Marbach Vernunft ade

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Neugeborene lassen bei vielen das Herz höher schlagen. Foto: dpa

Marbach - Ich bin im Babyglück. Ach was sag’ ich – wir sind im Babyglück. Bevor dem ein oder anderen jetzt das Frühstücksbrötchen aus dem Mund fällt: Die Nachwuchsplanung der Familie Götz ist abgeschlossen. Zwei männliche Teenager im Haus genügen. Außerdem hat die Mama ja seit kurzem eine Fünf vorne stehen und ab einem gewissen Alter ist dann auch mal gut. Aber dennoch: Ich bin im Babyglück.

Meine beste Freundin, meine Seelenverwandte, meine Schwester – wenn auch nicht blutsverwandt – wird Mama. Und ich Tante. Was haben wir nicht alles im Keller verstaut, als unser Kleiner aus dem Gröbsten raus war: Wippe, Buggy, Hochstuhl. . . Jahr um Jahr staubten die Sachen mehr ein und irgendwann wanderten sie statt in die 170 Kilometer entfernte bayrische Einöde auf den Rielingshäuser Kinderbasar. Aber jetzt ist er da der langersehnte Nachwuchs. Und um das Glück der Tante perfekt zu machen, hat der Wonneproppen keine männlichen, sondern weibliche Gene.

Nicht falsch verstehen: Ich liebe meine zwei Jungs über alles und bin gerne Jungsmama. Ich steh’ gern am Fußballplatz, um meinen Kicker lauthals anzufeuer und liebe es, mit meinem Großen shoppen zu gehen. Aber wenn ich ehrlich bin, hab’ ich mich immer darauf gefreut, einmal Kleider, Schuhe oder Röcke für kleine Prinzessinnen zu kaufen.

Jetzt ist die kleine Emilia noch nicht mal drei Wochen alt, das heißt es dauert noch eine ganze Weile, bis sie all das Schi Schi tragen kann, das ich horte, aber ich schaff’ es einfach nicht, an einem Geschäft vorbeizugehen, in dem es Kindersachen gibt. Und meine beiden Jungs stehen mir da in nichts nach. Emilia hat uns im Sturm erobert.

Vor exakt 18 Tagen habe ich in die Rolle der Tante gewechselt, die sich ganz leicht um den Finger wickeln lässt und der jungen Dame keinen Wunsch abschlagen kann. Und ich muss gestehen: Ich liebe diese Rolle. Meine Freundin hat es längst aufgegeben, mir mahnend die verlorengegangene Vernunft in Erinnerung zu rufen. Sie kennt mich seit Jahrzehnten und weiß, dass es ein schwäbischer Sturschädel mit einem bayrischen aufnehmen kann.