Mehr Umweltschutz in Marbach Stadt soll bei Flügen etwas drauflegen

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Bei Flügen gelangt viel CO2 in die Luft. Foto: dpa/Marcel Kusch

Die Liste Puls fordert einen Ausgleich bei Flügen der Schillerstadt im Rahmen von Städtepartnerschaften. Im Sinne des Klimaschutzes sollen solche Touren durch eine Spende an Atmosfair kompensiert werden.

Marbach - Das Thema schlägt nicht zum ersten Mal im Marbacher Gemeinderat auf. Vor mehr als zehn Jahren hatten die Grünen schon einmal vergeblich gefordert, dass die Kommune im Sinne des Umweltschutzes einen finanziellen Ausgleich für Flugreisen leistet. Nun hat die Liste Puls den Ball erneut aufgenommen und einen Antrag mit gleicher Stoßrichtung gestellt – in der Hoffnung, im zweiten Anlauf doch eine Mehrheit für das Anliegen zu erhalten. Schließlich sei mittlerweile ein Wandel eingetreten und die Gesellschaft reagiere sensibler auf die Belange der Umwelt, glauben die Puls-Vertreter Hendrik Lüdke und Benjamin Flaig.

Konkret macht sich das Duo dafür stark, für Flüge im Rahmen von Städtepartnerschaften oder anderen Missionen, bei denen eine Delegation aus Marbach in den Flieger steigt, eine Kompensation an die Agentur Atmosfair zu leisten. Die Non-Profit-Organisation verwende das Geld dann dafür, um zum Beispiel in Solar-, Wasserkraft- oder Energiesparprojekte zu investieren. Dadurch sollen Treibhausgase eingespart werden. Und zwar in einem Umfang, der in ungefähr die gleiche Wirkung fürs Klima hat wie die Emissionen, die die jeweiligen Flüge produziert haben.

Das Puls-Duo hat ausgerechnet, dass beispielsweise allein bei einem Hin- und Rückflug von Frankfurt nach St. Louis in Missouri, wo auch die Marbacher Partnerstadt Washington liegt, rund 4000 Kilogramm CO2 ausgestoßen werden. Angesichts solcher Werte sei Fliegen grundsätzlich zu vermeiden. Da das aber nicht immer funktioniere, „wie eben bei den städtischen Delegationen, die eine Partnerstadt in den USA oder China besuchen“, sollten nach Auffassung von Lüdke und Flaig zumindest „die Klimaschäden ausgeglichen werden“. Pro Person würden bei einem Ausflug nach Amerika beispielsweise 88 Euro fällig. Einen Betrag, den nach dem Willen von Puls künftig die Stadt übernehmen müsste.

Ob es tatsächlich so kommt, liegt in den Händen der Stadträte. Bevor die zuständigen Gremien jedoch darüber befinden, möchte sich die Verwaltung über die Kompensationsorganisation kundig machen, sagt der Bürgermeister Jan Trost auf Nachfrage. Außerdem wolle man sich im Rahmen der Prüfung des Antrags auch umhören, wie andere Kommunen mit dem Thema umgehen. Tatsache sei jedoch, dass das Fliegen im Auftrag einer Städtepartnerschaft in Marbach eine eher untergeordnete Rolle spiele. Er sei seit rund sieben Jahren im Amt. In der Zeit habe eine Gesandtschaft aus der Schillerstadt lediglich dreimal ein Flugzeug bestiegen. 2015 sei man nach Tirebolu in der Türkei aufgebrochen, 2016 hob man nach Tongling in China ab und im Jahr darauf in Richtung Washington/Missouri. „Die Zahl der Mitflieger war dabei unterschiedlich groß“, konstatiert Jan Trost. In der Maschine nach China hätten nur sechs Personen gesessen. In die Vereinigten Staaten machten sich laut dem Bürgermeister rund 40 Frauen und Männer auf. Mittelgroß sei die Delegation mit dem Ziel Tirebolu gewesen.

Generell strebe man bei der Stadt an, möglichst emissionsarm zu reisen, betont der Rathauschef. Deshalb gehe es stets mit dem Bus nach L’Isle-Adam in die französische Partnerstadt. „Da kann man auch sehr entspannt fahren und sich unterhalten“, erklärt er.