Matern-Feuerbacher-Realschule in Großbottwar Corona erschwert die Schulsanierung

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Für die Zeit der Sanierung sollen Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Eigentlich war alles bis ins Detail geplant, sodass während der Schulsanierung Musiksaal oder Mensagebäude als Ausweichräume für den Unterricht hätten genutzt werden können. Corona hat die Arbeiten nicht nur verzögert, sondern auch der ursprünglichen Planung einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht.

Großbottwar - Die Pläne für die Sanierung der Matern-Feuerbacher-Realschule in Großbottwar hätten schon in ihrer ursprünglichen Version sehr viel Flexibilität von der Schulfamilie gefordert. Das rund 50 Jahre alte Realschulgebäude I hat vor allem in Sachen moderner Brandschutz großen Nachholbedarf. Dennoch hatten Stadt- und Schulverwaltung Pläne entworfen, nach denen die Bauarbeiten innerhalb eines Schuljahres abgeschlossen werden könnten und die Schüler in dieser Zeit in anderen Räumen auf dem Schulgelände wie dem Musiksaal oder im Mensagebäude unterrichtet werden sollten. Sogar der Musik- und Harmonikaverein und der Winzerchor hätten ihre Räume zur Verfügung gestellt.

Doch all diesen Plänen hat die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht, die Sanierung kann nun erst im kommenden Schuljahr stattfinden. Da dadurch auch die Mehrfachnutzung der anderen Räume nicht mehr möglich ist, müssen nun übergangsweise Container für vier Klassenzimmer auf dem Schulcampus aufgestellt werden – was mit ungeahnten Problemen verbunden ist, wie Steffen Kempter vom Stadtbauamt den Gemeinderäten in der Sitzung am Mittwochabend erläutern musste. „Es gibt in Deutschland nur eine Handvoll Firmen, die solche Container liefern können. Und die halten sich in Sachen Lieferzeit im Augenblick alle bedeckt, da Container gerade sehr nachgefragt sind“, erklärte Kempter. Es gebe die Option, solche Interimsgebäude zu mieten oder zu kaufen. Bei einer Anmietung seien derzeit zehn bis zwölf Wochen bis zur Lieferung zu veranschlagen, bei einem Kauf rund 20 Wochen – „Tendenz steigend“, wie Kempter betonte.

Der Vorteil eines Kaufs sei, dass man die Container an anderer Stelle einsetzen könne, wenn sie ihren Zweck bei der Schulsanierung erfüllt hätten. Zudem entsprächen neue Container den Anforderungen der Energieeinsparverordnung und hätten eine bessere Wärmedämmung. Dabei müsse man mit Kosten von rund 400 000 Euro rechnen.

Bei einer Anmietung seien die Kosten mit rund 180 000 Euro deutlich geringer, allerdings sei das Geld weg, wenn die Container wieder zurückgegeben werden müssten. Zudem habe man keinen Einfluss auf Farbe, Heizung und Wärmedämmung. „Für beide Varianten gilt zudem, dass die Kosten dafür nicht im Haushalt vorgesehen sind“, machte Kempter klar.

Bürgermeister Ralf Zimmermann betonte, darauf zu hoffen, dass Corona im Spätherbst kein Thema mehr sei und man auch ohne eine Containerlösung auskomme, sei keine Alternative. „Für Kinder gibt es bis heute keinen Impfstoff, und im Herbst dann spontan etwas austüfteln zu müssen, verursacht bei mir kein gutes Gefühl.“ Die Räte ließen – nicht nur wegen der geringeren Kosten – eine Vorliebe für das Mietmodell erkennen. „In 20 Wochen sind wir bei Mitte/Ende August, da ist mir das Risiko bei einem Kauf zu groß“, erklärte Markus Brosi (FBWV). Es sei besser, die Kinder überhaupt untergebracht zu wissen, als auf die „Mercedes-Lösung“ zu hoffen. Zwar täten die 180 000 Euro an Zusatzkosten natürlich weh, der Betrag sei aber gering im Vergleich zum Gesamtvolumen der Baukosten von rund vier Millionen Euro. Der Idee von Stadträtin Helga Pfahler (SPD), auf Container ganz zu verzichten und die Kinder stattdessen in anderen, leer stehenden Räumen in der Stadt zu unterrichten, hielt Kempter entgegen, dies erfordere einen enormen logistischen Aufwand, da man dann auch den Transport der Kinder organisieren müsse. Marlene Gerstberger (SPD) schlug vor, sich in anderen Gemeinden zu erkundigen, ob dort Container im Herbst frei würden. „In Rielingshausen sind derzeit zwei für den Kindergarten im Betrieb“, meinte sie. Bürgermeister Zimmermann versprach, sich zu erkundigen, hielt die Erfolgsaussichten allerdings für gering.

Das von Oliver Hartstang (SPD) aufgeworfene Problem einer möglichen Baugenehmigung für die Container entkräftete Kempter mit dem Hinweis, man stelle diese in einem bestehenden Baufenster auf und habe von der Baurechtsbehörde eine positive Rückmeldung in Aussicht gestellt bekommen. Am Ende stimmte der Gemeinderat bei einer Enthaltung der Containerlösung mit großer Mehrheit zu. Die Mietvariante sei dabei zu bevorzugen.