Marbach Selbstverteidigung auf der Schillerhöhe

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Ein sicherer Stand ist wichtig für die Selbstverteidigung. Foto: KS-Images.de

Marbach - Bei angenehmen Temperaturen haben sich am Donnerstagabend fünf Teilnehmer zu einem Selbstverteidigungskurs im Grünen getroffen. Ganz der Tradition nach, versammelt der langjährige Trainer Gerd Esslinger zur Begrüßung die Sportler vor sich in einer Reihe und verbeugt sich kurz. Es werden danach verschiedene Situationen durchgespielt, auf die mithilfe der Techniken des japanischen Karatestils Mitsuy-Kai eingegangen wird.

„Selbstverteidigung sieht nie so aus, wie man es sich vorstellt“, warnt Esslinger. Ganze 25 Jahre Erfahrung zeichnen den Kursleiter aus. Das sieht man auch an den routinierten und gezielten Bewegungen, mit denen er bei der nächsten Übung zeigt, wie man sich am besten aus einer Umklammerung befreit. Dabei dient ihm der 49-jährige Tim als Versuchskaninchen. Der Teilnehmer ist auch im Karateverein und kommt gerne zu dem Angebot im Freien. Während die angehenden Selbstverteidigungskünstler sich gegenseitig umklammern, entsteht die ein oder andere witzige Situation. Anstatt die vorgeführten Bewegungsabläufe zu kopieren, heben manche Teilnehmer einander hoch. Lachend fällt Gerd Esslinger auf: „Heute sind wir so schwitzig, da kann keiner so richtig festhalten.“ In der Tat kosten die Bewegungen viel Kraft und sind anstrengender als gedacht. Bei den Kursen in der Halle gibt es auch sogenannte Bratzen, also harte Kissen zum draufschlagen. „Wer sich da ins Zeug legt, hält selbst im trainierten Zustand höchstens eine halbe Minute durch“, berichtet Esslinger.

Für Hagen, 20 Jahre alt, bietet der Kurs nicht die ersten Karateerfahrungen. Neben zwei Jahren im Marbacher Verein kennt er sich auch mit der Kampfsportart Aikido aus. Für den Student ist es ein Leichtes, sich aus den Griffen seines Partners zu befreien. Ist das einmal geschafft, zeigt der Trainer die nächsten Schritte. „An Augen, Nase und hinter dem Ohr sind wir am empfindlichsten“, erklärt Essliner und tippt sich dabei mit dem Finger an eine Stelle hinter dem Ohrläppchen. „In alten Büchern wird oft beschrieben, wie sich die Darsteller mit einem Schlag gegen das Kinn wehren, das funktioniert im Notfall aber nicht so gut“, informiert der Karatelehrer.

Als Nächstes stellen sich alle zusammen in einen großen Kreis auf, um in mehreren Serien verschieden Schläge zu üben. Auch der sogenannte einfache Fußtritt nach vorne wird einstudiert. Bei jedem Tritt murmelt Esslinger ein Wort. „Ich habe auf Japanisch gezählt“, meint er später grinsend. Ganz wie es der Brauch verlangt, verabschiedet sich Essliner von seinen Schülern mit einer letzten Verbeugung.

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