Murr/Triathlon „Ich möchte einfach schauen, was für mich möglich ist“

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Mit dem Triathlon in Kalmar verfolgt Björn Laibacher ein festes Ziel. Foto: Werner Kuhnle

Murr - Dem Triathlon ist Björn Laibacher seit etwas mehr als sechs Jahren verfallen. Der Sportler des Murrer Teams Silla Hopp wurde in dieser Zeit bereits Deutscher Meister und Europameister der Amateure auf der Langdistanz in der Altersklasse 30 bis 34 Jahre. Auch die legendäre Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii finishte der 34-Jährige. Und doch wagt Laibacher in diesen Monaten noch einen weiteren Schritt nach vorne: Er startet in dieser Saison mit der Profilizenz, legt den Amateurstatus also ab.

Ein wohldurchdachter Schritt des Mannes, der inzwischen von Marbach nach Leinfelden-Echterdingen gezogen ist. Das merkt man ihm im Gespräch schnell an. Als gut geplantes Abenteuer lässt sich die Saison 2019 für ihn wohl am besten beschreiben. Einerseits hat er einen Trainer engagiert, er bewältigt eine höhere Trainingsintensität und er hat ein klares Ziel vor Augen. Andererseits hat er seine lockere Seite nicht abgelegt, mit der er sich ausprobieren möchte. Und auch ein Eiskaffee fürs Interview ist noch drin.

„Ich möchte einfach schauen, was für mich möglich ist und wie weit ich komme, wenn ich 25 bis 28 Stunden statt 15 bis 17 Stunden in der Woche trainiere. Mit 34 Jahren ist das zwar ein später Schritt, aber ich mache Triathlon ja erst seit sechs Jahren. Und mit 50 will ich mich nicht ärgern, es nicht probiert zu haben“, sagt er. Bewusst ist er sich: Er kann sich steigern – eine Garantie dafür hat er aber nicht.

Um das alles organisatorisch umsetzen zu können, hat der Simulationsingenieur seine Arbeitszeit bis November reduziert. Von 40 auf 28 Stunden. „Bei einer 40-Stunden-Woche ist die Trainingszeit natürlich begrenzt. Da kannst du auch zwei, drei Wochen sehr viel trainieren, auf Dauer funktioniert das aber nicht. Mit der Regeneration wird es da schwierig, du brauchst ja Ruhephasen.“ Also teilt er sich seine Arbeitszeit jetzt so ein, dass er einen Werktag frei hat. „Mit der Reduzierung ist das finanziell etwa so, als wäre ich in Elternzeit“, sagt er schmunzelnd. An einem freien Tag trainiert er gerne auch mal länger als fünf Stunden. Und an Tagen, an denen er reduziert trainiert, ist er eben länger im Büro. Ganz flexibel also.

Seit März macht er das so – mit prominenter Unterstützung. Denn sein Trainer ist Timo Bracht (43), der 18 Jahre lang Profi war und, gemessen an seinen Titeln, der erfolgreichste Langdistanz-Triathlet Deutschlands ist. Nur ein Sieg auf Hawaii fehlt in seiner Vita. „Ich habe ihn in Roth kennengelernt und wir hatten von Anfang an einen super Draht zueinander. Es fühlt sich an, als würden wir uns schon ewig kennen. Im Herbst habe ich ihn dann gefragt, ob er Lust hat, mit mir zusammenarbeiten“, sagt Laibacher, der auf Zustimmung traf. Bracht stellt ihm den Trainingsplan zusammen, überwacht manche Einheiten und führt Leistungstests durch. „Allein schon die Tests bringen einen großen Vorteil, weil klar wird, mit welcher Intensität ich was trainieren kann.“

Trainierte er bis dato unter Eigenregie, laufen die Einheiten jetzt auch mal gänzlich anders ab. „Beim Radfahren geht’s etwa darum, auf bestimmte Wattwerte zu kommen. Da stellt sich dann die Frage, wo ich diese am besten erreiche“, so Laibacher. Die Folge: Er fährt nicht mehr einfach los zu einer Rundtour, sondern auch mal über mehrere Stunden zwischen zwei Ortschaften hin und her, bestenfalls zwischen zwei Kreisverkehren, damit er nicht an einer Ampel halten muss. „Da sieht man natürlich nicht mehr so viel von der Landschaft“, sagt er lachend. Doch Profistatus ist eben Profistatus.

