Marbach Grüne fordern Plan für früheren Schulschluss

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Wenn der Unterricht an der Grundschule früher endet, bringt das offenbar Eltern in die Bredouille. Foto: Archiv (avanti)

Marbach - Die Grünen im Gemeinderat haben den Kalender durchgearbeitet und sind dabei auf acht Tage gestoßen, an denen an der Grundschule der Unterricht früher endet oder gar nicht erst stattfindet – ohne dass eine besondere Notsituation wie eine Krankheitswelle im Kollegium vorliege. Das sei zum Beispiel am Tag der Personalversammlung, dem Pädagogischen Tag, dem Tag vor den Weihnachtsferien oder wegen der Feiern zu Schillers Geburtstag der Fall. Berufstätige Eltern würden damit stets aufs Neue vor dem Problem stehen, wie sie ihren Nachwuchs an diesen so genannten Sondertagen beaufsichtigen lassen können. Deshalb fordern die Grünen, diese Lücke im Betreuungssystem zu schließen.

Die Fraktion hat beantragt, dass die Stadtverwaltung im Verbund mit der Schulleitung nach einer Lösung sucht, „um für die so genannten Sondertage eine verlässliche Grundschule im Rahmen der Unterrichtszeit sicherzustellen“. Die Grünen weisen in ihrer Begründung des Vorstoßes darauf hin, dass an den acht Tagen, an denen spätestens um 11.35 Uhr Schluss ist mit Rechnen, Deutsch und Co. weder für Ganztags- noch für Halbtagskinder ein Betreuungsangebot vorhanden sei. „Lediglich die etwa 50 Kinder, die in der Vor- und Nachbetreuung angemeldet sind, haben bisher eine verlässliche Grundschule, da nur sie an diesen Tagen Anspruch auf eine Betreuung haben“, konstatiert die fünfköpfige Grünen-Riege.

Insbesondere die Schillerfeier löse jedes Jahr Diskussionen aus, da die Erstklässler gar nicht teilnähmen und die Kinder aus der zweiten sowie der dritten Jahrgangsstufe lediglich als Zuhörer mit im Boot seien. „In der Ganztagsschule fallen an diesem Tag dennoch in allen Klassen jeweils vier Schulstunden aus“, heißt es in dem Antrag. Das sei für die Eltern nicht mehr nachvollziehbar. Das bedeute keineswegs, dass man die Sinnhaftigkeit der Schillerfeier in Zweifel ziehe. Allerdings würden es die Mütter und Väter laut den Grünen begrüßen, die Veranstaltung in den Schulalltag zu integrieren.

Wie eine Lösung in diesem Fall und für die anderen Tage mit früherem Unterrichtsschluss ausschauen könnte, muss sich nun zeigen. Man habe aber in der Sache bereits im vergangenen Schuljahr Kontakt mit der Stadt aufgenommen, ein weiteres Treffen zu diesem Thema sei geplant, erklärt Nicole Kossira, die Leiterin der Grundschule. „Auch wird der Antrag der Grünen zu diesem Thema im Gemeinderat ja erst in einigen Wochen besprochen. Möglichen Ergebnissen vorzugreifen, halte ich deshalb nicht für sinnvoll“, stellt sie fest.

Wie groß der Betreuungsbedarf an den einzelnen Tagen tatsächlich ist, sei schwer einzuschätzen. Die Erfahrung zeige jedoch, dass im Vorfeld „von manchen Eltern ein solcher zwar angesprochen wird“, dann aber kaum Kinder für das entsprechende Angebot angemeldet würden – wie beim neuen Frühbetreuungsbaustein am Mittwoch oder Freitag für Kinder, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen. Nicole Kossira würde auch nicht so weit gehen, von einer alljährlichen Diskussion zur Schillerfeier zu sprechen. Schließlich sei die Debatte zum ersten Mal vor ein oder zwei Jahren aufgekommen. Außerdem handele es sich um eine Schulveranstaltung für alle Klassenstufen, betont Nicole Kossira und widerspricht damit der Darstellung der Grünen.

Die Schulleiterin stellt ferner fest, dass die Marbacher Grundschule einen Großteil der von den Grünen aufgezählten Sondertage nicht exklusiv habe. Viele davon seien rechtlich geregelt, „sodass von einer einheitlichen Umsetzung an allen Schulen in Baden-Württemberg auszugehen ist“. Dies betreffe zum Beispiel sowohl die im Antrag genannten Tage vor Ferienabschnitten als auch das Recht auf Teilnahme an der Personalversammlung für die Lehrer.

Was den ebenfalls von den Grünen aufgeführten Pädagogischen Tag angehe, „so kam es in den letzten fünf Jahren nur ein einziges Mal vor, dass aus diesem Grund Unterricht ausgefallen ist“, konstatiert Nicole Kossira. In allen anderen Jahren habe der Termin außerhalb der Unterrichtszeit stattgefunden. „Selbstverständlich wurden auch hier die rechtlichen Grundlagen berücksichtigt, die ein solches Vorgehen unter bestimmten Voraussetzungen ermöglichen. Das Vorgehen wurde im Vorfeld mit den Mitgliedern der Schulkonferenz abgestimmt und das Einverständnis der Elternvertreter für den Unterrichtsausfall an diesem Tag eingeholt“, erläutert die Leiterin der Grundschule.