Marbacher Genossenschaft rüstet sich für die Zukunft Eine Genossenschaft strebt die Fusion an

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In den Silos lagert die Labag Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Der Markt für die Landwirtschaft ist schwieriger geworden. Deshalb will sich die Marbacher Genossenschaft Labag mit zwei Partnern zusammenschließen. Die Mitglieder müssen aber noch zustimmen.

Marbach - Die Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft (Labag) Marbach will mit zwei anderen Absatzgenossenschaften noch in diesem Jahr fusionieren. Es sind die Kraichgau Raiffeisen Zentrum (KRZ) Eppingen und die Bezugs- und Absatzgenossenschaft (BAG) Franken mit Sitz in Bad Friedrichshall für die Region Odenwald/Bauland. Das hat der Labag-Geschäftsführer Jürgen Häußermann mitgeteilt. Als Grund für die Fusion nannte er den immer schwieriger werdenden Markt für die Landwirtschaft und mögliche Einsparungen durch den Zusammenschluss.

Die Labag bewege sich auf wirtschaftlich solidem Terrain, erklärt Häußermann. Das 101 Jahre alte Unternehmen beliefert Bauernhöfe mit Betriebsmitteln wie Futter, Dünger, Saatgut und Pflanzenschutzmittel. „Der Agrarbereich steht aber insgesamt unter Druck“, weiß der Geschäftsführer, der die Genossenschaft seit mehr als 30 Jahren leitet. Der Marbacher Labag gehe es im Vergleich zu anderen Genossenschaften gut, weil sie rund 60 Prozent ihres Umsatzes aus anderen Geschäftsfeldern wie etwa Tankstellen, dem Heizöl-Handel oder ihrem Gartenfachmarkt gewinnt. Außerdem habe die Genossenschaft in den vergangenen zehn Jahren ihren Einzugsradius verdoppelt und damit neue landwirtschaftliche Kunden aus einem Raum bis nach Stuttgart, Welzheim und Vaihingen an der Enz gewonnen, die zum Beispiel ihr Getreide zur Vermarktung anliefern.

Eine Fusion eröffne Spielräume für die Zukunft, meint der 60-Jährige Häußermann, dessen Großvater schon im Vorstand der 1919 gegründeten Genossenschaft vertreten war. Er wolle in seinen letzten Berufsjahren die Hände nicht in den Schoß legen, sondern den Mitarbeitern eine Perspektive bieten. „Auch wir werden die gesellschaftlichen Entwicklungen stärker zu spüren bekommen“, erklärt er. Der Preisverfall beim Schweinefleisch sei bereits Fakt, die Heizölpreise würden steigen. „Immer mehr Hauseigentümer wechseln ihre Ölheizungen aus, weil das mit 45 Prozent gefördert wird.“ Das werde die Umsätze der Labag ebenso drücken wie der Trend zu E-Fahrzeugen. „Wir werden an den Tankstellen weniger einnehmen.“ Für den Geschäftsführer bleibt deshalb nur ein Weg: „Wir müssen auf der Kostenseite sparen“, sagt Häußermann und rechnet mit rund 1,2 Millionen Euro weniger Ausgaben für die drei Fusionspartner, wenn man die Synergien nutzt. „Eine Bilanzprüfung zum Beispiel kostet 40 000 Euro – es ist besser, sie einmal und nicht dreimal machen zu lassen.“ Dies gelte auch für Beratungen zum Arbeitsschutz oder zur Qualitätszertifizierung. Sparen können die neuen Partner auch durch Großbestellungen im Einkauf.

Eine Fusion mit noch mehr Beteiligten wäre denkbar, doch die ist zunächst nicht vorgesehen. „Es gibt in Baden-Württemberg neun solcher Bezugs- und Absatzgenossenschaften – wir wollen erst einmal zu dritt zusammengehen, damit das Gebilde nicht zu groß wird“, erzählt Jürgen Häußermann. Das Gebiet der Labag grenze im Nordwesten an das des größten Partners, des KRZ in Eppingen. Diese Genossenschaft hat schon einige Fusionen hinter sich und ist größer als die beiden anderen Partner zusammen. Diese Genossenschaft sei gesund, während der andere Partner, die BAG Franken, wirtschaftlich angeschlagen sei. So fehlten laut einem Bericht von BW Agrar mehrere 100 000 Euro für eine Sanierung. Könnte das aus Sicht der Labag ein Problem sein? „Nein“, findet Jürgen Häußermann, „dort sind einige strategische Fehlentscheidungen getroffen worden, aber inzwischen gibt es durch zwei neue Geschäftsführer neue Perspektiven.“ Die BAG Franken werde auf jeden Fall saniert. Erst auf dieser Basis könne eine Fusion stattfinden.

Die Labag werde auch als kleinster Partner ihre Interessen wahren können: „Wir bilden eine gemeinsame Leitung, in der ich als einer von drei Geschäftsführern vertreten bin“, erklärt Häußermann. Wie groß der Aufsichtsrat werde, müssten die ehrenamtliche Vorstände entscheiden. Es gehe ihm persönlich um den Erhalt von Arbeitsplätzen. „Wir haben großartige Mitarbeiter, die sich stark mit der Genossenschaft identifizieren.“ Man wolle in der Fläche präsent bleiben. „Die Landwirtschaft wird unsere Kernaufgabe bleiben“, betont er, doch müsse man nach vorne schauen und Sparten wie den zukunftsträchtigen Pellethandel ausbauen.

Halten wolle die Labag auf jeden Fall ihre Märkte, auch wenn Supermärkte mit ihren Angeboten Druck ausübten. Den Standort Großbottwar, der unter einem Investitionsstau leide, will Häußermann aufwerten, „immerhin kommen die Hälfte unserer Mitglieder aus dem Bottwartal“. Doch auch der Weinbau leide unter der Konkurrenz durch ausländische Rebensäfte, außerdem gebe es strengere Umweltgesetze, die so manchem Wengerter die Lust am Weinbau nähmen.

Sollte die Labag-Hauptversammlung am 12. Oktober mit einer Mehrheit von mindestens 75 Prozent zustimmen, wäre zumindest in Marbach der Weg frei für den Zusammenschluss. Auch die beiden Partner müssen in ihren Hauptversammlungen mit dieser Mehrheit zustimmen. Die Beschlüsse sollen dann rückwirkend auf den 30. Juni gelten. Einen Namen für die neue Genossenschaft gibt es noch nicht. Darüber sollen sich jüngere Kollegen an den drei Standorten gemeinsam Gedanken machen.