Mitgliederzuwächse in Tennisclubs Kreisvereine sind Teil des kleinen Booms

Von Lars Laucke
Die Jugendarbeit und Einsteigerkurse für Erwachsene haben dem TC Oberstenfeld Mitgliederzuwächse beschert. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Erstmals seit mehr als einem Vierteljahrhundert verzeichnet der Deutsche Tennis Bund mal wieder steigende Mitgliederzahlen. Auch viele Clubs aus dem Landkreis Ludwigsburg haben dazu ihren Beitrag geleistet.

Marbach - Mit zwei positiven Nachrichten konnte das deutsche Tennis vergangene Woche aufwarten: Das Davis-Cup-Team erreichte erstmals seit 2004 wieder das Halbfinale, und der Deutsche Tennis Bund (DTB) verzeichnet 2021 zum ersten Mal seit 26 Jahren wieder einen leichten Mitgliederzuwachs. Zwar fiel das Plus mit rund 17 000, was bei einer Gesamtzahl von gut 1,38 Millionen einen Zuwachs von 1,22 Prozent bedeutet, einigermaßen bescheiden aus. Aber nach einem Vierteljahrhundert stetig sinkender Zahlen ist das dennoch eine Erfolgsmeldung. Im Bereich des Württembergischen Tennis-Bundes (WTB) war der Anstieg noch moderater: Um 429 Mitglieder (entspricht 0,26 Prozent) ging es rauf auf nun knapp 164 000.

Auch im Landkreis Ludwigsburg sind einige Tennisvereine an diesem kleinen Boom beteiligt. Der Bezirk A, in dem der Kreis liegt, hat seine Mitgliederzahl um etwa fünf Prozent von 26 446 auf 26 576 gesteigert. Der TC Oberstenfeld, der mit seinen Damen und Herren jeweils in der Württembergliga spielt und damit die hochklassigsten Aktivenmannschaften im Kreis stellt, hat sich zum Beispiel „in den vergangenen drei, vier Jahren von etwa 220 auf 280 bis 290 Mitglieder“ hochgearbeitet, wie der erste Vorsitzende Dirk Rumler erklärt. „Und wir peilen für 2022 an, wieder die 300er-Marke zu knacken.“

Projekt „From Zero to Hero“ bringt viele Neueinsteiger.

Zu den Hochzeiten des sogenannten Becker-Booms habe der TCO mal rund 350 Mitgliedergehabt. Dass es nun wieder aufwärts gehe, dafür sieht Rumler zwei Gründe: „Zum einen sind viele Jugendliche dazugekommen, da ist Tennis wieder im Kommen. Und zum anderen hat uns das Projekt ,From Zero to Hero’ viele Neueinsteiger gebracht.“ Hierbei werden erwachsene Anfänger in einer Art Intensiv-Crashkurs an den Sport herangeführt. „Wir können den Andrang hier kaum bewältigen. Und in der Regel ist das auch eine sehr nachhaltige Entwicklung, diese Neueinsteiger bleiben meist auf Dauer dabei. So werden wir nächstes Jahr mal wieder für die Hobbyrunde melden. Die Spieler dazu rekrutieren sich überwiegend aus diesem Projekt“, so Rumler.

Ähnlich sieht es beim TC Erdmannhausen aus, der in den vergangenen fünf Jahren einen stetigen Zuwachs von vier bis fünf Prozent zu verzeichnen hatte, 2021 sogar rund zehn Prozent. Nach dem Tiefpunkt von 325 Mitgliedern im Jahr 2007 steuert der TCE zum Jahresende auf 450 Mitglieder zu. Pressewartin und Trainerin Ilona Schondelmaier sieht vier Punkte als Ursache: „Vor vier Jahren begannen wir mit dem Fast learning für Erwachsene, was pro Jahr etwa zehn Übertritte in die Schnuppermitgliedschaft brachte. Die Kooperationen mit zwei Kindergärten und drei Schulen tragen ebenfalls Früchte, dieses Jahr waren das etwa 30 neue Kinder. Seit mehr als zehn Jahren bieten wir eine Schnuppermitgliedschaft für Erwachsene im ersten Jahr an: halber Beitrag, halbe Arbeitsstunden, kostenloses Training am Samstagvormittag. Und aktuell haben wir auch neuen Zulauf aufgrund unserer Tennishalle, die Buchungen in den noch freien Zeitfenstern sind mehr als zufriedenstellend.“ Der Verein hatte die alte Schulturnhalle zu Beginn der Wintersaison übernommen und in eine Tennishalle umgewandelt.

