettenhäuser – nicht aber höhere Gebäude, in denen die Gemeinde etwa als Investor hätte auftreten und den Wohnraum günstig vermieten können.

Noch im Februar wollten die Räte auf Vorschlag der SPD mehr als nur zwei Entwürfe vom Stuttgarter Planungsbüro FPZ für den 2,7 Hektar großen Siedlungsteil sehen. Das Ziel war, mehr bezahlbaren Wohnraum anbieten zu können. Im Areal südlich des Pleidelsheimer Weges sollten rund 100  Menschen Platz finden.

Der Bürgermeister setzt sich mit seinem Vorschlag durch

Die FPZ-Planerin Petra Zeese stellte vier Entwürfe vor, von denen der dritte und vierte auch wenige höhere Gebäude mit Mehrfamiliencharakter und einen Quartiersplatz boten. Eine Mehrheit von neun zu drei Räten folgte jedoch dem Vorschlag der Verwaltung, den einmal begonnenen Stil im Gesamtgebiet auch bei dessen Arrondierung beizubehalten. So können insgesamt 39 Gebäude mit 43  Wohneinheiten entstehen.

Die Nachfrage nach Wohnraum am Murrer Ortsrand ist offenbar groß. „Wir haben in zehn bis zwölf Jahren 171 Wohneinheiten im Langen Feld errichtet – das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen“, sagte der Bürgermeister Torsten Bartzsch. Er plädierte nach wie vor dafür, Mietwohnungen vor allem im Innenbereich der Gemeinde zu schaffen. Für den Ortsrand hingegen gebe es eine hohe Nachfrage junger Familien, die sich Einfamilienhäuser oder Doppelhäuser wünschten. „Wir wollen die jungen Familien im Ort halten.“

Die Grünen-Räte wünschen sich mehr Vielfalt an Wohnformen

Anderer Meinung war Tayfun Tok. Der Grünen-Landtagsabgeordnete, der mit Ellen Mohr-Essig im Murrer Gemeinderat ein Gespann bildet, wollte mehreren verschiedenen Wohnformen Raum geben und lehnte das konventionelle Schema ab. „Es ist zu schade, das Filetstück zu versiegeln“, sagte er und lobte die Variante 3b, weil darin unter anderem Haustypen vorkamen, die von Familien in Baugemeinschaften im Sinne eines gemeinschaftlichen Wohnens selbst entwickelbar und finanzierbar gewesen wären. Einen Kompromiss stelle die Variante 2 mit zwei Reihenhausreihen, 40 Wohnungen und 44 Wohneinheiten dar – denn ein solches Angebot wäre für Familien unter Umständen am leichtesten finanzierbar.

Für eine zeitgemäße Durchmischung sprach sich dann auch die Grünen-Rätin Ellen Mohr-Essig aus. „Der Variante 1 fehlt der Pfiff“, sagte sie und gewichtete das Plus an Wohnraum in der Variante mit den Mehrfamilienhäusern hoch. So hatte die Planerin Petra Zeese die Zahl von 50 Wohnungen mit 63  Wohneinheiten genannt und dabei unter anderem 14 mal 14 Meter messende würfelförmige Gebäude gezeigt, die preisgekrönt seien und über eine intelligente Grundstruktur und einer guten Aussicht verfügten.

Die Gemeinde fördert junge Familien durch preiswertes Bauland

Mit diesen Argumenten konnten die beiden Grünen jedoch keine Mehrheit in der Ratsrunde gewinnen. Für die klassische Variante 1 sprachen sich vor allem die Vertreter der CDU aus. Es gehe um das Abrunden des bestehenden Gebiets, argumentierte Gunter Eberhardt. „Variante eins fügt sich besser ein“, sagte Fraktionskollege Markus Kaiser. Und Florian Gärtner, ebenfalls Christdemokrat, will den hohen Bedarf an Einfamilien- und Doppelhäuser bedienen.

Überraschend wenig Unterstützung kam aus den Reihen der SPD, was auch daran gelegen haben mag, dass mit Guido Seitz einer der Hauptbefürworter von Mehrfamilienhäusern nicht an der Sitzung teilnehmen konnte. Seitz Mitgenosse Said Benali findet die Varianten 1 und 2 richtig. „Bauen ist teuer“, sagt er. Das Baugebiet gebe auch Familien eine Chance auf Wohneigentum, die dafür kein Kapital durch eine Erbschaft generieren könnten. Bereits in der Vergangenheit hatte die Gemeinde Murr jungen Familien mit preiswertem Bauland gefördert.

Verkehrslage am Pleidelsheimer Weg erfordert einige Eingriffe

Problem
 Ein in der Nachbarschaft gelegener Pferdehof wäre durch das Neubaugebiet betroffen. Die Gemeinde will den Pleidelsheimer Weg, der gerne als Schleichweg zur Autobahn benutzt wird, durch eine Verschwenkung, Baumpflanzungen und einen Randweg für Pferde entschleunigen. So könnten die Aufenthaltsgarantie auch für die Bewohner des Neubaugebiets steigen.

Fehlendes Einvernehmen
 Der SPD-Rat Said Benali fragte, ob sich durch einen möglichen Rechtsstreit wegen der Bedenken der Hofeigentümern eine Verzögerung ergeben könne. Es gebe noch kein Einvernehmen, berichtete Bürgermeister Torsten Bartzsch. Man müsse das Bebauungsplanverfahren abwarten.