Marbach Gänsehaut-Stimmung im Kirchenschiff

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Der Chorraum war gerade groß genug für die zahlreichen Mitwirkenden. Foto: Werner Kuhnle

Marbach - Es geht steil den Festtagen entgegen, wenn ihr zum Konzert einladet.“ Mit dieser Feststellung begrüßte Hausherr Pfarrer Stefan Spitznagel am Dienstagabend über 200 Sänger und Musiker sowie eine große Besucherschar. Diese hatte das Gotteshaus der katholischen Kirchengemeinde „Zur Heiligen Familie“ in Marbach restlos gefüllt. Denn „Musik ist die genialste Form der Verkündigung“, fügte Spitznagel hinzu und unterstrich damit die Vorfreude. Auch der Schulleiter des Friedrich-Schiller-Gymnasiums (FSG), Christof Martin, zeigte sich begeistert vom Interesse der zahlreichen Konzertbesucher, die einer neuerlichen Superlativ-Veranstaltung des FSG beiwohnten. Denn ein Stimmenmeer, das gefühlt der Menge der Besucher entsprach und dessen Mitwirkende sich gerade mal noch so im Chorraum aufstellen konnten, war ein Erlebnis, das es nicht alle Tage gibt. Nicht nur optisch, sondern vor allem akustisch. Steht dann noch ein Werk wie „Der Messias Teil 1“ auf dem Programm, das von Händel zwar komponiert, von Mozart aber an den damaligen Zeitgeschmack angepasst wurde, dann ist das diesjährige Weihnachtskonzert der Schule schon als kleine Kostbarkeit zu nennen.

Schüler, Eltern, Lehrer – ein Aktionsradius, der wie gesagt nicht alltäglich ist, und der eine enorme Herausforderung für die leitenden Akteure Cordula Kaleschke und Wolfgang Jauch darstellt. „Eine mühevolle Ensemble-Arbeit, deren einzelne Puzzleteile zu einem Ganzen zusammengefügt werden mussten“, wie Christof Martin die Aufgabe anerkennend beschrieb. Und eine, die bravourös gemeistert wurde, wie der Beifall am Ende verdeutlichte.

Enorm viele Interpreten und unterstützende Lehrer waren bei dem Schulevent nötig, um einen der brillantesten Klassiker, den die Weihnachtszeit zu bieten hat, zur Aufführung zu bringen. Auch Maximilian Ermisch ist als Trompetensolist hervorzuheben. Er überzeugte gleich am Anfang des Konzerts mit einem virtuosen, silbrig-hellen Part bei Baldassaris „Concerto B-Dur“, das sofort festlichen Glanz über das Geschehen legte und eine wunderbare Einstimmung auf das in Folge zu hörende Oratorium bot.

Viel zu tun hatte das Orchester, das bei allen Werken gefordert war und das für die Orientierung der Sänger wie für die glanzvolle Stimmung gleichermaßen sorgte. Mit geballter Strahlkraft vereinten sich die Singenden mit den Instrumenten gleich mit „Denn die Herrlichkeit Gottes des Herrn“ und zeigten viel Freude in der Stimme, die sich wohltuend im Kirchenraum ausbreitete. Fortan waren besondere Stimmfarben auch unter den Solisten zu hören: Lehrer Rainer Tetenberg als Tenor, der das an Koloraturen so reiche Werk ebenso federleicht zelebrierte wie die Sopranistin Viola Wagner und später Eva Schramm.

Thilo Ederles erdiger Bass sorgte für markige Gesangsmomente und bildete einen großartigen Kontrast auch zu den feinen Stimmen der Sechstklässler Joshua Hall und Maximilian Hennen. Die beiden Schülerinnen der siebten Klasse, Wiebke Heidemeyer und Josephine Buortesch, meisterten wie auch Luisa Mackamul aus der Neunten ihre engagiert vorgetragenen Rezitative. Der Lehrer Matthias Guthier begleitete einige der Stücke stimmungsvoll am Spinett und fügte dem instrumentalen Erleben eine weitere besondere Note hinzu.

Fulminantes Schlusslicht, das eigentlich den zweiten Teil des Oratoriums beschließt, aber wegen seiner großen Beliebtheit bei keiner Messias-Aufführung fehlen darf, ist das rund vierminütige Halleluja, das die Zuhörer vermutlich reihenweise mit Gänsehaut überzog. Engelsgleich ertönte der vierstimmige Freudengesang, der sich faszinierend harmonisch nach oben schraubt und fast vergessen lässt, dass man sich auf der Erde befindet.

Um das Hochgefühl beizubehalten, jubilierte Jonas Stein schließlich mit einer Improvisation an der Orgel zu dem Lied „Tochter Zion“, das daraufhin der Chor und die Konzertbesucher gemeinsam sangen.

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