Mobile Impfaktion in Marbach Große Dankbarkeit für den kleinen Pieks

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Der 87-jährige Franz Schnalke war der Erste, der geimpft wurde. Foto: Ralf Poller/avanti

Das mobile Impfzentrum in der Marbacher Stadthalle hat 194  Senioren eine Versorgung ermöglicht. Die Aktion am Karfreitag verlief reibungslos.

Marbach - Franz Schnalke ist der erste, der an diesem Morgen um 9.30 Uhr in der Marbacher Stadthalle Platz nimmt. „Ich habe alles auf mich zukommen lassen“, sagt der 87-Jährige, der unter den 194 Angemeldeten ab Jahrgang 1942 ist, die an diesem Freitag gegen Covid-19 geimpft werden. Bei ihm ist Nicole Kurz, Freundin des Sohnes. „Wir sind so dankbar, dass uns die Nachbarschaftshilfe zu diesem Termin verholfen hat“, sagt sie nach vielen vergeblichen Telefonaten.

Die mobilen Impfteams sind seit dem 27. Dezember im Landkreis Ludwigsburg unterwegs. Sie widmen sich vor allem den Hochbetagten, deren Mobilität eingeschränkt ist. Die Stadt Marbach hat dafür an diesem Karfreitag die Stadthalle bereitgestellt. „Es ist der höchste evangelische Feiertag, aber der Termin wurde uns zugewiesen“, sagt Jan Trost. Der Marbacher Bürgermeister ist froh, dass ein Team aus rund 50 Engagierten der Freiwillige Feuerwehr, des DRK-Ortsvereins, städtischen Mitarbeitern sowie anderen Ehrenamtlichen tätig ist. Sie alle sorgen unter der Obhut von Andrea von Smercek, bei der Stadt Marbach für das ehrenamtliche Engagement zuständig, für einen möglichst reibungslosen Ablauf. So sind für jeden Impfwilligen vier Minuten Aufklärung und eine Minute für das Spritzen vorgesehen – Hektik kommt aber nicht auf, denn jeder Senior soll in einer freundlichen Atmosphäre behandelt werden.

Nach der Impfung bleibt man noch eine Viertelstunde sitzen

Franz Schnalke hat sich vorab im Foyer einen kleinen Film angeschaut. Später er in eine der drei Impfstraßen weitergeleitet. Er trifft auf die Besigheimer Ärztin Dr.  Irmina Borzecka, die ihn über die bevorstehende Impfung mit dem Vakzin der Firma Biontech aufklärt. „Sind Sie Links- oder Rechtshänder?“, fragt sie. Es stellt sich heraus, dass der Senior zwar Linkshänder ist, aber mit rechts schreibt. Die Impfspritze wird ihm deshalb in den linken Arm verabreicht. „Ich habe gar nichts gespürt“, sagt er später und erzählt, dass er während der Pandemie viel unternommen habe und das auch weiter vorhabe.

Eine Viertelstunde verbringt der rüstige Senior in Begleitung noch im Wartebereich. Die Veranstalter wollen sicher gehen, dass der Kreislauf nicht überfordert wird. „Dass der Körper auf eine Impfung reagiert, ist völlig normal“, sagt Steffen Schassberger, stellvertretender Bereitschaftsleiter des DRK-Kreisverbandes Ludwigsburg. So könne sich im Laufe der Woche nach einer Impfung ein so genannter Covid-Arm bilden, der sich ein bis zwei Tage lang taub anfühle. „Das ist aber selten“, versichert Schassberger, der von keinen schweren Nebenwirkungen bei den mobilen Impfaktionen weiß. „Diese Impfstoffe sind für Senioren gemacht.“

Der Impfstoff wird einen Tag vorher aufgetaut

Das Vakzin von der Firma Biontech basiert auf der Basis von mRNA-Botenstoffen. Die Langzeitfolgen sind nicht erforscht. Jeder Patient entscheidet, ob er das Risiko tragen will. „Das Risiko, einen schweren Verlauf einer Corona-Erkrankung zu bekommen, ist viel höher“, meint Schassberger. Dass der Biontech-Impfstoff auch gegen Mutanten wirke, halte er nach neuesten Nachrichten für erwiesen.

Der Impfstoff von Biontech muss bei minus 70 Grad gelagert werden. „Er wird aber einen Tag vorher aufgetaut“, berichtet Steffen Schassberger. Danach müsse er binnen 120 Stunden verarbeitet werden. Werde eine der Fläschchen geöffnet, müsse der Inhalt innerhalb von sechs Stunden für eine Impfung verbraucht werden. „Sieben Dosen pro Fläschchen sind zulässig“, erklärt der DRK-Mann. Allerdings könne man vorher nicht sagen, ob nach den sechs garantierten Impfungen mit je 0,3  Milliliter noch genügend Impfstoff für einen siebten Vorgang übrig sei.

Die Ungewissheit, wie viele Impfungen möglich sind, hat das Team der Nachbarschaftshilfe um Andrea von Smercek berücksichtigt. „Wir führen eine Warteliste mit 85 Personen, die kurzfristig angerufen werden können.“ Bis zum Ende um 16 Uhr konnten 26   Wartende nachrücken. Die zweite Impfung ist am 14. Mai.