Marbach Putzen fürs Allgemeinwohl wird kunstvoll gewürdigt

Von
Die Besucher können rund 90 Fotos im Rathaus bewundern. Foto: avanti

Marbach - Farbig und langstielig liegen sie horizontal in der gläsernen Vitrine im Foyer des Marbacher Rathauses, als ruhten sie sich nach getaner Arbeit gründlich aus: die Besen. Sie, die bei der Putz­Aktion „Bunte Besen kehren besser“ für die  Akteure unverzichtbares Arbeitsmittel waren, wirken dort wie ein Kunstgegenstand und Mahnmal zugleich. Sie erinnern einerseits daran, dass Gleichgültigkeit dazu führen kann, dass sich Zeitgenossen bezüglich ihres Wohlgefühls im städtischen Miteinander stark eingeschränkt fühlen. Und sie zeigen auf, dass nicht die Verursacher es sind, die Schmutz und Weggeworfenes zum Vorteil aller entsorgen, sondern meist die, die daran unbeteiligt waren.

Letzteren gebührt Ehre. Und die erfolgt derzeit in Form einer Ausstellung. Rund 90 Bilder sind es, die im Eingangsbereich des Verwaltungsgebäudes den Blick der ­Besucher auf sich ziehen. Darauf zu sehen sind Groß und Klein, die sich für eine Sache engagieren: Die Sauberkeit in Marbach. Torpediert von allem, was Passanten unbedacht wegwerfen. Ein Foto zeigt beispielsweise ein Mädchen. Geschützt von Einweghandschuhen hält es zwei Hände voll von Zigarettenstummeln der Kamera entgegen. Und die waren – wer dabei war, weiß es – bei Weitem nicht immer einfach aus den Ritzen der Gehwegplatten herauszufummeln. Ein Wunder, dass die Gesichter der Kindergarten- und Schulkinder, einiger Asylanten, Mitglieder des Gemeinderats oder der Mitarbeiter der Stadtverwaltung, so gar nicht verdrießlich dreinblicken. Nur selten sieht man Stirnrunzeln oder einen fragenden Blick. Im Kollektiv, so scheint es, macht sogar die widrigste Arbeit noch etwas Spaß.

Bürgermeister Jan Trost kann ermessen, wie kostbar dieser unentgeltlich geleistete Einsatz von Bürgern ist. Er dankte am Samstagvormittag nicht allein den fleißigen Helfern, sondern besonders auch Monika Schreiber, die jene „tolle Aktion“ am 20. Juli 2018 ins Laufen gebracht und nun auch die Ausstellung federführend umgesetzt hat. Und weil eine solche Kehr-Aktion breit aufgestellt sein müsse, waren eben zahlreiche Organisationen beteiligt. Allesamt waren sie nach getaner Arbeit bei Werner Aupperle eingeladen, der Bier­tische und Bänke zur Verfügung und „Leberkäsweck mit Getränken“ ausgegeben hat. Zur Stärkung. „Das Zusammensitzen war so schön und hat viel Spaß gemacht“, erinnert sich etwa Ute Rößner an den warmen Abend in der Fußgängerzone. Denn am Tag der Kehr-Aktion herrschten hochsommerliche Temperaturen. Die Hitze, so zeigen es die Bilder, steht deshalb vielen Helfern ins Gesicht geschrieben. Musiker Ralf Glenk aber ehrte das Engagement auf seine ganz eigene Weise: Er griff dabei das Thema „Besa“ zur Melodie von „Ferry cross the Mersey“ auf höchst augenzwinkernde und schwäbische Weise auf. Gewohnt ­spritzig und humorvoll untermalte er die Vernissage mit weiteren kessen Songs.

Artikel bewerten
6
loading