Marbacher Fußgängerzone Der Baubeschluss ist greifbar nah

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Die Treppen in der Rosengasse sollen Aufenthaltsqualität erhalten. Foto: Christof Weigel/BAG

Die Räte haben den Vorentwurf zur Sanierung und Neugestaltung der Marbacher Fußgängerzone in großer Einmütigkeit abgesegnet. Am 17. Dezember soll ein Knopf an die Planung gemacht und das Vorhaben auf den Weg gebracht werden.

Marbach - Einen regelrechten Abstimmungsmarathon haben die Stadträte am Donnerstagabend hinter sich gebracht. 32 Beschlüsse zur Sanierung und Neugestaltung der Fußgängerzone standen auf dem Entwurf der Verwaltung, am Ende kam sogar noch ein weiterer dazu. Noch beeindruckender als die große Zahl der Entscheidungen war die Eindeutigkeit des Votums. Denn von den 33 Beschlüssen fielen sage und schreibe 29 einstimmig. Und auch die restlichen vier in deutlicher Klarheit. Die Botschaft des Gremiums war nicht zu überhören: Nach Jahren des Stillstands und vielen Diskussionsrunden soll jetzt endlich Nägel mit Knöpfen gemacht werden.

Am Donnerstag wurde die Vorentwurfsplanung abgesegnet, am 17. Dezember soll der Baubeschluss gefasst werden. Dann könnten im September 2021 die Bagger anrücken. Umgestaltet wird zunächst der Bereich zwischen Müllermarkt und Rathaus. Die Bauzeit dafür wird rund zwei Jahre dauern. Man will in sechs Abschnitten vorgehen und sich vom Rathaus sukzessive nach oben arbeiten. Der Zugang zu Geschäften und Wohnhäusern sowie der Anlieferverkehr sollen gewährleistet sein. Dennoch wird die Bauzeit für die Unternehmen in der Fußgängerzone eine schwierige Zeit. Das machte auch Dr. Michael Herzog von den Freien Wählern in seiner Rede deutlich. Das Projekt könne nur gelingen, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen. „Die zwei Jahre der Umgestaltung werden für den Handel, die Gastronomie und den Wochenmarkt eine Zäsur werden“, so Herzog. Vom Handel werde Flexibilität und Einfallsreichtum gefordert. „Der Markt sollte unserer Meinung nach zentrumsnah abgehalten werden, damit der Einzelhandel die Durststrecke übersteht und vom Magnet Wochenmarkt profitieren kann. Wichtig ist, dass wir Marbacher in dieser Zeit verstärkt lokal hier in der Stadt einkaufen.“ Denn nur so werde die in neuem Glanz erstrahlende gute Stube im Herzen der Schiller- und Tobias Mayer-Stadt auch noch leben.

Die Sanierung und Neugestaltung der Fußgängerzone bewege viele Marbacher, erklärte Puls-Rat Hendrik Lüdke. „Und viele Bürger haben mit Ideen und Anregungen zu dem Planentwurf beigetragen. Dass nicht alle Anregungen übernommen werden können, versteht sich von selbst.“ Dass man sich mit besagten Anregungen und Wünschen aber auseinandergesetzt hat, ist von großer Bedeutung – da war man sich am Donnerstag einig. „Es hat sich gelohnt, dass wir uns eine weitere Sitzungsrunde Zeit gegeben haben“, so Lüdke.

Marktbrunnen

Von zentraler Bedeutung für die Innenstadt ist der Marktbrunnen. Er soll im Zuge der Sanierung versetzt werden, und zwar vom aktuellen Standort vor das neue Rathaus. Entgegen des Antrags der Stadtverwaltung sind die Tage der Brunnenfigur aber gezählt. Muss der Jüngling, der einen Fisch fängt, mitumziehen? Die Grünen finden nein. Und nicht nur sie, wie sich bei der Abstimmung zeigte. Der Brunnen führe ein Schattendasein. Das hänge auch mit der Figur zusammen, erklärte Grünen-Rätin Susanne Wichmann. Er werde bei keiner Stadtführung erwähnt. „Warum lassen wir in Zusammenarbeit mit dem Tobias-Mayer-Verein nicht eine neue Skulptur gestalten?“ Am Ende beauftragte das Gremium die Verwaltung, eine Alternative auszuarbeiten und eine Kostenschätzung beizulegen.

Markenzeichen

Am Federkiel, der den Eingang zur Fußgängerzone markieren soll, scheiden sich schon seit Längerem die Geister. Und er wird wohl auch nicht das Rennen machen. Denn die Räte haben auf Anregung des Grünen-Mannes Sebastian Engelmann beschlossen, zwar wie von der Verwaltung vorgeschlagen einen Künstlerwettbewerb zu starten, aber nicht offen, sondern mit der Vorgabe, sich an dem Leitsystem des Büros Baumann & Baumann auf der Schillerhöhe zu orientieren. Kurzum: Das „Schiller-S“ nicht nur beim Leitsystem in der Stadt aufzunehmen, sondern auch für das Markenzeichen an der Kronenkreuzung.

Verkehrssituation Müller
Als Abgrenzung zum Eiscafé Silvana werden eine Bank und Pflanzkübel aufgestellt. Außerdem soll der Bereich bis zur Kronenkreuzung hinauf als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen werden. Die Ausweisung einer Fahrspur, wie anfangs von der Gruppe Puls gefordert, fand keine Mehrheit. Jürgen Schmiedel (SPD) warnte vor Panikmache. Er habe an der Stelle noch nie jemanden zu schnell fahren sehen.

