Marbach Nahwärmenetz nimmt mehr und mehr Form an

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Öffentliche und private Gebäude der Altstadt können ans Netz angeschlossen werden. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Marbach - Als vor drei Jahren die ersten Überlegungen zu einem Nahwärmenetz für die Altstadt angestellt wurden, klang das noch wie eine kühne Vision. Inzwischen ist man von der Umsetzung gar nicht mehr so weit entfernt. Der Ausschuss für Umwelt und Technik gab gestern grünes Licht dafür, einen Betreiber für die umweltfreundliche Technologie zu suchen. Noch vor der Sommerpause soll der Gemeinderat entscheiden, wer den Zuschlag erhält. Kurz darauf wird schon die Kundenakquise starten. Eine öffentliche Informationsveranstaltung ist ebenfalls geplant. Ein erster Abschnitt könnte 2020 angeschlossen werden, der Rest im Folgejahr, kündigte Roland Engelhard vom Ingenieurbüro IBS aus Bietigheim-Bissingen an, das die Stadt bei dem Thema berät.

Der Fachmann erklärte dem Gremium, dass die Energiezentrale im Schulzentrum angesiedelt wird. Von dort sollen gedämmte Rohre zunächst bis runter zur Kronenkreuzung verlegt werden und in einer zweiten Baurunde weiter durch die Fußgängerzone bis zum Rathaus. Entlang der Route können dann unter anderem die neuen Wohnblocks an den Kreislauf angedockt werden, die die Bezirksbaugenossenschaft Altwürttemberg an der Haffnerstraße errichten will. „Bei Neubauten ist man für die Wärmeversorgung sehr aufgeschlossen, weil die noch keine Heizung haben und sich eine externe Versorgung sehr gut vorstellen können“, erklärte Roland Engelhard. Ans Netz sollen aber auch städtische Gebäude wie die Uhlandschule, das Rathaus und das Pfundhaus schräg gegenüber gehen – das ab März zu einem zweiten Verwaltungssitzung herausgeputzt wird.

Großes Potenzial sieht man aber auch bei den privaten Eigentümern. Roland Engelhard kalkuliert damit, dass sich 50 bis 60 Prozent von ihnen einklinken. Der Erste Beigeordnete Gerhard Heim erklärte auch, warum das Angebot so attraktiv ist für die Bewohner im Zentrum: „Bei den denkmalgeschützten Gebäuden ist es nicht ganz einfach mit einer Fotovoltaikanlage. Man kann auf ein Fachwerkhaus außen auch nicht ohne Weiteres eine große Wärmedämmung machen“, sagte er. Dafür können die Bewohner mit der neuen Heiztechnik die Umweltbilanz relativ leicht verbessern.

Wer das Angebot nutzen möchte, müsse sich vom künftigen Betreiber nur eine Umtauschstation installieren lassen, erklärte Roland Engelhard. „Da wird die Wärme bedarfsgerecht abgenommen“, sagte der Experte. Ansonsten könne aufs bestehende System im Haus zurückgegriffen werden. Durch das anvisierte Netz an Rohren werde 70 bis 80 Grad heißes Wasser geschickt, das beim Abnehmer auf 50 bis 60 Grad heruntergekühlt werde. Durch diesen Energieschub könne geheizt oder warmes Wasser gewonnen werden – und das abgekühlte Wasser fließt wieder zurück. Zurück heißt ins Schulzentrum, wo bereits eine Holzheizung und zwei Gaskessel installiert sind und ein Blockheizkraftwerk dazukommen soll. Damit wäre dann die Energieversorgung des ganzen Systems gewährleistet.

Um Chancen auf Zuschüsse zu haben, wird die Stadt das Netz selbst verlegen, was mit rund 1,9 Millionen Euro zu Buche schlägt. Ziel ist, die Leitungen an den Betreiber zu verpachten. Momentan komme es nicht infrage, das Netz in Eigenregie zu führen, betonte Gerhard Heim auf Nachfrage von Hendrik Lüdke (Puls). Damit man alle Teilbereiche bei dem Projekt inklusive der Akquise abdecken kann, brauche man absolute Fachleute. Denen könnte man als Kommune wegen der abschnittsweisen Erschließung aber nur Teilzeitjobs anbieten, was nicht attraktiv sei.

Es werde auch nicht möglich sein, in sämtliche Haushalte quasi pro forma einen Anschluss zu verlegen, damit man sich auch später einklinken kann, sagte er in Richtung Ernst Morlock von der SPD, der sich danach erkundigt hatte. „Die Eigentümer müssen ja zustimmen“, betonte Heim. Man könne sich aber auf Wunsch einen Anschluss anbringen und diesen dann erst zu gegebener Zeit tatsächlich aktivieren lassen, sagte Gerhard Heim, der zudem beteuerte, dass interne Rechenspiele etwas ganz Entscheidendes ergeben hätten: Das Netz lasse sich wirtschaftlich betreiben.