Insgesamt sind die Umfänge und die Intensität des Trainings also deutlich höher als bislang. Auf 500 bis 600 Kilometer auf dem Rad, 60 bis 80 Kilometer beim Laufen und zehn bis 20 Kilometer beim Schwimmen kommt er inzwischen – pro Woche. „Dazu kommen Kraft- und Athletikeinheiten und das Dehnen.“ Sein Körper scheint das zu verkraften: „Nach den drei Monaten habe ich jedenfalls keine Beschwerden. Toi, toi, toi.“

Doch warum diese Schinderei, für die der ehemalige Landesliga-Kicker, der auch für den FC Marbach spielte, seine Fußballschuhe vorzeitig an den Nagel gehängt hat? „Ich war ja schon eher der Ausdauerfußballer“, blickt Laibacher zurück, der nebenher immer gerne gelaufen und geschwommen ist. „Nur radfahren war ich nie, was sich aber mit meinem ersten Mountainbike geändert hat. Und nimmt man laufen, schwimmen und radfahren zusammen, kommt man automatisch zum Triathlon“, so der 34-Jährige über seine Anfänge. 2012 absolvierte er seinen ersten Zehn-Kilometer-Lauf, kurz darauf trat er in seinem Heimatort Murr dem Team Silla Hopp bei. Die Teilnahme am Dirty Race folgte prompt. Der Virus war entfacht.

Geschlossen hat sich für ihn damit gewissermaßen ein Kreis. Denn schon mit etwa zehn Jahren absolvierte Laibacher einst den Triathlon in Kornwestheim. „Und ohne Training hat das damals gut geklappt“, erinnert er sich. Und auch beim Wettkampf in Roth hatte er als Kind mal zugesehen. „Die Stimmung dort ist mir in Erinnerung geblieben. Ab da hatte ich dann im Hinterkopf, das auch einmal ausprobieren zu wollen.“ Inzwischen hat er jene Erfahrung reihenweise gesammelt. Der größte Erfolg gelang ihm in Frankfurt, wo er bei seinem ersten Langdistanz-Triathlon als Gesamt-14. auf Anhieb Deutscher Meister und Europameister seiner Altersklasse wurde. „Das hätte ich so nie gedacht, da war ich von mir selbst überrascht. Das war schon eine besondere Gefühlslage“, sagt Björn Laibacher, der dann auch auf Hawaii tolle Eindrücke sammelte. „Fürs Rennen selbst hatte ich mir dort aber mehr versprochen.“

Lässt die Kraft und Motivation im Wettkampf einmal nach, sei es ein Erfolgsrezept, daran zu denken, wie gerne man Sport machen würde, wäre man jetzt krank. „Dann denke ich mir: Jetzt darfst du! Ich sage mir auch, dass ich das ja freiwillig mache. Und ich stelle mir vor, mich im Ziel keinesfalls darüber ärgern zu wollen, nicht alles gegeben zu haben.“

Doch worauf arbeitet Björn Laibacher in dieser Profi-Saison nun hin? „Die Wettkämpfe in Roth und Frankfurt sind für mich zu früh in der Saison gewesen“, erklärt er. Eine Langdistanz soll es aber unbedingt sein. Fündig geworden ist er inzwischen im schwedischen Kalmar, wo er im August an den Start gehen wird. „Nachdem klar war, dass es dort auch ein Profistartfeld geben wird, habe ich mich angemeldet.“ Zumal er bereits einen kleineren Triathlon in Schweden absolviert hatte, als er dort einmal seine Schwester besuchte. „Und die Schweden waren wirklich cool drauf entlang der Strecke.“

Wie er dann die Zeit von Ende August bis November nutzt, und ob er noch einen weiteren Wettkampf in Angriff nimmt, möchte er dann erst kurzfristig entscheiden. Je nach Körperverfassung. Die ist beim Triathlon schließlich das A und O – ob als Amateur oder als Profi.