Marbach Lokalpolitiker bekennen bei der Kirche Farbe

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Das Thema Verkehr wird bei der Podiumsdiskussion auch angeschnitten. Foto: Archiv (Oliver von Schaewen)

Marbach - In zweieinhalb Wochen können die Bürger darüber befinden, welche Kandidaten künftig in ihren Kommunen das Sagen haben sollen. Und viele sind noch unentschlossen, hinter wem sie ihr Kreuzchen setzen sollen. Helfen kann bei der Entscheidungsfindung in Marbach eine Podiumsdiskussion, die die katholische und die evangelisch-methodistische Kirchgemeinde mit der Marbacher Zeitung (MZ) am Donnerstag, 16. Mai, von 19.30 Uhr an im Saal der katholischen Kirche auf die Beine stellen. Dort erläutern Vertreter der fünf im Gemeinderat vertretenen Fraktionen unter der Moderation von Karin Götz, Leiterin der Lokalredaktion der MZ, ihre Standpunkte vor allem zu den Themen Kindergarten, Bildung, Verkehr und Stadtentwicklung.

Die Farbe der SPD wird Ernst Morlock vertreten. Für die Freien Wähler sitzt Dr. Michael Herzog auf dem Podium. Die CDU schickt Jochen Biesinger ins Rennen, die Grünen Sebastian Engelmann. Hendrik Lüdke legt die Puls-Positionen dar. Dass die Fraktionen überhaupt auf der Bühne Argumente austauschen, ist der Initiative von Markus Hochmuth zu verdanken. Der Katholik hatte die Idee zu einer solchen Veranstaltung. Hochmuth wollte den Wählern die Möglichkeit bieten, die fünf politischen Listen und ihre Positionen im Vorfeld des Urnengangs am 26. Mai zu hören. „Das ist etwas Besonderes“, sagt er. Nur bei dieser Gelegenheit habe man die Chance, Vertreter aller Marbacher Fraktionen gemeinsam auf dem Podium zu erleben.

Markus Hochmuth ging mit seinem Vorschlag in den katholischen Kirchengemeinderat, der davon angetan war. „Die Mitglieder der Kirchen sind ja auch Bürgerinnen und Bürger der Stadt“, betont Pfarrer Stefan Spitznagel. „Es gibt viele Themen, die nicht nur aus politischer Sicht relevant sind, sondern auch aufgrund der religiösen Haltung und Gesinnung erörtert und angegangen werden müssen“, findet der Theologe. Als Beispiel nennt er die Frage nach bezahlbarem Wohnraum, die Flüchtlingspolitik, die Kindergartenarbeit oder das soziale Klima. Christen hätten aus der Bibel heraus einen Auftrag. Aussagen wie „suchet der Stadt Bestes“ oder „was ihr einem meiner geringsten Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ seien nicht nur privatreligiös, sondern auch politisch.

Matthias Kapp, Pastor der evangelisch-methodistischen Kirche in Marbach, sieht das ganz ähnlich. Seine Glaubensbrüder und -schwestern hätten nie gesagt, Kirche solle sich aus der Politik heraushalten. Alleine schon aus der Historie heraus. Kapp erinnert daran, dass die Gewerkschaftsbewegung in England von Methodisten mitbegründet worden sei. Außerdem orientiere man sich an sozialen Grundsätzen, wonach man das Wohl der gesamten Gesellschaft im Blick habe. Insofern war es ein klarer Fall für die evangelisch-methodistische Kirche in der Schillerstadt, bei der Podiumsdiskussion als Mitveranstalter einzusteigen, als die katholischen Kollegen anklopften. Ziel sei gewesen, das Ganze ökumenisch aufzuziehen, erklärt Markus Hochmuth. Folglich sei bei einem Treffen der drei christlichen Kirchen vorgeschlagen worden, den Weg mit der Diskussionsrunde zusammen zu gehen.

Während die Methodisten ihr Jawort gaben, kam von der evangelischen Kirche eine Absage. Das Thema sei im Kirchengemeinderat diskutiert worden, erklärt der Dekan Ekkehard Graf. Eine Mehrheit habe sich dort aber „aus diversen Gründen“ dagegen ausgesprochen, sich einzuklinken. Weiter ins Detail wollte Graf nicht gehen. Das bedeute im Umkehrschluss aber nicht, dass sich Christen aus der Politik heraushalten sollten. „Der evangelischen Kirchengemeinde ist es sehr wichtig, dass Christen sich an den Wahlen beteiligen, indem sie sich zur Wahl stellen und vor allem zur Wahl gehen“, betont Graf. Der Kirchengemeinderat begrüße es auch, dass die beiden anderen Kirchen mit der MZ eine Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl veranstalten. „Wir möchten im kommenden Jahr, wenn auch unsere Kirchenwahlen im Dezember vorüber sind, mit dem neugewählten Kirchengemeinderat einen Austausch mit dem neuen Marbacher Gemeinderat durchführen, um gemeinsame Themen zu besprechen“, berichtet der Dekan.

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