Marbach Schriftzeichen als große Herausforderung

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  Foto: Archiv (Kuhnle)

Marbach - Die Feiern nach dem schriftlichen Abi sind schon voll im Gange, Sektkorken knallten und fröhliche Abiturienten sind erleichtert, dass der erste Teil rum ist. Doch nicht alle können mitfeiern – am heutigen Freitag schwitzen am Friedrich-Schiller-Gymnasium (FSG) noch einmal Schüler über ihren Aufgaben. Und zwar jene acht, die sich für Chinesisch entschieden haben. Sie gehören zum ersten Jahrgang in Baden-Württemberg, dem dies ermöglicht wird. Nur noch an einer weiteren Schule – ein Privatgymnasium in St. Blasien – brüten heute Schüler über Schriftzeichen. Wohingegen die Schüler in St. Blasien das Fach erst als dritte Fremdsprache gewählt haben.

Seit 2008 kann Chinesisch am FSG als zweite Fremdsprache gewählt werden. Einer, der sich dafür entschieden hat, ist der 18-jährige Christian Daichendt. Ganz genau erinnert er sich daran, wie er mit der Sprache in Berührung gekommen ist. Als er in der fünften Klasse war, erfuhr er, dass es eine Chinesisch-AG gab. Und als die Wahl der zweiten Fremdsprache zur Debatte stand, war für ihn sofort klar, was er wollte: nicht Latein oder Französisch, sondern Chinesisch.

Von Anfang an begleitet hat die Lehrerin Marion Rath die Schüler. Sie erklärt, wie die Prüfung genau abläuft. Die Aufgaben seien vergleichbar mit dem, was im Fach Englisch gefordert werde, sagt sie. Es geht um Textverständnis, Textanalyse und freies Schreiben. Gleichzeitig weist Marion Rath auch auf einen Unterschied hin: „Im Englischen kann man sich differenzierter ausdrücken.“ Im Chinesischen sind die Schriftzeichen die große Herausforderung, sagt sie. „Man braucht mehr Zeit“, betont die Lehrerin.

Zehn Fragen zum Text erhalten die Abiturienten heute. Mit Multiple Choice sollen sie diese beantworten, aber die gesuchte Textstelle auch mit einem Zitat belegen. „Um die Ratewahrscheinlichkeit zu reduzieren“, verdeutlicht Marion Rath. Geschrieben wird die Textanalyse auf Chinesisch, ebenso die kreative Schreibaufgabe. Das Schwerpunktthema ist Familie und Gesellschaft in China.

Christian Daichendt sieht der Chinesisch-Prüfung entspannt entgegen. Vorbereitet hat er sich, indem er bereits bekannte Texte noch einmal durchgegangen ist. „Man hat den Text vor sich und sieht die Zeichen. Manches ist auf Anhieb schnell klar“, findet er. Das sei so wie bei einer anderen Fremdsprache auch. Hilfestellung gibt es im Abitur durch ein Chinesisch-Deutsch-Wörterbuch. Da müsse man manchmal aber auch suchen, gibt der Abiturient offen zu.

Nach dem Abitur möchte sich Christian Daichendt mit Schriftzeichen weiter beschäftigen: erst ein Freiwilliges Soziales Jahr in China und dann Sinologie studieren. „Ich habe vor zwei Jahren entdeckt, wie toll es ist, die Sprache zu sprechen“, schwärmt der 18-Jährige. Als Zehntklässler nahm er an einer Sprachreise teil. „Das war die Initialzündung.“ Untergebracht war er bei einer chinesischen Familie, und seine Gastmutter sprach fast kein Englisch. Er war gezwungen, anders mit ihr zu kommunizieren. Das habe ihm viel gebracht. „Es war so toll, wenn man mich verstanden hat.“ Wie gut er und seine Mitschüler sind, zeigt sich heute beim schriftlichen Abitur.

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