Marbach Mit Stars und viel Hygiene

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Das Team bereitet eine Szene vor. Das Tragen eines Mundschutzes ist dabei obligatorisch. Foto: Werner Kuhnle

Ein
Team der Filmakademie hat in Marbach eine Komödie gedreht. Dabei mussten viele Sicherheitsregeln beachtet werden.

Marbach - Absolute Ruhe, der Ton läuft, die Kamera ist an, die Klappe fällt: Wer nur diesen kurzen Augenblick in dem weitläufigen Garten der prächtigen Villa in der Marbacher Sommerhalde verfolgt, könnte meinen, das kleine Team der Ludwigsburger Filmakademie kann hier drehen, wie man seit Jahrzehnten dreht. Doch wenn man den Blick etwas weitet, erkennt man schnell: Auch die Mannschaft um Regisseurin Julia Schubeius und die Produzentinnen Fabienne Prieß und Pauline Nier können in Coronazeiten nur unter strengen Auflagen arbeiten. Tische, Gläser und Türklinken werden regelmäßig desinfiziert, alle am Set tragen Masken oder Visiere, die nur für die Aufnahmen abgenommen werden. Kurzum: Es gelten allerhöchste Sicherheitsstandards bei der Crew.

Gleichwohl freuen sich die Studenten, dass sie überhaupt wieder ihrer Berufung nachgehen können. Allerdings waren auch Prieß und Nier zunächst am Überlegen, ob sie das Projekt unter Pandemie-Bedingungen durchziehen möchten. „In der Corona-Hochzeit haben wir eigentlich gedacht, wir sagen das Projekt ab. Wir wollten niemanden einer Gefahr aussetzen und hatten auch kein gutes Gefühl“, erinnert sich Pauline Nier zurück. Als die Krise aber abflaute, habe man sich mit den Verantwortlichen der Akademie zusammengesetzt und entschieden, unter Sicherheitsvorkehrungen doch die Kamera von Robin Weiland anzuwerfen. Dafür nahm man sogar in Kauf, nochmals das Drehbuch umzumodeln, das Madeleine Hartung schon vor der Covid-19-Krise geschrieben hatte. Zum einen sei das Skript heruntergekürzt worden, erklärt Fabienne Prieß. Zum anderen habe man die Zahl der Figuren von fünf auf drei reduziert, fügt die 26-Jährige hinzu.

Die Darsteller müssen zudem selbst vor der Kamera mindestens eineinhalb Meter Abstand zueinander haben. Außerdem spielt die Komödie nun vornehmlich unter freiem Himmel, sagt Julia Schubeius. Ursprünglich hatte der Kurzfilm in einem Club spielen sollen. Die Handlung wurde nun in eine Villa verlegt.

Dazu kommen Änderungen, die garantieren, dass sich ja niemand zu sehr auf die Pelle rückt: So wird für eine Szene, in der bei einem Trinkspiel ein Tischtennisball in ein Sektglas bugsiert werden muss, ein extralanger Tisch verwendet. Die Schauspielerinnen agieren jeweils von den entgegengesetzten Enden aus und haben damit genügend Distanz zueinander.

Mit all diesen Modifikationen segnete die Filmakademie das Projekt schließlich ab. Allerdings musste das Team auch noch einen geeigneten Drehort finden. „Wir haben uns einen Live-Ticker eingerichtet für jede einzelne Immobilienwebsite“, berichtet Pauline Nier lachend. „Wir haben ein Haus gesucht in der Nähe von Ludwigsburg“, sagt sie. So stieß man auf das zum Verkauf stehende Anwesen in Marbach, dessen Eigentümerin die von Corona gebeutelte kreative Szene unterstützen wollte. Und der Dreh an dieser Stelle und das ganze Projekt mache auch Spaß, sind sich alle einig. Die Arbeitsbedingungen mit Corona seien letztlich auch gar nicht so dramatisch wie befürchtet, betont Julia Schubeius. „Man achtet auch viel mehr aufeinander und geht viel bewusster durch den Tag“, hat Pauline Nier beobachtet.

Die 23-Jährige denkt zudem wie ihre Kollegin Fabienne Prieß, dass es sogar etwas Gutes hat, in Zeiten wie diesen eine Komödie zu entwickeln. Das zaubere den Leuten ein Schmunzeln ins Gesicht. Der Plot bietet auf jeden Fall genügend Potenzial für Irrungen und Wirrungen, wie sie Komödienfans lieben. In dem 15-Minüter „Halb so wild“ geht es um einen Junggesellinnen-Abschied, den Eva für ihre Schwester Silvie auf die Beine stellt. Blöderweise sagen so gut wie alle Gäste ab – bis auf Henri, eine schon etwas ältere Geschäftskollegin, die eigentlich gar nicht so viel mit Eva am Hut an. Zu allem Überfluss stellt sich heraus, dass Silvie gar nicht mehr heiraten will, was sie aber nur Henri anvertraut, um ihre Schwester nicht zu kränken, die mit so viel Herzblut den Abend organisiert hat.

Für diese turbulente Geschichte hat das Team von der Filmakademie eine prominente Schauspielerriege nach Marbach und Möglingen gelockt, wo die Innenszenen eingefangen wurden. Die vor allem aus Märchenverfilmungen bekannte Josefine Voss schlüpft in die Rolle der Eva, „Hanni-und-Nanni“-Star Sophia Münster wurde für die Rolle ihrer Schwester gewonnen. Den Part der Henri hat Petra Hartung übernommen, die man aus vielen Engagements in deutschen Fernseh- und Kinofilmen, aber auch aus Quentin Tarantinos Meisterwerk „Inglorious Basterds“ kennt. Doch selbst diese geballte Prominenz musste sich den Corona-Regeln beugen – und rund um den Arbeitsplatz mit Maske unterwegs sein.