Marbacher Bahnhof Aushängeschild wird herausgeputzt

Von Christian Kempf
Das in die Jahre gekommene Gebäude erhält eine Frischzellenkur. Foto: KS-Images.de

Die Bahn lässt das historische Bahnhofsgebäude in Marbach sanieren. Das freut auch die Stadt, insbesondere im Hinblick auf ein anstehendes Großevent.

Marbach - Bauprojekte der Deutschen Bahn stehen nicht unbedingt im Ruf, Jubelstürme auszulösen. Oft sind damit nämlich erhebliche Beeinträchtigungen für den Verkehr auf der Schiene oder sogar der Straße verbunden, wenn die Eingriffe ins Netz größerer Natur sind. Das Vorhaben des Konzerns in Marbach dürfte hingegen auf nahezu ungeteilte Zustimmung stoßen. Das Unternehmen lässt nämlich gerade das in die Jahre gekommene historische Bahnhofsgebäude auf Vordermann bringen – eines der Erkennungszeichen der Schillerstadt.

Bahn investiert zusammen mit dem Bund gut 350 000 Euro

„Wir freuen uns, dass die Bahn Geld in das Gebäude investiert“, sagt der Marbacher Bürgermeister Jan Trost. Dadurch werde der gesamte Bereich aufgewertet. Und das ist für den Rathauschef genau an dieser Stelle, an der viele Besucher in der Stadt eintreffen, kein ganz unbedeutender Umstand. Insbesondere im Hinblick auf die Gartenschau, die die Stadt 2033 gemeinsam mit Benningen auf die Beine stellt. Es sei wichtig, „dass alle Beteiligten neuralgische Punkte in unserer Stadt wie Bahnhof oder Fußgängerzone nach und nach verschönern“, erklärt Trost.

Um das zuletzt recht kläglich dastehende Gebäude herausputzen zu lassen, nimmt die Bahn im Zusammenspiel mit dem Bund mehr als 350 000 Euro in die Hand. Die Mittel stammen aus dem Sofortprogramm für Bahnhöfe, für das Berlin 2021 insgesamt 120­­  Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat. Von diesem Geld sind in Marbach laut Deutscher Bahn die Türen und Fenster bereits ausgetauscht worden. Darüber hinaus werde die Fassade in frischem Glanz erstrahlen. Die Wände würden gestrichen, der Sandstein erneuert. „Auch der Dachüberstand am Bahnhof erhält einen neuen Anstrich“, teilt das Unternehmen mit. Wie Jan Trost ergänzt, gehöre darüber hinaus zum Konzept, die Schautafeln an der Außenhülle abzubrechen und den Zigarettenautomaten abzuschrauben und zu verlagern. Damit werde das Gebäude quasi von jeglichem Ballast freigelegt und könne sich voll entfalten.

Unten ein Bäcker, oben Schlaf- und Wohnräume

Untergebracht seien in dem Bauwerk derzeit unten ein Bäcker sowie oben Wohnraum und Schlafmöglichkeiten für Bahnpersonal, das in Marbach eine längere Pause einlegen muss. Der ehemalige Schalterraum stehe aktuell leer. Errichtet wurde das dreigeschossige Hauptgebäude, an dem die von 1871 bis 1877 errichtete Teilstrecke der Murrtalbahn von Bietigheim nach Backnang vorbeiführte, im Jahr 1877. Das geht aus einer Beschreibung von Kulturdenkmalen, Stand 1992, hervor, die der Marbacher Stadtarchivar Albrecht Gühring aus den Beständen herausgesucht hat. Dort heißt es auch, dass anfangs im Erdgeschoss Diensträume und ein Wartebereich angesiedelt waren. In den oberen Etagen waren Wohnungen für den Stationsvorsteher, den Bahn- und den Weichenmeister sowie Gehilfen untergebracht.

Klassizismus prägt das Erscheinungsbild

1906 wurde schließlich der eingeschossige Anbau gen Osten realisiert. Architektonisch ist der Bahnhof vom Klassizismus geprägt. Charakteristisch sind unter anderem die Rundbogentore und -Fenster im Erdgeschoss sowie „der spiegelsymmetrische Aufbau mit dreiachsigem Mittelteil und kräftigen Seitenrisaliten“, wie es weiter in der Beschreibung heißt.

Dort steht auch zusammenfassend: Bei dem Empfangsgebäude handele es sich um ein „Kulturdenkmal aus wissenschaftlichen, heimatgeschichtlichen und künstlerischen Gründen“ – das nun ein Facelifting bekommt, das im September begonnen wurde und „voraussichtlich Ende des Jahres abgeschlossen“ sein wird, wie die Pressestelle der Deutschen Bahn mitteilt.

Arbeiten an den Gleisen

Lärm
Arbeitstrupps sind derzeit nicht nur damit beschäftigt, das Bahnhofsgebäude in Marbach herauszuputzen. Seit Freitag, 5. November, und noch bis Montag, 6. Dezember, erneuert die Bahn an den Wochenenden auch die Gleise zwischen Ludwigsburg und der Schillerstadt. „Die Arbeiten müssen zum Teil auch nachts und an Sonntagen durchgeführt werden. Wir werden dabei Lärm, soweit möglich, reduzieren, können ihn aber nicht ganz vermeiden“, teilt eine Pressesprecherin des Konzerns mit.

Sperrung
Während der Arbeiten an den Gleisen müsse der Streckenabschnitt Ludwigsburg-Marbach für den Zugverkehr gesperrt werden. Das wirke sich auf den Fahrplan der S4 aus. Die Linie verkehre dann in den zwei Abschnitten Schwabstraße-Ludwigsburg und Marbach-Backnang. Im Teilstück Ludwigsburg-Marbach werden nach Angaben der Bahn Busse für die Fahrgäste eingesetzt.