Corona hat die Mitgliederwerbung erschwert.

Noch etwas größer als der TC Erdmannhausen ist der TC Ludwigsburg. Der Verein des Bezirksvorsitzenden Hans-Joachim Seiz wird zum Jahresende auf 480 Mitglieder zusteuern. „Das ist ein leichter Zuwachs von etwa 15 Personen“, weiß Seiz.

Einen leichten Rückgang hatte hingegen der TC Kornwestheim zu verzeichnen. „Wir hatten immer um die 370 Mitglieder, jetzt werden es wohl um die 350 sein – die Bestandserhebung steht noch aus“, erklärt Sportwart Helmut Bauer. „Das Problem war, dass wir ja coronabedingt lange keine Werbeaktionen machen konnten. Im Sommer hatten wir ein Camp, aber ansonsten war das schwierig. Ich denke aber, dass wir das im nächsten Jahr kompensieren können.“

Derzeit läuft der Betrieb fast normal.

Im Moment sieht Bauer für die vorhandenen Mitglieder den großen Vorteil, dass der Betrieb im Gegensatz zum Winter 2020/21 „fast normal laufen kann. 2G plus bedeutet nach den Korrekturen der Verordnung ja letztlich auch wieder nur 2 G, das Plus kommt eigentlich nicht zum Tragen. Und durch die Ausnahmeregelung für Kinder und Jugendliche kann auch hier das Training fast wie gewohnt stattfinden.“ Und dass Tennis insgesamt gerade hoch im Kurs steht, das merke man an den Buchungen von außen für die Dreifeldhalle. „Die ist sehr gut ausgelastet“, so Bauer, der aber hofft, dass 2022 endlich auch wieder größere Veranstaltungen möglich sind. „Unsere offenen Stadtmeisterschaften über den 1. Mai mussten wir ja bereits zweimal nacheinander absagen. Es wäre schön, wenn die 2022 wieder stattfinden könnten.“

Einen ganz anderen Hauptgrund für einen deutlichen Mitgliederzuwachs gibt es beim TC Pleidelsheim. Im Jahr 2014 war der Bestand auf etwa 80 gesunken. Dass der TCP mittlerweile 277 Mitglieder hat, verdankt er zu einem großen Teil den mittlerweile zwei Padel-Courts, den bislang noch einzigen im Kreis Ludwigsburg. „Allein 2021 hatten wir 63 Neumitglieder – die Hälfte über Padel, die andere über Tennis“, weiß die 2. Vorsitzende Nadine Hofmeister.

Zuwächse könnten nachhaltig sein.

Interessant ist die Tatsache, dass kein Verein den Mitgliederzuwachs darauf zurückführt, dass Tennis eben von den Coronaauflagen noch verhältnismäßig wenig betroffen ist. Zwar stellt Ilona Schondelmaier in Erdmannhausen fest, „dass manche Kinder jetzt im Winter wieder abspringen und wir nur eine Notlösung für den Sommer waren. Aber bei den Erwachsenen ist das anders, da haben wir immer noch Zulauf und Anfragen.“

Die Mitgliederstatistiken der Sportarten legen einen Zusammenhang mit Corona nahe: Am meisten gebeutelt hat es neben Schwimmen vor allem die reinen Hallensportarten wie Badminton, Turnen, Volleyball, Basketball oder Tischtennis. Zuwächse haben hingegen neben Tennis noch Golf, Hockey und der Radsport verzeichnet – also Sportarten, die vorrangig im Freien ausgeübt werden. Dass aber die Zuwächse im Tennis wohl nachhaltig sein werden, dafür spricht zumindest bei den aufgeführten Beispielen die Tatsache, dass der Aufwärtstrend schon vor der Coronapandemie begonnen hatte.