Murr Sorge um Rollator-Fahrer löst Debatte aus

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Rollator-Fahrer haben es an der Kreuzung Foto: Oliver von Schaewen

Murr - Manchmal höhlt der stete Tropfen den Stein. Das mag sich der Murrer CDU-Gemeinderat Gunter Eberhardt gedacht haben, als er am Dienstag in der Ratssitzung zum zweiten Mal den Wunsch äußerte, die Gehwege an der Heerstraße zwischen Frauenstraße und Steinäckerstraße sowie entlang der Frauenstraße im Bereich des Thürrauch-Areals in Teilen ganz abzusenken. Diese Bitte, Rollator-Fahrern durch die Baumaßnahme entgegenzukommen, löste im Gemeinderat eine kontroverse Diskussion aus.

Die Debatte entzündete sich an der Auftragsvergabe für den Umbau. Auf dem Thürrauch-Areal ist gebaut worden. Jetzt sollen an der Heerstraße Parkplätze und Gehweg neu gestaltet werden. Drei Angebote gingen ein, die Firma Eurovia Teerbau aus Stuttgart erhielt zum Preis von rund 483 000 Euro den Zuschlag. Dabei blieben alle Angebote deutlich unter der Kostenschätzung des Verbandsbauamtes Großbottwar, wie dessen Leiter Jürgen Ruoff in der Sitzung am Dienstag erklärte.

Die Ersparnis von etwa 420 000 Euro nahm Gunter Eberhardt zum Anlass, auf die geplante Kleeblatt-Erweiterung und zunehmenden Rollatorenverkehr von der Beethovenstraße aus hinzuweisen. Ob man die Gehwegkante in Teilen nicht ganz absenken könnte, wollte der CDU-Rat wissen.

Baulich sei dies mit Mehrkosten möglich, erklärte Jürgen Ruoff, doch müsse beachtet werden, dass Gehwege sowohl für Rollator-Fahrer als auch für Blinde so gestaltet werden müssten, dass beide Gruppen klarkämen. Blinde müssten eine Gehwegkante immer noch ertasten können. „Wir machen das, wenn Sie das wollen.“

Bisher hat die Gemeinde die Bordsteinkanten immer nur auf etwa zwei bis drei Zentimeter abgesenkt, zuletzt in der Mozart- und Silcherstraße – und sei damit gut gefahren, erklärte der Bürgermeister Torsten Bartzsch während der Diskussion. Er riet dazu, keinen Präzedenzfall zu schaffen, sondern das Verfahren beizubehalten, da es Rollator-Fahrern und Blinden ein Fortkommen ermögliche.

In dem Bereich des Kleeblattheims gebe es viel mehr Rollator-Fahrer als Blinde, gab Uwe Riedel von den Freien Wählern zu bedenken. „Da sind viele Menschen in Richtung Ortsmitte unterwegs.“ Gar einen „neuralgischen Punkt zwischen Kleeblatt-Heim und Ortsmitte“ machte die Grüne Ellen Mohr-Essig in dem Bereich aus und forderte, die Kosten für die mögliche Barrierefreiheit zu ermitteln.

Vor einer „Insellösung“ warnte indes Jürgen Ruoff. Man sollte ein Gesamtkonzept erstellen. Ein einziger Übergang „im Idealzustand“, aber fehlende Weiterführung in der Frauenstraße in Richtung Rathaus und Dorfplatz war dann auch die Sorge von Rainer Fröbel. Der SPD-Rat sah es als „riesige Aufgabe, wenn wir im Ort perfekte Lösungen wollen“ und warnte vor einem Schnellschuss.

Letztlich einigte sich die Runde darauf, den Auftrag an Eurovia zu vergeben und sich über ein mögliches Gesamtkonzept informieren zu lassen.

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