Mundelsheimer verurteilt Lebenslang für Doppelmord

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Nach fast vier Monaten Verhandlung ist das Urteil nun verkündet worden. Foto: dpa/Marijan Murat

Der Mann aus Mundelsheim, der seine Ex-Freundin und ihre Tochter umgebracht hat, muss für mindestens 15 Jahre ins Gefängnis.

Mundelsheim/Stuttgart - "Die Unbegreiflichkeit dieses Verbrechens macht fassungslos“ – mit diesen Worten leitete der Vorsitzende Richter Guido Winkelmann seine Urteilsbegründung ein. Nach fast vier Monaten Verhandlungen ist im Landgericht Stuttgart der Prozess wegen des Doppelmordes im Juni 2020 in Allmersbach im Tal (Rems-Murr-Kreis) zu Ende gegangen. Ein 37-jähriger Industriemechaniker aus Mundelsheim wurde wegen des Mordes an seiner 41-jährigen ehemaligen Lebensgefährtin und deren neunjähriger Tochter zu lebenslanger Haft mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld verurteilt. Eine Freilassung nach 15 Jahren ist auch bei guter Prognose damit so gut wie ausgeschlossen. „Sie haben mit einer Brutalität und Skrupellosigkeit gehandelt, die einer Hinrichtung gleicht“, sagte der Richter.

Der Vorsitzende Richter zeichnete die Tat nach, die der 37-Jährige bereits gestanden hatte. Der Angeklagte und sein späteres Opfer hatten sich im Februar 2020 in einer Disco kennengelernt. Was als One-Night-Stand begann, wurde schnell zu einer intensiven Beziehung, in der es aber schon bald kriselte. „Wegen ihrer Persönlichkeit“, sagte Winckelmann zum Verurteilten, „es gab Ärger wegen Kinkerlitzchen.“ Bereits frühere Partnerschaften des Mannes waren wegen dessen Egozentrik und seiner Neigung, den Partnerinnen seinen Willen und seine Vorstellungen von Ordnung aufzuzwingen, gescheitert. Auch die Ehe des Angeklagten mit seiner Noch-Ehefrau, mit der er zwei Kinder im Alter von zehn und zwölf Jahren hat, war bereits in die Brüche gegangen.

Am 5. Juni 2020 kam es zur einvernehmlichen Trennung, man blieb aber freundschaftlich verbunden. Am 20. Juni trafen sich die beiden, nachdem der Verurteilte dem Bruder der Getöteten beim Transport eines Traktors geholfen hatte. Nach einem gemeinsamen Essen ging der Täter alleine in die Disco. Von dort aus schrieb er Whatsapp-Nachrichten, die den Schluss zulassen, dass er eine sexuelle Beziehung zu der Frau fortführen wollte. Anschließend fuhr der Mann zum Haus seiner Ex-Freundin in Allmersbach, wo er die 41-Jährige mit einem Bekannten auf der Terrasse vorfand. Die beiden ignorierten den ungebetenen Gast. Nach ein paar Minuten fuhr der Täter unverrichteter Dinge nach Mundelsheim. Auf der Fahrt schickte er Textnachrichten, in denen er der Frau drohte, ihr die „Fresse zu polieren“. Zu Hause legte er sich hin, kam aber nicht zur Ruhe und fuhr wieder nach Allmersbach. Nachdem der Bekannte gegangen war, kam es zwischen dem Angeklagten und dem Opfer gegen 1 Uhr zu einem heftigen Streit. Irgendwann ging der Mann zu seinem Auto und holte ein Kantholz aus dem Kofferraum. Zurück im Haus schlug er seiner ehemaligen Freundin ohne Vorwarnung auf den Kopf. Er schlug noch mindestens zweimal zu, dann schnitt er der Frau mit einem Küchenmesser die Kehle durch, wie er es von seiner Schafzucht kannte. Ein tiefer Schnitt in der Hand des Opfers zeugte von einem Abwehrkampf. Die 41-Jährige verblutete.

Nach dem Mord an der Frau ging der Mann ins Schlafzimmer und tötete die dort schlafende Tochter auf dieselbe Weise. Nach dem Doppelmord fuhr der 37-Jährige zu seiner Noch-Ehefrau in Gaildorf (Kreis Schwäbisch Hall), um sie ebenfalls zu ermorden. Dort angekommen, versuchte er die Haustür einzutreten, scheiterte aber. Am Nachmittag des 21. Juni stellte er sich in Heilbronn der Polizei. Das Gericht folgte der Einschätzung des Gerichtspsychiaters Peter Winckler, der den Angeklagten als voll schuldfähig bezeichnete. Obwohl der 37-Jährige am Tatabend Alkohol getrunken hatte, war er steuerungsfähig. Im Affekt habe der Verurteilte ebenfalls nicht gehandelt, denn es habe keinen „Auslöserreiz“ gegeben, der zu blinder Gewalt geführt hätte.

Stattdessen habe es genügend Möglichkeiten gegeben, bei denen der Täter zur Besinnung hätte kommen können. Das Argument des Angeklagten, er habe wie „fremdgesteuert“ gehandelt, wies Winkelmann zurück: „Sie wollten Menschenleben vernichten.“ Auch das Motiv des 37-Jährigen, die Tochter getötet zu haben, um ihr ein Leben ohne Mutter zu ersparen, ließ er nicht gelten: „Sie haben die Tat zu verantworten und die Strafe verdient.“

Der Verurteilte handelte laut dem Urteilsspruch heimtückisch, seine Opfer waren wehr- und hilflos. Das Gericht stellte außerdem niedrige Beweggründe fest. Der Täter tötete laut Winkelmann aus Wut, weil der Abend und die Beziehung nicht so liefen, wie er es sich vorgestellt hatte. Außerdem habe er sich „gedemütigt und herabgewürdigt“ gefühlt, da das Opfer und deren Bekannter ihn ignoriert hatten.