Murrer Gruppe will Anfang August die Alpen überqueren. Radtour zum Gedenken an SS-Massaker

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Das Team der Radbande will im August die Alpen überqueren. Weitere Mitfahrer sind willkommen. Foto: privat

Die Murrer Radbande fährt im August zu einer Veranstaltung ins italienische Sant’Anna di Stazzema.

Murr - Das Dorf Sant’Anna di Stazzema in der italienischen Toskana ist seit dem 12. August 1944 untrennbar mit einem schrecklichen Ereignis verbunden. An diesem Tag richteten deutsche SS-Soldaten in und um das Dorf ein Massaker an. Die Zahl der Opfer ist bis heute nicht final geklärt. Verschiedene Quellen sprechen von mindestens 389 namentlich identifizierten und insgesamt bis zu 560 Toten, darunter auch etwa 130 Kinder. Fritz Hirschmann aus Steinheim hat sich sehr viel mit diesem Ereignis beschäftigt. „Ich bin beim Verein ,Die AnStifter’ engagiert, der den Stuttgarter Friedenspreis verleiht. Den bekamen 2013 zwei Überlebende des Massakers“, erklärt er. Nun ist Hirschmann außerdem begeisterter Radfahrer und gehört zur Murrer Radbande.

So kam ihm die Idee, das Gedenken an das Massaker von Sant’Anna di Stazzema und das Radfahren miteinander zu verbinden. „Wir werden mit einer Gruppe der Radbande am 5.  August losfahren und in mehreren Etappen die Alpen überqueren.“ Am 12.  August, dem Jahrestag des Massakers, will die Gruppe dann schließlich die letzte, 32 Kilometer lange Etappe von Marina di Carrara hinauf in das Bergdorf in Angriff nehmen und an der Gedenkveranstaltung teilnehmen, die dort seit einigen Jahren stattfindet.

Das Massaker soll mehr in den Fokus des Gedenkens rücken

„Ich würde mir wünschen, dass dieses Ereignis wieder mehr in den Fokus des Gedenkens rückt“, sagt Fritz Hirschmann. „Denn die rechtliche Aufarbeitung war sehr unzureichend“, findet der 71-Jährige. So lagerten die Akten zu dem Fall über mehrere Jahrzehnte bis 1994 in einem versiegelten Schrank bei der italienischen Militärstaatsanwaltschaft. Dieser „Schrank der Schande“, wie er später genannt wurde, stand mit den Türen zur Wand. Erst 2004 wurden zehn ehemalige SS-Soldaten von einem italienischen Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie wurden aber von den deutschen Behörden nicht ausgeliefert, die Urteile wurden auch nicht in Deutschland vollstreckt, die Männer blieben unbehelligt.

Abgeordneter möchte die erste Etappe mitfahren

Insgesamt elf Teilnehmer hat die RadGruppe bislang, „darunter vier Frauen. Vom Alter ist es bunt gemischt: Die Jüngsten sind Mitte 30, ich bin mit 71 der Älteste. Die Etappen sind zwischen 70 und 140  Kilometer lang und beinhalten bis zu 3140 Höhenmeter“, erklärt Hirschmann und betont: „Es können sich gerne noch weitere Teilnehmer anschließen! Die müssen sich nur um die Unterkünfte an den Etappenorten selbst kümmern.“

Hirschmann hat zudem auch fast alle Landtagsfraktionen angeschrieben, ob jemand mitfahren möchte: „Außer die AfD – von denen wäre wohl auch eh nichts gekommen. Ein Grünen-Abgeordneter möchte uns auf der ersten Etappe begleiten. Von allen anderen habe ich zumindest sehr schöne Rückmeldungen erhalten.“ Ein Problem hat Fritz Hirschmann aber noch: „Wir brauchen ein Begleitfahrzeug – und am Besten noch jemanden, der es fährt.“ Das Fahrzeug müsse groß genug sein, um das Gepäck und zumindest eine Nacht lang die Räder dort unterzubringen.

„An einem Etappenort haben wir keine Chance, die Räder sicher unterzustellen“, erklärt Hirschmann, der damit liebäugelt, dass sich eventuell ein Sponsor für das Begleitfahrzeug findet. „Vielleicht hat ja eine Firma etwas Entsprechendes, das in der Urlaubszeit eh nicht gebraucht wird.“ Und sollte sich nur ein Auto, aber kein Fahrer finden, „dann würden wir uns abwechseln. Ich rechne eh damit, dass der ein oder andere mal eine Etappe auslässt oder vielleicht ab der Hälfte ins Begleitfahrzeug steigt. Es kann ja auch immer mal sein, dass jemand Probleme hat.“

Die Gruppe werde sich wohl in zwei oder drei „Leistungsgruppen“ aufteilen. „Aber das wird kein Rennen. Es soll allen maximalen Spaß machen“, betont Hirschmann. Auf dem Rückweg sollen dann alle Räder sowie mehrere Teilnehmer im Begleitfahrzeug transportiert werden. „Der Rest wird auf Mietautos aufgeteilt“, erläutert Fritz Hirschmann die Planungen.

Wer an der Fahrt teilnehmen oder sie vielleicht unterstützen möchte, kann sich übrigens jederzeit gern an Adrian Gieseler von der Radbande unter der Mailadresse radbande@web.de wenden.

Derzeit fehlt der Gruppe noch ein Begleitfahrzeug