Wasser
Das Fontänenfeld in Form eines Quadranten kommt auf den Platz zwischen Bäckerei Mildenberger und dem aktuellen Marktbrunnen. Allerdings wird bis zur Dezembersitzung auf Antrag von Heike Breitenbücher (CDU) noch geprüft, ob das Fontänenfeld ein paar Meter nach unten verschoben werden kann. Planer Christof Weigel vom Büro Baldauf machte aber keine große Hoffnung. „Der Weihnachtsbaum daneben hat ein enormes Fundament und mit dem wollen wir weiterarbeiten.“ Die gute Nachricht: Auf dem Fontänenfeld kann mittwochs und samstags der Wochenmarkt stattfinden.

Mobiliar und Spielelemente

Die Zahl der Sitzbänke in der Fußgängerzone wird deutlich erhöht. Das „Stadtmobiliar“ soll aufeinander abgestimmt werden. Darüber hinaus soll die Idee eines Marbacher Stuhls weiterentwickelt werden. Als Spielgeräte sind Fernrohr, Wasserstrudel und Sprachrohr vorgesehen. Die von Puls angeregten Märchenfiguren und Litfaßsäulen fanden hingegen keine Mehrheit.

Grün
Die Fußgängerzone wird grüner. An neun sogenannten Quartieren werden Felsenbirnen gepflanzt. Vor die Metzgerei Morlock kommt auf Wunsch des Eigentümers ein größerer Baum. Außerdem werden mobile Blumenkübel aufgestellt.

Dies und das
Am Lugplätzle wird es eine Wein-Lese-Laube geben – möglicherweise auch noch an anderen Punkten in der Stadt. Der Rathausvorplatz soll als Veranstaltungsbereich genutzt werden können. Möglichkeiten einer mobilen Überdachung, wie etwa die großen Segel auf dem Kiliansplatz in Heilbronn, dienen als Anregung. Der erste Bauabschnitt wird um die Sonnengasse bis zum Nebeneingang des neuen Rathauses und um die Treppenanlage der Rosengasse erweitert. Im Bereich der Stadtkirche gibt es eine Verlängerung hin zur Oberen Holdergasse. Außerdem wird bis zur nächsten Sitzung für die Treppe bei der Gaststätte Holzwarth zur Marbacher Zeitung auf Anregung von Heike Breitenbücher ebenfalls ein Gestaltungsvorschlag erarbeitet. „Dieser Bereich wirkt nicht einladend und stellt in der aktuellen Form keinen guten Übergang zur Fußgängerzone dar“, so die CDU-Rätin in der Sitzung am Donnerstagabend.

Viele Impulse des Stadtmarketingvereins umgesetzt

Super zufrieden“ ist die Vorsitzende des Stadtmarketingvereins (SSM), Stefanie Grams, mit den Entscheidungen der Stadträte. Auf Wunsch des SSM fand nach der ausführlichen Beratung der Planung im Gremium am 15. Oktober Anfang November dann noch einmal eine Gesprächsrunde mit Vertretern des SSM statt, die eine ganze Reihe von Anregungen einbrachten. „Es ist klasse, was der Planer in den zweieinhalb Wochen jetzt noch alles in seinen Entwurf eingearbeitet hat“, freut sich Grams.

Puls-Rat Hendrik Lüdke hatte in der Sitzung Kritik in Richtung SSM geäußert. Verwaltung und Gemeinderat hätten mit dem Verein jeden einzelnen Wunsch durchdiskutiert. Das Ergebnis finde sich in der Vorlage der Verwaltung wieder. „Vollkommen überraschend erreichte uns heute knapp vier Stunden vor Sitzungsbeginn eine weitere Mail des SSM, mit der dieser sinngemäß darum bat, dass doch ihren Wünschen und Anregungen voll entsprochen werden soll.“ Man sei dem Verein schon stark entgegengekommen, als dieser wenige Tage vor Beginn der letzten Gemeinderatssitzung um Gehör gebeten hatte. Und jetzt wiederhole sich dies in extremer Form. „Waren es noch beim letzten Mal wegen Neubesetzung des Vorstandes nachvollziehbare Gründe, so ist es diesmal anders, zumal über die Punkte mit den Fraktionen des Gemeinderates gesprochen wurde.“

Heike Breitenbücher (CDU) rückte die Kritik aus ihrer Sicht zurecht. Sie habe die seitens des SSM vorgebrachten Anregungen bereichernd und zu keiner Zeit als fordernd empfunden. „Deshalb sind viele Ideen auch umgesetzt worden.“ Worauf Lüdke klarstellte, dass er diese Sicht teile und seine Kritik sich lediglich auf die kurz vor der Sitzung am Donnerstag geschickte Mitteilung beziehe.

Was für Stefanie Grams vollkommen in Ordnung geht. Man stecke, was die Kommunikation mit Verwaltung und Gemeinderat betrifft, noch in den Kinderschuhen. „Wir kannten die überarbeitete Planung nicht und wollten einfach nur noch einmal deutlich machen, was uns wichtig ist“, erklärt die SSM-Vorsitzende. Zu keiner Zeit habe man die Räte bevormunden wollen. Dem Stadtmarketingverein sei an einem Miteinander gelegen. Man verstehe sich als Impulsgeber und Partner der Stadt. „Wir freuen uns, dass viele unserer Anregungen vom Planer wunderbar umgesetzt worden sind, und was die vielleicht noch holprige Kommunikation angeht, sind wir auf einem guten Weg.“