Marbacher Labag Fusion so gut wie sicher

Von
Die Silos der Labag sollen sich weiter füllen können. Foto: KS-Images.de /Karsten Schmalz

Die Aufsichtsräte von drei landwirtschaftlichen Genossenschaften sind sich einig. Der Mitgliederbeschluss soll im Oktober gefasst werden.

Marbach - Die Fusion der Landwirtschaftlichen Absatzgenossenschaft (Labag) Marbach mit der Kraichgau Raiffeisen Zentrum (KRZ) Eppingen und der Bezugs- und Absatzgenossenschaft (BAG) Franken mit Sitz in Bad Friedrichshall gilt als so gut wie sicher. Alle drei Aufsichtsräte und Vorstände haben den Vertrag zur Agroa Raiffeisen bereits einstimmig abgesegnet. Vor den Beschlüssen der Mitgliederversammlung im Oktober sieht sich der Labag-Geschäftsführer Jürgen Häußermann im Kurs bestätigt.

Zunehmende Probleme im Agrarsektor

Die drei Genossenschaften hatten ihre geplante Fusion vor dem Hintergrund zunehmender Probleme im Agrarsektor im Februar bekanntbegeben. Weil es der Marbacher Labag im Handel mit Futter, Dünger, Saatgut und Pflanzenschutzmitteln, im Verkauf von Artikeln aus dem Gartenfachmarkt sowie im Vertrieb von Heizöl und Brennstoffen an Tankstellen wirtschaftlich noch gut geht, hatte im März ein ehemaliger Mitarbeiter angekündigt, mindestens 25  Prozent der Mitglieder hinter sich bringen zu wollen, um m it einem neuen Zentrum in Großbottwar die Selbstständigkeit zu erhalten. Doch diese Initiative sei in der jüngsten Generalversammlung der Genossenschaft nicht diskutiert worden, berichtet Jürgen Häußermann, der stattdessen eine „breite Zustimmung“ zur Fusion ausgemacht haben will.

Handlungsfähigkeit für Zukunft sichern

Zwar seien die wirtschaftlichen Ergebnisse der Labag in den Jahren 2019 und 2020 positiv gewesen, erklärt der Geschäftsführer, doch gehe es auch darum, in fünf bis zehn Jahren noch als Genossenschaft handlungsfähig zu sein. Unter Druck geraten sei zum Beispiel die Tierhaltung wegen verstärkter Auflagen der Behörden und eines veränderten Verbraucherverhaltens.

Angesichts des Wandels setzt Häußermann auf große Synergieeffekte in der Verwaltung und im Einkauf. Perspektivisch werde der Erlös aus den Tankstellen in den nächsten fünf Jahren um 30 bis 40 Prozent zurückgehen, weil immer mehr E-Fahrzeuge zirkulieren. Und auch Hauseigentümer werden laut Häußermann vermehrt wechseln, wenn der Umstieg von Ölheizungen auf Pellets und andere nachhaltige Energieträger mit bis zu 45 Prozent staatlich gefördert werde. „Jetzt können wir noch aus einer Position der Stärke verhandeln – wenn uns das Wasser zum Hals steht, können wir Vorschläge nur noch abnicken.“

Neuer Name gemeinsam entwickelt

Den neuen Namen Agroa haben jüngere Mitarbeiter der drei Genossenschaften gemeinsam entwickelt. „Uns war wichtig, dass man den Namen an einem Stück aussprechen kann“, betont Häußermann. Auch sollte keiner der drei bisherigen Namen oder Regionen einfließen.

Dem Aufsichtsrat der neuen Agroa sollen zunächst 32 Mitglieder angehören: 15 der KRZ Eppingen, elf der BAG Franken und sechs der Marbacher Labag.

LABAG SCHLIESST CORONA-JAHR 2020 MIT PLUS AB

Höherer Erlös
 Nachdem das Jahr 2019 erfolgreich war, brachte das Corona-Jahr 2020 einen Umsatzrückgang von 26,4 auf 24,2  Millionen Euro mit sich. Entscheidend ist jedoch, dass der Roherlös um etwa 600 000 Euro zunahm.

Günstige Effekte
 Die Labag durfte als systemrelevanter Betrieb die Türen offen halten. Eine gute Mostobsternte, vorgezogene Verkäufe von Heizöl wegen der CO2-Steuer zum 1. Januar 2021 sowie Verkäufe vor der Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent sorgten für ein Plus.