Marbach Start nach der Corona-Pause mit frischen Highlights

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Die Wand wurde von einem Marbacher Brüderpaar auf Alt getrimmt. Foto: Oliver von Schaewen

Eine Wand und eine Vitrine im Marbacher Mayer-Museum wurden umgestaltet. Und es gibt weitere Neuigkeiten.

Marbach - Den Tobias-Mayer-Verein hat der Shutdown in der Corona-Krise hart getroffen. Da das Museum wegen der Pandemie längere Zeit geschlossen werden musste, brachen auch Einnahmen weg. Für eine Einrichtung, die durchweg ehrenamtlich betreut wird, ist das natürlich ein Riesenproblem. „Wir leben nur von Eintrittsgeldern, Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Und der Bereich Eintrittsgelder ist für drei Monate völlig ausgefallen“, sagt der Vorsitzende Armin Hüttermann. Er und seine Mitstreiter haben in dieser misslichen Lage aber nicht den Kopf in den Sand gesteckt, sondern im Gegenteil das Beste daraus gemacht und die Pause genutzt, um die Ausstellung noch attraktiver zu gestalten.

Das Ergebnis der Aktivitäten können Besucher nun zum Beispiel im Erdgeschoss des Geburtshauses von Marbachs bekanntestem Wissenschaftler bestaunen. Hier war eine Wand bislang noch unbespielt. Man nahm deshalb mit den Marbacher Künstlerbrüdern Manuel und Felix Seiter Kontakt auf und beauftragte sie, den Raum aufzuwerten. Auf der Grundlage alter Fotos des Gebäudes rekonstruierte Manuel Seiter am Computer eine komplette Ansicht des Geburtshauses, die anschließend in Handarbeit und in Großformat auf die Wand übertragen wurde. Sieben Tage waren die Brüder damit beschäftigt, dann saß jeder Strich, stimmte jedes Detail.

Direkt daneben können Gäste jetzt einen Auszug aus Mayers Autobiografie und eine Zeichnung seines Vaters bewundern, der eine Wasserleitung in Esslingen konstruiert hatte. Beide Dokumente schlummerten bislang im Archiv und hängen jetzt in Holzrahmen, die die Seiter-Brüder bewusst auf Alt getrimmt haben. „Wir wollten im alten Geburtshaus einen Kontrast schaffen zum modernen Neubau des Museums, der dort im Kunststil gegeben ist“, erklärt Felix Seiter. Ein weiterer Hingucker, den der Verein an der Wand in einem kleinen Glaskasten ausstellt, ist ein altes Leitungsrohr aus Holz. Es handelt sich dabei um ein Original aus der Mayer-Zeit, es stammt also noch aus dem 18. Jahrhundert. Alles in allem soll der Raum nun stärker auf die einfachen Verhältnisse zugeschnitten sein, in denen Mayer aufgewachsen ist.

Für Freunde der Technik, Geschichte und Wissenschaft gibt es aber auch im ersten Obergeschoss des Neubaus Frisches zu entdecken. Hier hat der Verein eine Vitrine umgestaltet und mit Schubladen versehen lassen. In den Fächern lagern zusätzliche Exponate samt einordnenden Erklärungen. In der Vitrine selbst kann man Gegenstände begutachten, die Mayer selbst konstruiert hat, wie Gudrun Erb erklärt, die bei dem Verein für die Pressearbeit zuständig ist Der Clou ist, dass die gezeichneten Vorlagen dafür in seinem mathematischen Atlas abgebildet sind, der direkt daneben aufgeklappt ist. Besondere Schmankerl stellen unter den Exponaten ein großes Astrolabium dar, das der Marbacher Dieter Baader einst gebaut hat, und ein Recipiangel, den Günther Oestmann aus Bremen nun extra nach den Plänen Mayers für den Verein angefertigt hat. Dabei handelt es sich um ein frühes Winkelmessinstrument.

Armin Hüttermann, Gudrun Erb und Co. haben in den vergangenen Monaten aber nicht nur die Ausstellung optimiert, sondern auch das Konzept für die Führung verfeinert. Nach wie vor im Programm habe man einen etwa eineinhalbstündigen, umfassenden Rundgang zum Leben und Werk von Tobias Mayer, erläutert Gudrun Erb. Weil aber nicht jeder so viel Zeit hat und weil sich einige Besucher insbesondere für bestimmte Aspekte rund um den Marbacher Wissenschaftler interessieren, hat man einstündige Rundgänge zu den Themen „Mensch Mayer“, „Der Längenpreis und Tobias Mayer“, „Das wissenschaftliche Werk von Tobias Mayer“ und „Kupferdruck statt Kopierer“ konzipiert. Doch nicht nur das. Armin Hüttermann kann darüber hinaus bekannt geben, dass die Tobias-Mayer-Rallye definitiv am 3. Oktober stattfindet. „Wir haben grünes Licht vom Ordnungsamt erhalten“, sagt er.