Marbach/Leichtathletik Der Sieger macht seinem Spitznamen alle Ehre

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Der Weg durch die steilen Gassen und das Kopfsteinpflaster hat es ordentlich in sich. Foto: avanti

Marbach -

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Wirkliche Zweifel, wer die 19. Auflage des Marbacher Gassenlaufes gewinnen würde, gab es nicht: Sven Kratochwil (Team AR Sport) machte seinem Spitznamen „Rakete“ alle Ehre und lag schon nach der ersten der drei Runden durch die Marbacher Altstadt deutlich mit fast einer halben Minute in Führung. Am Ende kam er nach 39:20 Minuten mit einem Freudensprung als Erster über die Ziellinie und hatte am Ende einen Vorsprung von genau zweieinhalb Minuten auf den zweitplatzierten Christian Hahn (Kegelfreunde Bontrup), der in 41:50 Minuten seinen Vereinskollegen Thilo Pfisterer (41:53 Minuten) im Schlussspurt knapp distanzierte.

„Ich bin den ersten Kilometer in der Spitzengruppe mitgelaufen, aber dann war mir das Tempo zu langsam“, erklärte der 34-jährige Markgröninger seine Taktik. Seine Verfolger habe er über weite Strecken nicht mehr gesehen. „Mir war klar, dass ich gewinnen würde, wenn ich nicht stürze“, meinte Sven Kratochwil, der bereits im Jahr 2011 die männliche Konkurrenz beim Gassenlauf gewonnen hatte. „Heute war es einfacher als vor acht Jahren, das Wetter war zum Laufen optimal“, meinte der Sieger, der eine neue persönliche Bestzeit beim Gassenlauf aufstellte.

Erster Verfolger der „Rakete“ war über lange Zeit Thilo Pfisterer, der nach der ersten und zweiten Runde als Zweiter über die Ziellinie gelaufen war. Auf den letzten 50 Metern musste er jedoch seinen Vereinskameraden Christian Hahn vorbeiziehen lassen. „Ich konnte am letzten Berg noch einmal Gas geben“, freute sich Hahn, der zusammen mit Pfisterer in Vaihingen/Enz Abitur gemacht hat und sich mit einigen Freunden zu einem Verein zusammengeschlossen hat, bei dem ein bisschen Etikettenschwindel betrieben wird: Die Kegelfreunde Bontrup verdanken ihren Namen einem ihrer Mitglieder und widmen sich schwerpunktmäßig dem Triathlon. „Vor drei Wochen waren wir noch beim Allgäu-Triathlon am Start. Unter diesen Umständen ist das Ergebnis hier vollauf in Ordnung“, meinte Thilo Pfisterer im Ziel.

An Sven Kratochwil hätten sie jedoch nie heranlaufen können. „Man merkt einfach, dass er viel mehr Lauferfahrung hat als wir“, meinte Christian Hahn. Ein Lob hatten sie für die Organisatoren des Gassenlaufs übrig: „Es ist spaßig, aber anspruchsvoll. Doch an jeder kritischen Stelle stand ein Helfer, das war besser als beim Allgäu-Triathlon“, sagte Pfisterer.

Als erste Frau kam Nicole Jäckel nach 46:03 Minuten ins Ziel, Zweite wurde Grit Schaller vom Team AR Sport in 49:42 Minuten. „Die ersten beiden Runden waren ganz okay, aber die dritte hat an mir gezehrt“, meinte die Zweitplatzierte, die wie Kratochwil im Jahr 2011 ganz oben auf dem Siegertreppchen gestanden hatte. Zum ersten Mal in 19 Jahren Gassenlauf nicht am Start war die vierfache Siegerin Birgitt Schrode (LT Murr), die sich beim Radfahren in den französischen Alpen einen Lendenwirbelbruch zugezogen hatte. Nette Geste: Dafür durfte die Seriensiegerin diesmal den Startschuss geben.

Neben den obligatorischen Steigungen und dem Kopfsteinpflaster mussten die Läufer in diesem Jahr in der Krähbergstraße zudem mit dem Schotter einer Baustelle kämpfen. „Wir haben eine zusätzliche Schikane eingebaut“, witzelte Moderator Achim Seiter. Ein weiterer Gag: Beim erstmals stattfindenden Staffellauf fungierten Poolnudeln aus dem benachbarten Hermann-Zanker-Bad als Staffelstäbe für die Teilnehmer.

Für internationales Flair sorgte Francois Delais aus der französischen Partnerstadt L’Isle Adam, der in 45:20 Minuten einen beachtlichen 13. Platz belegte. Im Jahr zuvor war er auf Rang 25 gelaufen. Der Franzose war jedoch nicht nur für den Gassenlauf nach Marbach gekommen, sondern auch, um den Geburtstag von Ute Rößner (SPD) zu feiern, der Vorsitzenden des Partnerkomitees. „Er ist am Samstagmorgen um Mitternacht angekommen und fliegt am Sonntag wieder zurück. So einen Aufwand zu betreiben, zeugt von gelebter Partnerschaft“, lobte Rößner ihren Gast. Delais versprach, in Frankreich Werbung für den Gassenlauf zu machen, damit im kommenden Jahr noch mehr Läufer aus der Partnerstadt starten.

Das würde der 20. Auflage gut tun, denn trotz des guten Wetters waren am Samstag insgesamt nur 377 Läufer am Start – fast 90 weniger als im Vorjahr mit 463. „Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass einige die längeren Sommerferien noch ausgenutzt haben“, vermutete Moderator Andreas Seiberling.