Marbach Naturschützer sind gegen Süd-Tangente

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Der Naturschutzbund setzt sich für den Erhalt von Obstwiesen ein. Foto:  

Marbach - Die Marbacher Innenstadt ächzt unter dem täglichen Verkehr. Für Entlastung soll eine Süd-Tangente sorgen. Doch die von Freien Wählern und der SPD im Gemeinderat angestrebte Verbindung von Marbachs Süden hin zur Landesstraße 1127 nach Affalterbach weckt nicht nur Hoffnungen. Starke Eingriffe in den Naherholungsraum im Bereich Oberer Vogelgraben/Katzentäle befürchtet Klaus Ruge, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Marbach. In einem offenen Brief an den Bürgermeister Jan Trost plädiert Ruge für den Erhalt der Landschaft.

Werden Marbachs letzte Streuobstwiesen jetzt zerstört?, fragt Ruge und erinnert an den erfolgreichen Widerstand der Naturschützer gegen die einst geplante „Hardtwald-Autobahn“ bei Großbottwar und die Rettung der Talaue in Pleidelsheim. Dieses Mal seien die Marbacher Bürger viel direkter betroffen, gehe es doch um ihren Naherholungsraum: darum, wie sich Menschen an den südlichen und östlichen Rändern der Stadt beispielsweise an Salbei und Glockenblumen erfreuen und das Lachen des Grünspechts hören. Diese Werte dürfe man nicht dem „ Fortschritt“ opfern.

Man könnte einwenden, die Obstwiesen würden nur am Rande betroffen, räumt Ruge in seinem Brief ein. „Doch wissen wir doch alle, dass die Zerschneidung unserer Landschaft in kleine Naturinseln oft das Aus für deren einstige Vielfalt bedeutet.“ Dies stehe im Widerspruch zu der Biotopvernetzung, um die sich Planer bemühten. Stör- und Randeffekte, wie überfahrene Tiere, kämen hinzu. Die Obstwiesen seien im waldärmsten Landkreis des Landes das Tafelsilber – „aber die werden zerstört, Stück für Stück“. Noch immer würden Naturwerte allzu leichtfertig wirtschaftlichen Interessen untergeordnet. Der Nabu wolle sich im Schulterschluss mit allen Marbacher Bürgern für den Erhalt des einzigartigen Kleinods Streuobstwiesen einsetzen. „Wir müssen eine andere Lösung für den überbordenden Verkehr durch Marbach finden“, schließt Ruge den offenen Brief.

Welche Alternative zur Süd-Tangente es geben könne? Im Gespräch mit unserer Zeitung sieht Klaus Ruge vor allem im Schwerverkehr das Problem. „Es muss eine politische Lösung her, damit nicht Lastwagen durch die Stadt fahren, nur um Mautgebühren zu sparen.“ Man sollte so wenig Straßen wie möglich neu bauen. Dies ziehe nur wieder neuen Verkehr an.

Ob die Süd-Tangente kommt, ist nach Auskunft von Bürgermeister Jan Trost „noch völlig offen“. Die Beratungen über die favorisierte äußere Variante stünden am Anfang. Das Büro BS Ingenieure in Ludwigsburg sei mit einer Verkehruntersuchung beauftragt worden. Erste Zahlen lägen vor – man habe sie nicht-öffentlich mit Stadträten beraten. Es fehlten noch Detailergebnisse, „wir werden sie in einer der nächsten Sitzungen, wahrscheinlich noch vor der Sommerpause, im Gemeinderat öffentlich diskutieren.“ Das Thema Naturschutz spielt laut Trost eine „sehr wichtige Rolle“, die zuständigen Behörden würden auf jeden Fall eingebunden. Insgesamt gelte es, zwischen den Belangen des Naturschutzes und dem Bedürfnis nach Lärmschutz abzuwägen.

Die Bürger bewege das Thema stark, weiß der Schultes. Komme die Süd-Tangente, sei damit zu rechnen, dass mehr Verkehr durch die Poppenweilerstraße fließe. Deren Anwohner seien verständlicherweise beunruhigt. Auf der anderen Seite klagten die Anwohner der Wildermuthstraße und Affalterbacher Straße über Lärm. Dort sind nach bisherigen Zählungen täglich etwa 7500 Fahrzeuge unterwegs, an der Poppenweilerstraße sind es rund 11 000 Fahrzeuge. „Wir müssen alle Folgen einer Südtangente genau untersuchen“, sagt Jan Trost, der sich schwer damit täte, einer Straße zuzustimmen, durch die der Verkehr nur verlagert würde. Genau untersuchen lässt die Verwaltung vom Büro B+S auch die Folgen einer Abstufung der Güntterstraße zu Tempo 30. Auch darüber werde, so Trost, in der öffentlichen Sitzung gesprochen.