Marbachs Partnerschaft mit Tongling Kunst statt persönlicher Begegnung

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Bei dem Werk von Xu Qing handelt es sich um die Bildvorlage für einen Fächer Foto: privat

Ein echter Austausch von Marbachern mit Einwohnern der chinesischen Stadt Tongling ist immer noch nicht möglich – auch aus politischen Gründen.

Dass immer noch kein direkter, persönlicher Austausch mit der Marbacher Partnerstadt Tongling am Ufer des Jangtsekiang möglich ist, bedauert Petra Müller sehr. Die studierte Sinologin, die früher am Friedrich-Schiller-Gymnasium der Stadt Chinesisch unterrichtet und vor kurzem die Verantwortung für die Städtepartnerschaft mit Tongling übernommen hat, macht dafür unter anderem den Parteitag der chinesischen Kommunisten Ende des Jahres verantwortlich, auf dem sich der Staatschef Xi Jinping erneut wählen lassen möchte. „Deshalb wird eine rigorose Null-Covid-Politik verfolgt“, erklärt Müller.

Doch deshalb die Partnerschaft mit der Industriestadt, die in den vergangenen gut 30 Jahren seit Bestehen der Partnerschaft von 400 000 auf mehr als 1,6  Millionen Einwohner angewachsen ist, einschlafen zu lassen, kommt für sie nicht in Frage. Ihr Mittel gegen das Vergessen heißt Kunst. Deshalb sind derzeit im Marbacher Rathaus 30 Bilder chinesischer Künstler zu sehen, die Tongling der Schillerstadt zur Besiegelung der neuen Partnerschaft geschenkt hatte. Und anders als vor 31 Jahren, als die Bilder erstmals zu sehen waren, gibt es dieses Mal Erläuterungen dazu – ganz modern per QR-Code oder für Menschen ohne Smartphone als Broschüre.

Kunst als Zeitdokument und Schlüssel zu fremder Kultur

So soll die exotische und für westliche Augen nicht so leicht zu erfassende Kunst verständlicher werden und zugleich Hintergründe vermittelt werden. „Damals war das ganz schön revolutionär von einer Stadtverwaltung, so ein Geschenk zu machen“, urteilt die China-Expertin. Nach der Kulturrevolution habe sich die Kunstszene erst wieder entwickeln müssen, und „diese Aufbruchstimmung spürt man in den Bildern“. Inzwischen seien sie zu einem Zeitdokument geworden, denn der chinesische Kunstmarkt habe sich geändert. Doch schon damals habe es Versuche gegeben, an westliche Kunst anzuknüpfen.

„Man hat die Bilder einmal von einem Auktionator schätzen lassen, und der meinte, sie seien kaum von künstlerischem Wert“, erzählt Petra Müller. Für sie jedoch seien die Werke dennoch wertvoll, auch im Hinblick auf die Städtepartnerschaft: „Sie vermitteln die chinesische Kultur.“

Die Ausstellung ist noch bis zum 14. September zu den üblichen Öffnungszeiten im Marbacher Rathaus und durchgehend im Internet unter www.chinakunde.de zu sehen. Am 28. August um 11 Uhr bietet Petra Müller eine Führung durch die Schau an.