Marbacherin in Leitstelle Immer da, immer am Helfen – auch bei Corona

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Tanja Lutz in ihrem Element: Die Marbacherin koordiniert die Einsätze der Helfer im Landkreis Ludwigsburg. Foto: privat

Tanja Lutz arbeitet in der Rettungsleitstelle in Ludwigsburg. Von hier aus wird auch in Corona-Zeiten die Hilfe bei Notfällen koordiniert. Und manchmal werden via Telefon Leben gerettet.

Marbach - Schon kleinen Kindern wird eingebläut, was sie unternehmen müssen, wenn es brennt, wenn der Opa zusammensackt oder ein übler Unfall passiert ist: die 112 wählen. Denn dann wird ihnen auf jeden Fall geholfen – weil am anderen Ende der Leitung Menschen wie Tanja Lutz sitzen, die Feuerwehr, Krankenwagen und Co. losschicken oder via Telefon selbst Anleitungen geben und damit manchmal sogar Leben retten. Seit die Integrierte Rettungsleitstelle (ILS) in Ludwigsburg 2014 als Steuerungszentrale für Einsätze aus der Taufe gehoben wurde, arbeitet die 48-Jährige hier als Disponentin, seit 2017 als Schichtleiterin. Die ausgebildete Feuerwehrfrau sieht diesen Job als Berufung an. Es sei ungemein wichtig, Situationen zunächst einzuschätzen und dann die geeignete Hilfe zu entsenden. Das gilt natürlich auch jetzt, wo sie und ihre Kollegen sich mit der Corona-Krise arrangieren müssen – die die eine oder andere Umstellung bedingt.

„Wir müssen natürlich alle auf die Abstandsregeln achten“, sagt die Marbacherin. Außerdem trage jeder einen Mund-Nasen-Schutz, sobald der Arbeitsplatz verlasse werde. Zwischen den Auszubildenden und ihren Anleitern stehe darüber hinaus eine Plexiglasscheibe. So kann der Azubi den erfahrenen Kräften weiter über die Schulter schauen, ohne sich einem Infektionsrisiko auszusetzen. Überdies darf Tanja Lutz momentan selbst nicht mehr in einen Rettungswagen steigen. „Damit das Personal von der Leitstelle und die Kollegen, die rausfahren, voneinander getrennt sind“, erklärt sie. Die Vorgaben scheinen gefruchtet zu haben. „Wir haben bislang bei uns noch keinen Corona-Fall“, sagt Lutz. Ihre Kollegen von der Ludwigsburger Feuerwehr kamen ebenfalls mit einem blauen Auge durch die Pandemie. Einzelne Kameraden fingen sich anfangs zwar Covid-19 ein, sind aber nach mal schwächerem, mal stärkerem Verlauf längst wieder auf dem Damm.

Fakt ist aber auch, dass nicht alle so gutes Heilfleisch haben. „Ich habe schon das Gefühl, dass immer mehr Menschen mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus gebracht werden müssen“, sagt die Frau von der ILS. Darunter seien keineswegs nur ältere Patienten, sondern auch jüngere Semester, die dann auf der Intensivstation behandelt werden müssten. Allerdings hat Tanja Lutz nicht den Eindruck, dass ihr der Job durch die Pandemie mehr abverlangt. „Wir müssen rund 1000 Anrufe pro Tag entgegennehmen. Das ist in etwa gleich geblieben. Belastend sind allerdings die Anrufe bezüglich der teilweise sehr langen Wartezeiten für die Patienten auf einen Krankentransport“, sagt sie. „Ich glaube aber, dass es nachts durch die Ausgangsbeschränkungen etwas ruhiger geworden ist“, fügt sie hinzu.

Für etwas Entlastung bei den Rettungsdiensten scheint zudem die Tatsache zu führen, dass Discos geschlossen sind. Von dort werde man in normalen Zeiten nämlich häufiger angefunkt, wenn jemand zu tief ins Glas geschaut oder eine Rauferei angezettelt hat, sagt Tanja Lutz. Noch kein abschließendes Urteil mag sich die Feuerwehrfrau über die Entwicklung auf den Straßen erlauben. Tendenziell gehe die Zahl der Verkehrsunfälle aber wohl zurück – und damit auch die Einsätze ihrer Kollegen, wenn Verletzte versorgt werden müssen. Umgekehrt merke man jedoch, dass sich die Leute wegen des Lockdowns oft zu nah auf die Pelle rücken und es in den eigenen vier Wänden oder in Wohnheimen vermehrt zu Handgreiflichkeiten kommt.

Eigentlich gar nicht zuständig ist das Team auf der Rettungsleitstelle für Beratungen rund um das Thema Corona. Das heißt aber nicht, dass sie nicht mit entsprechenden Anrufen konfrontiert würden. „Es kommt vor, dass sich Leute bei uns erkundigen, wie sie sich zu verhalten haben. Wir verweisen die Anrufer dann an die richtigen Stellen“, berichtet Lutz, bei der aber auch Anliegen auflaufen, für die kein Rettungsdienst der Welt zuständig ist. Zum Beispiel wollte jemand von ihr die Nummer des Pizza-Lieferdienstes haben oder die Uhrzeit wissen. „Hin und wieder melden sich auch ältere Herrschaften, die einfach ein Schwätzle halten wollen“, erklärt Tanja Lutz schmunzelnd.

Neben solchen kuriosen Geschichten erlebt die ausgebildete Maschinenbau-mechanikerin aber auch Momente, in denen es nichts zu lachen gibt, in denen es um Leben und Tod geht. „Am schlimmsten ist, wenn etwas mit einem Kind passiert ist und ich per Telefon die Eltern anweisen muss, wie sie ihr Mädchen oder ihren Jungen reanimieren müssen, bis die Sanitäter und der Notarzt vor Ort sind“, erklärt Lutz. Solche Erlebnisse gehen ihr an die Nieren, aber grundsätzlich kann die Marbacherin gut abschalten und nimmt in der Regel nichts von dem mit nach Hause, was sie auf der Rettungsleitstelle an Leid und Unglück erfahren hat. Etwas anders sei es, wenn sie selbst vor Ort sei und sich ihr ein schreckliches Bild bietet. „Das stimmt mich nachdenklich“, sagt sie. Aber prinzipiell ist sie Feuer und Flamme für ihren Job. „Mir macht die Arbeit immer noch Spaß. Wenn das Telefon klingelt, weiß man nie, was sich dahinter verbirgt. Das finde ich spannend“, sagt sie.

An ihrer Lust am Helfen hat auch die Corona-Krise nichts geändert und sie appelliert an die Bürger, sich an die Vorschriften zu halten. „Die Regeln bestehen nicht nur aus einem wirren Buchstabensalat, sondern sie machen Sinn. Man sollte also zuhause bleiben und die Kontakte einschränken, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren. Es kommen auch wieder bessere Zeiten“, erklärt sie.