Marbach Kreis reagiert auf Kritik an 30er-Regelung

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Mal 50, mal nur nachts 30 und hier, vor dem katholischen Kinderhaus, immer 30: In der Güntterstraße müssen Autofahrer ganz genau auf die Beschilderung achten. Foto: Werner Kuhnle

Marbach - Die Situation in der Güntterstraße ist ziemlich vertrackt und vor allem für ortsunkundige Autofahrer schwierig zu durchschauen. Grundsätzlich darf man dort mit 50 Kilometern pro Stunde entlangrollen, allerdings nicht zwischen 22 und 6 Uhr. Da greift der Lärmschutz und das Tempo ist auf 30 beschränkt. Doch auch von dieser Ausnahme gibt es eine Ausnahme. Vor dem katholischen Kinderhaus darf man generell nur mit 30 Sachen unterwegs sein, weil solche Einrichtungen unter einem besonderen Schutz stehen. „Die Leute finden das verwirrend“, fasst der Marbacher Ordnungsamtsleiter Andreas Seiberling die Stimmungslage zusammen. Darauf will nun das zuständige Landratsamt in Ludwigsburg reagieren und etwas mehr Klarheit in den schier undurchdringlichen Schilderwald bringen. „Nachdem es Hinweise auf der Bevölkerung gab, haben wir uns entschlossen, die Beschilderung in der Güntterstraße zu ändern“, sagt Markus Klohr, der Pressesprecher der Behörde.

Der bestehende Tempo-30-Hinweis soll um ein weiteres Schild ergänzt werden, auf dem „Achtung Kinder“ beziehungsweise „Achtung Kindergarten“ oder Ähnliches stehen werde. Damit will man den Autofahrern deutlicher signalisieren, dass in diesem Bereich eine Sonderregelung gilt und sich die Tempo-30-Vorschrift von den anderen, nur nächtlichen Begrenzungen abhebt. „Zusammen mit dem Tempo-30-Schild sollte dann jedem klar werden, dass hier aufgrund der besonderen Situation auch tagsüber Tempo 30 gilt“, erläutert Klohr.

Der Wunsch der Stadt Marbach wird dadurch aber weiter nicht erfüllt. Der Kommune wäre es am liebsten, wenn auf der Strecke durchgängig maximal mit 30 Sachen gefahren werden dürfte. Allerdings kann das Landratsamt dafür aus juristischer Sicht keinen triftigen Grund erkennen. „Für die Anordnung einer Geschwindigkeitsbeschränkung bedarf es einer rechtlichen Grundlage. Im vorliegenden Bereich wurden alle Möglichkeiten, die bisher zur Verfügung standen, ausgeschöpft“, stellt Markus Klohr fest.

Gleichwohl will die Stadt bei dem Thema die Flinte nicht ins Korn werfen und am Ball bleiben. „Wir werden einen neuen Anlauf unternehmen“, kündigt Andreas Seiberling an. Spätestens mit der bald anstehenden Fortschreibung des Lärmaktionsplans werde man einen neuen Vorstoß in der Sache unternehmen, sagt der Chef des Marbacher Ordnungsamts. Die aktuelle Situation sei für einen normalen Fahrer kaum noch nachzuvollziehen. „Da ist eine Grenze erreicht“, betont er.

Eventuell sorgt ja das neue Schild, das der Landkreis vor dem Kinderhaus anbringen lassen will, für mehr Durchblick. Wobei man durchaus auch jetzt schon die jeweiligen Regelungen erfassen könne, findet das Landratsamt. Als Beleg dafür zieht man im Kreishaus das Ergebnis aus Geschwindigkeitsmessungen heran. Auf dem Abschnitt in der Güntterstraße vor dem katholischen Kinderhaus seien im vergangenen Jahr drei Mal Blitzer aufgestellt gewesen. Beim letzten Messeinsatz am 21. Dezember hatten 30 von insgesamt 2144 Fahrern das Gaspedal zu weit durchgedrückt. Das Überwachungsgerät war in der Zeit von 7 bis 12.15 Uhr postiert. „Die geringen Überschreitungszahlen zeigen, dass Autofahrer den Überblick behalten können“, erklärt Markus Klohr.

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