Marbach Lebensläufe zu Papier bringen

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  Foto: Maren Sedlmeier

Marbach - Ihr Herz schlage für Literatur, sagt Rita Brandenburger-Schift. Ein bisschen führt die heutige Benningerin das darauf zurück, dass sie in Marbach geboren wurde und hier zur Schule ging. Von Kindheit an habe sie selbst geschrieben. Im Fernstudium belegte die fünffache Mutter Kurse in kreativem und biografischem Schreiben und absolvierte die Ausbildung zur Mediendesignerin. Und weil die48-Jährige nicht nur gerne schreibt, sondern ebenso gerne sich mit Menschen abgibt, legte sie den Schwerpunkt auf das Schreiben von Biografien.

Dabei geht es ihr nicht um bekannte Persönlichkeiten. Sie interessiert sich für die ganze, bunte Palette in der Gesellschaft. Als Dienstleisterin bietet sie Zeitgenossen an, deren Geschichten aufzuschreiben. Für diejenigen, die es selbst tun wollen, gibt sie Hilfestellung unterschiedlicher Art, vom Recherchieren bis zum Layout und der Veröffentlichung. Ein Motto ihres Geschäfts lautet: „Ihr Leben ist es wert.“ Es kann dabei auch um spezielle Lebensabschnitte gehen, um harte Durststrecken, schöne Hobbyzeiten, um die Geschichte einer Firma.

Damit hat Rita-Brandenburger-Schift sich vor acht Jahren selbstständig gemacht. 2012 tauschte sie den heimischen Schreibtisch mit einem Büro im Ludwigsburger Film- und Medienzentrum. Doch bald fühlte sie sich etwas abgeschnitten in diesem „Rapunzelturm“. Sie wollte an einem Ort arbeiten, wo sie gesehen wird und nach draußen sieht. Da kam der kleine, leer stehende Laden in der Niklastorstraße 7 gerade recht. „Das war eine tolle Entscheidung. Ich habe schon viel positive Resonanz bekommen“, schwärmt die Autorin.

Dieses niederschwellige Forum in der Altstadt hat sie nicht alleine bezogen. Mitgekommen ist eine langjährige Freundin. Susanne Syring-Heinrich hat bei der Bildungsinitiative Kirchheim/Teck eine Ausbildung zur begleitenden Seelsorgerin und christlichen Lebensberaterin absolviert. „Wir haben festgestellt, dass es bei uns beiden um das Thema Biografie geht, und so haben wir uns zusammen getan“, erklärt Brandenburger-Schift. Gemeinsam führen sie Erzählcafés, Frauenrunden und biografische Spaziergänge durch. Die Termine stehen schon bis Dezember fest.

Sie haben aber auch getrennte Bereiche. Während Rita Brandenburger-Schift tagsüber in der Werkstatt an den Biografien arbeitet oder auch auswärts bei den Kunden ist, bietet Susanne Syring-Heinrich abends Seminare und Sprechstunden an.

Schon jetzt ist die Niklastorstraße Anlaufpunkt für das bundesweit vernetzte Biographiezentrum. Brandenburger-Schift ist eines von rund 70 Mitgliedern dieser 2004 gegründeten „Vereinigung deutschsprachiger Biographinnen und Biographen“. Der Leiter hat bereits ein Seminar in ihrer Werkstatt abgehalten. Im März wird hier das Mitgliedertreffen stattfinden.