Neubaugebiet in Murr Das Wohnen soll bezahlbarer werden

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Das Neubaugebiet soll am westlichen Rand von Murr entstehen Foto:  

Die Gemeinde Murr plant im Langen Feld ein Neubaugebiet für etwa 100 Bewohner. Der Gemeinderat fordert Alternativen zum klassischen Einfamilienhaus. Die Verwaltung muss nacharbeiten.

Murr - Geht es nach dem Murrer Bürgermeister Torsten Bartzsch, bestünde das Neubaugebiet Langes Feld VI in seinem vierten Abschnitt hauptsächlich aus Einfamilienhäusern, die zur Hälfte aus Doppel-, Ketten- und Reihenhäusern bestehen. „Die Nachfrage im Ort von jungen Familien ist riesig.“ Doch im Gemeinderat machte sich am Dienstag Widerstand breit. Der etwa 2,6 Hektar große letzte Siedlungsteil im Langen Feld VI soll mehr bezahlbaren Wohnraum aufweisen, forderte eine Mehrheit – die Verwaltung muss noch mal nacharbeiten.

Der Vorschlag der Planerin: Reihenhäuser sollen bezahlbaren Wohnraum bieten

Das Areal südlich des Pleidelsheimer Wegs bietet Platz für etwa 100  Bewohner. „Klare Strukturen“ erkannte die Planerin Heide Buff vom Stuttgarter Planungsbüro FPZ und sprach von guten Durchlüftungs- und Sichtverhältnissen durch die Bebauung auf etwa 40  Grundstücken. Preiswerteren Wohnraum könnten entweder zwölf Doppelhäuser und sieben Kettenhäuser (Variante 1) oder vier Doppelhäuser, acht Kettenhäuser und acht Reihenhäuser (Variante 2) bieten. Beide Vorschläge reichten den Gemeinderäten aber nicht. Das Büro FPZ soll zwei weitere Entwürfe beisteuern – erst dann soll über den weiteren Weg entschieden werden.

Das Problem: Höhere Gebäude am Ortsrand gelten als unattraktiv

Für den Bürgermeister Torsten Bartzsch ist klar: Bezahlbarer Wohnraum, wie ihn die Gemeinderäte fordern, ist nur in mehrgeschossigen Häusern möglich. Mit dem Gemeinderat habe er sich im Herbst 2019 darauf verständigt, solche Gebäude nur im Innenbereich und nicht am Ortsrand zu erlauben. Dort würden höhere Häuser das Erscheinungsbild trüben. Die Gemeinde will beim Alten Rathaus bezahlbaren Wohnraum schaffen. „Wir kommen dort derzeit nicht so weiter, wie wir das wollen.“ Der Vorschlag der SPD: Häuser mit vier Wohneinheiten von der Gemeinde vermietet

Nicht nur Lippenbekenntnisse, sondern konkrete Taten für bezahlbaren Wohnraum fordert Guido Seitz, Ortsvorsitzender der SPD. Er verlangte „mehr Kreativität“ in der Planung. So könnten Häuser mit vier Wohneinheiten entstehen, „die nicht viel höher als Einfamilien-Häuser sind“. Die Gemeinde könnte als Vermieter fungieren. Tatsächlich habe die Gemeinde schon 30 Wohnungen vermietet, berichtet Bürgermeister Torsten Bartzsch. Er bezweifelt, ob der Bau von Vier-Familien-Häusern bezahlbaren Wohnraum bieten kann. „Man braucht dafür schon Häuser mit einer gewissen Größe“, sagt er und nennt Aufzüge, die viel kosten würden. „Das rechnet sich eher in Sechs- bis Acht-Familienhäusern.“ Eine solche Variante könnte die Planerin nun aber neben den Vier-Familien-Häusern anbieten. Eine Klausur soll jetzt Orientierung bringen. Eine gute Durchmischung des Neubaugebiets kann Erwerb von Baueigentum ermöglichen

Das Anliegen des Murrer Gemeinderats kann die Planerin Heide Buff von FPZ gut verstehen. „Die Baupreise sind zuletzt enorm gestiegen“, sagte sie am Mittwoch im Gespräch. Bei vielen Projekten seien immer noch etwa 20-prozentige Kostensteigerungen gegenüber den Schätzungen zu verzeichnen. Gegensteuern könnten private Bauherren, wenn sie sich in Gemeinschaften zusammenschließen. „Das kostet dann weniger, als wenn jeder selbst etwas machen lässt.“ Ansonsten gelte für Eigentümer: Kleinere Grundstücke, kleinere Häuser – „wir können den Wunsch danach überall feststellen: Die Leute können das alles einfach nicht mehr bezahlen.“ Eine gute Durchmischung von Haustypen könne den Erwerb ermöglichen. Oder man gehe eben in den Geschossbau. Wie positionieren sich die anderen Gemeinderatsfraktionen?

Außer der SPD positionierten sich auch die Grünen und Teile der Freien Wähler für die beiden weiteren Planvarianten. Bei den Freien Wählern gingen allerdings die Meinungen auseinander. Während Uwe Riedel dafür war – „es wäre arrogant zu sagen, es passt nicht rein“ –, wollte Marcus Leibbrandt „das letzte Sahnestückchen nicht mit Mehrfamilienhäusern zupflastern“. Er stimmte wie CDU-Mann Gunter Eberhardt dagegen.