Murr Freude über geglückten Stabwechsel überwiegt

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Der Stab ist übergeben: Andrea Ammer, Diana Sailer, Bernhard Fuchs, Marianne Fuchs und Doris Daniel (von links) Foto: Werner Kuhnle

Murr - Jahrzehntelang war Schreibwaren-Fuchs eine Institution im Bottwartal – mit drei Geschäften in Großbottwar, Oberstenfeld und Murr. Nach einem allmählichen Abschied, der 2011 in Oberstenfeld begonnen hat und 2016 in Großbottwar weitergegangen ist, geben Bernhard und Marianne Fuchs nun auch das letzte Geschäft in Murr zum Ende des Monats altershalber auf. Die gute Nachricht: Mit Diana Sailer steht eine Nachfolgerin schon in den Startlöchern, die das Traditionsgeschäft nach einer kurzen Umbaupause weiterführen wird. Die Murrer können sich dort also auch weiterhin mit Schreibwaren, Bürobedarf, Zeitungen, Zeitschriften, Spielwaren und Geschenkartikeln eindecken und beim Toto- und Lottospielen auf ihr Glück hoffen.

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Dass Bernhard Fuchs im Jahr 1973 mit gerade mal 23 Jahren in der Schreibwarenbranche gelandet ist, war ein Zufall, erzählte er: „Ich hatte eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen und wollte mich selbstständig machen.“ Einer der Kunden seines Vaters, ein Schreibwarenvertreter, habe ihm dann den Tipp gegeben, sich für diese Branche zu entscheiden und argumentierte: „Das braucht man immer.“ Bernhard Fuchs schaute sich bei einem Heilbronner Großhändler um und ließ sich vom Angebot überzeugen. Dann gab er eine Anzeige auf: „Suche Verkaufsfläche.“ Wer sich meldete, war das Autohaus Reiche in Großbottwar, das einen alten Verkaufsraum nicht mehr benötigte, und wenig später hatte die Storchenstadt ein neues Schreibwarengeschäft. Eine Filiale in Oberstenfeld folgte drei Jahre später, das Geschäft in Murr schließlich 1984.

Eine lange Zeit, in der Bernhard und Marianne Fuchs und die Mitarbeiter für viele Kunden am Ort eine feste Größe geworden sind. „Wir sind bekannt wie ein bunter Hund“, schmunzelte Bernhard Fuchs. Und er und seine Frau erzählen, dass viele, die einst als „Pimpfe“ in den Laden gekommen seien, um ihre Schulhefte und Stifte zu kaufen, inzwischen mit ihren eigenen Kindern kämen. „Eine Frau hat sogar ein bisschen geweint, als sie erfahren hat, dass wir jetzt aufhören“, berichteten die beiden. Denn so entschwindet eben wieder ein Stück Jugend.

An eine Anekdote aus ihrem langen Berufsleben erinnern sich Marianne und Bernhard Fuchs auch heute noch mit einem Lächeln: „Wir hatten früher auch Modellbauflugzeuge, und einer unserer Kunden hat offenbar eines davon mitgenommen, ohne es zu bezahlen.“ 20 Jahre später sei dann ein anonymer Brief gekommen, mit dem der damals angerichtete Schaden ersetzt worden sei. „Offenbar hat der Diebstahl demjenigen all die Jahre keine Ruhe gelassen.“

Dem nun endgültigen Abschied aus der Schreibwarenbranche sehen Marianne und Bernhard Fuchs mit nur wenig Wehmut und viel Vorfreude auf den Ruhestand entgegen, vor allem, weil es seit Kurzem auch das erste Enkelkind gibt: „Und wir sind vor allem froh, dass wir so schnell eine kompetente Nachfolgerin gefunden haben. Die meisten geben ja ganz auf.“ Diana Sailer ist schon seit etwa 15 Jahren nebenberuflich in der Schreibwarenbranche und freut sich nun darauf, ihr eigenes Geschäft zu führen. Das Grundsortiment soll gleich bleiben; sie möchte zudem aber einen Schwerpunkt auf nachhaltige Produkte wie Bienenwachstücher sowie Briefhüllen, Servietten und Karten aus Recyclingmaterial legen. Die Eröffnungsfeier mit unterhaltsamen Aktionen ist am 4. Oktober zwischen 14 und 20 Uhr.