Murrer Feldweg oberhalb der L1100 „Wer da runterrutscht, für den ist es vorbei“

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Der Weg am Dreikommuneneck von Marbach, Murr und Benningen soll nach Angaben des Murrer Rats Giorgio Monteleone gefährlich sein. Doch darüber gehen die Meinungen auseinander. Foto: Oliver von Schaewen

Der Murrer Bürgermeister Torsten Bartzsch hält den Feldweg oberhalb der L1100 für unbedenklich. Ganz anders der CDU-Gemeinderat Giorgio Monteleone. Er fordert eine Absicherung.

Murr - Das frühere Straßendorf Murr verfügt heutzutage über schöne Ecken – und das durchaus auch an den Siedlungsrändern, was in Zeiten des Homeoffices von Vorteil ist. Wer einen Spaziergang machen will, stößt in der Nähe der Bottenäckersiedlung auf Natur. Am Lichtenbergweg kann man sogar auf einer Bank Platz nehmen, um das Panorama des Bottwartals zu genießen. Ein Stück weiter südlich beginnt der Waldweg nach Benningen. Ob das relativ kurze Wegstück gefährlich ist und ein Geländer braucht – darin sind sich der Murrer der Bürgermeister Torsten Bartzsch und der CDU-Rat Giorgio Monteleone uneinig.

Der besorgte Monteleone monierte die Situation unter dem Punkt Verschiedenes in der jüngsten Gemeinderatssitzung, nachdem ihn eine Betreuerin der Einrichtung Itzebitz angesprochen hatte, die mit Kindern auf dem Weg unterwegs gewesen war. Seiner Meinung nach liege eine Gefährdung vor, weil es an einer Seite des Weges steil hinunter in Richtung Landesstraße 1100 geht und Passanten bei einem Sturz zu Schaden kommen könnten. „Wer da runterrutscht, für den ist es vorbei“, erklärte der Berufsschullehrer, der für die Christdemokraten seit seiner Wahl im Jahr 2019 im Gemeinderat sitzt, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Giorgio Monteleone kann sich auch vorstellen, dass es zu Situationen im Begegnungsverkehr von Fahrradfahrern kommen könnte. „Es müsste ja nichts Großes sein, ein einfacher Baustellenzaun, oder eine rot-weiße Absperrung würden schon reichen.“ Seines Wissens seien manchmal Jugendliche zwischen Benningen und Murr an den Wochenenden nachts auf dem Weg unterwegs gewesen, als es noch keine Corona-Beschränkungen gab. Man sei einfach auf der sicheren Seite – und er wolle das auf jeden Fall ansprechen, damit das Problem bewusst und miteinander diskutiert werde.

Bereits in der Sitzung des Gemeinderats im Dezember hatte der Bürgermeister Torsten Bartzsch eine andere Meinung vertreten. „Wir haben uns das angeschaut“, sagte er und meinte, der Feldweg liege außerhalb der Ortschaft und ein Gefährdungspotenzial an der Stelle sei für ihn nicht zu erkennen. Bei einem Vorort-Termin mit dieser Zeitung demonstrierte der Bürgermeister, was er genau damit meinte. Er stellte sich auf die bergzugewandte Seite des zwei Meter breiten Weges. „Jeder kann selbst entscheiden, ob er sich hier oder näher am Hang bewegt.“ Wer sich unsicher fühle oder sich risikofrei verhalte, müsse nicht an der Wegkante zum Abhang entlanggehen. Auch falle man bei einem Abkommen vom Weg nicht gleich metertief. „Wenn eine Erzieherin einer Gruppe mit 20 Kindern dies zu gefährlich erscheint, was ja legitim ist, muss man ja auch nicht ausgerechnet diesen einen Weg gehen.“ Bisher sei nichts passiert, und niemand aus der Bürgerschaft habe bisher wegen einer besseren Sicherung angefragt.

Offenbar wird der Weg in erster Linie von Spaziergängern benutzt. Es gebe aber auch einige, wenige Bürger, die von Murr nach Benningen zum S-Bahnhof laufen oder mit dem Fahrrad fahren, weiß Torsten Bartzsch. Auch von ihnen habe er bisher keine Klagen gehört. Der mit Schotter befestigte Weg kann von Autos nicht benutzt werden, weil ein massiver Stein die Einfahrt von der Bottenäckersiedlung aus verhindert.

Tatsächlich gebe es einige Personen, die den Weg zwischen den beiden Orten zu Fuß benutzten, weiß der Benninger Bürgermeister Klaus Warthon, der die Einschätzung seines Kollegen Torsten Bartzsch auf den ersten Blick teilt. Gleichwohl kenne er die Verhältnisse auf dem Weg oberhalb der L1100 nicht genau und könne deshalb wenig beitragen. An der Wengertsteige auf Benninger Seite existiere ein Geländer. Man habe sich mit Murr verständigt, den Weg für motorisierten Verkehr zu sperren und zu beschildern.