Musikschule Marbach-Bottwartal Die Blockflöte ist nicht mehr der Einstieg

Von Henning Maak
Früh übt sich: Musikschüler bei einem Konzert im Jahr 2013 in Marbach. Foto: Archiv (Avanti/Ralf Poller)

Mit einem großen Festakt in der Stadthalle der Schillerstadt feiert die Musikschule Marbach-Bottwartal am 2. Juli ihr 50-jähriges Bestehen.

Ein halbes Jahrhundert ist es nun her, dass der damalige Bürgermeister von Steinheim, Alfred Ulrich, die „Musikschule Steinheim“ gründete. 1976 beteiligte sich die Stadt Marbach am Trägerverein, der Name wurde in „Jugendmusikschule Marbach-Bottwartal“ umgeändert. Noch einmal 20 Jahre später wurde aus der Jugendmusikschule die „Musikschule Marbach-Bottwartal“, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

Auch wenn sich die musikpädagogische Einrichtung als „Flächen-Musikschule“ versteht, die in Marbach, Erdmannhausen, Benningen, Murr, Steinheim, Großbottwar, Oberstenfeld und Mundelsheim Unterricht anbietet, gibt es mit Steinheim und Marbach bis heute nur zwei Trägerkommunen, die die Musikschule finanziell unterstützen. Insgesamt rund 150 000 Euro tragen die Schiller- und die Urmenschstadt jährlich zum Etat von rund 740 000 Euro bei.

Corona beschleunigt Digitalisierung

Der Großteil wird über Elternbeiträge finanziert, das Land beteiligt sich mit etwa 70 000 Euro pro Jahr. „Es erfüllt mich mit Missmut, dass es uns nicht gelungen ist, weitere Gemeinden als Trägerkommunen zu gewinnen“, sagt Steinheims Bürgermeister Thomas Winterhalter, der als Jugendlicher Schlagzeug gespielt hat. Als einen „Geburtsfehler“ bezeichnet dies Marbachs Bürgermeister Jan Trost, der sich mit Winterhalter als Erster und Zweiter Vorsitzender des Trägervereins abwechselt. Der Musikschule Lauffen sei es beispielsweise gelungen, deutlich mehr Nachbarkommunen mit ins Boot zu nehmen, so Trost, der in seiner Jugend Heimorgel gespielt hat.

Umso stolzer sind die beiden Bürgermeister auf die Leistungen der Leiterin Bärbel Häge-Nüssle und ihrer rund 30 Lehrkräfte. „Da wird seit Jahrzehnten hervorragende Arbeit gemacht“, lobt Winterhalter. Und Trost erinnert an das große Engagement der Musikpädagogen während der Corona-Pandemie, als die Lehrkräfte ihre Schüler aus der Ferne weiter betreut hätten.

„Das war Digitalisierung im Schnelldurchgang“, weiß Bärbel Häge-Nüssle noch gut, die seit 1998 und damit fast die Hälfte der 50 Jahre als Schulleiterin tätig ist. Das Musikschulgebäude sei mit WLAN ausgestattet worden, die Lehrkräfte hätten sich von dort oder von zu Hause aus via Handy oder Laptop mit ihren Schülern in Verbindung gesetzt.

„Die Kinder sind heutzutage viel mehr verplant“

Bärbel Häge-Nüssle ist stolz darauf, dass die Musikschule Marbach-Bottwartal durch die Pandemie praktisch keine ihrer rund 800 Schüler verloren hat. „Weil aber Schulen und Kindergärten geschlossen waren, konnten wir die Kooperationen wie ,Singen – Bewegen – Spielen‘ nicht mehr anbieten“, erläutert sie. Als größte Veränderung im Laufe der Jahrzehnte stuft die Musikschulleiterin das Prozedere bei der Anmeldung ein. „Früher kamen die Anmeldungen in Scharen, da konnte man problemlos Dreier- und Vierer-Gruppen mit der Gitarre bilden“, berichtet sie. Heute kämen Eltern bisweilen an und erklärten, ihr Kind habe nur an einem Nachmittag in der Woche noch ein Zeitfenster, danach müssten sich dann Instrument und Unterrichtsort richten. „Die Kinder sind heutzutage viel mehr verplant, selbst musikalische Früherziehung findet nicht mehr vormittags, sondern ab 15 Uhr statt“, erzählt die Schulleiterin.

Die Blockflöte hat laut Bärbel Häge-Nüssle als Einstiegsinstrument im Übrigen schon seit Jahren ausgedient. „Wer heute mit fünf Jahren Oboe oder Kontrabass spielen will, kann das gern machen“, lädt sie ein. Zwar gebe es noch immer 51 Blockflötenschüler, die am häufigsten unterrichteten Instrumente sind jedoch die Gitarre beziehungsweise Ukulele mit 129 Schülern und Klavier/Keyboard/Akkordeon mit 135.

Auch die Streichinstrumente liegen mit 77 noch vor der Blockflöte. Neben 38 Schlagzeug/Percussion-Schülern gibt es aber selbst für ein eher exotisches Instrument wie die Harfe noch eine Siebener-Klasse. Und einige Schüler der Musikschule Marbach- Bottwartal haben eine Karriere als Profimusiker eingeschlagen und sind heute Mitglied namhafter Orchester. Die Steinheimerin Alison Balls etwa ist Hornistin bei der Oper in Kiel. Mit dem gleichen Instrument hat es Hanna Dippon aus Beilstein zu den Stuttgarter Philharmonikern geschafft. Und die Marbacherin Kathrin Wipfler ist zweite Violinistin beim Philharmonischen Staatsorchester Hamburg.

Inzwischen gibt es einen Förderverein

Stolz ist Bärbel Häge-Nüssle auch, dass es dank des Engagements der Gemeinderätin Susanne Wichmann seit einem knappen Jahr einen Förderverein gibt. Auch dank dessen Hilfe konnte die Musikschule für den Festakt zum 50-Jahr-Jubiläum am 2. Juli in der Stadthalle ein hochkarätiges Programm zusammenstellen.

Hauptattraktion sind die Ludwig Chamber Players mit Musikern aus sieben verschiedenen Nationen. „Das ist ein pfiffiges Ensemble, das aus der klassischen Orchestermusik kommt, aber auch andere Genres draufhat und damit unsere Sparten gut widerspiegelt“, findet die Musikschulleiterin Bärbel Häge-Nüssle.

Festakt zum 50-Jahr-Jubiläum

Programm
Bei dem Festakt am 2. Juli um 19 Uhr in der Stadthalle auf der Schillerhöhe zeigen neben den Ludwig Chamber Players auch Musiker des SWR Symphonieorchesters Stuttgart, die Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs sind, ihr Können. Der Eintritt ist frei, um Spenden zugunsten der Musikschule Marbach-Bottwartal wird gebeten.

Imagefilm
Beim Festakt wird auch ein etwa zehnminütiger Imagefilm der Musikschule mit dem Titel „Musik verbindet“ gezeigt. Es ist ein Geburtstagsgeschenk der beiden Trägerkommunen Steinheim und Marbach, in dem Kinder und Lehrer zu Wort kommen. Neben Marbachs Bürgermeister Jan Trost und Leiterin Bärbel Häge-Nüssle wird auch die baden-württembergische Justizministerin Marion Gentges ein Grußwort sprechen.