Marbach Fesseln unerwünscht im Industriegebiet

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Ihrem Ziel, das Industriegebiet zu erweitern, ist die Stadt wieder ein Stück näher gekommen. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Marbach - Im Ausschuss für Umwelt und Technik war der Antrag der Gruppe Puls, auf der geplanten Erweiterungsfläche im Energie- und Technologiepark ausschließlich Marbacher Firmen anzusiedeln, schon kontrovers diskutiert worden. Am Ende setzte sich im Gremium die Auffassung durch, sich diese Selbstbeschränkung nicht auferlegen zu wollen (wir berichteten). Ähnlich war das Stimmungsbild nun im Gemeinderat, der das letzte Wort in der Sache hatte. Nur sechs Mitglieder der Runde unterstützten das Ansinnen der Puls-Vertreter Hendrik Lüdke und Benjamin Flaig – womit am Neckar auch Firmen von auswärts zum Zuge kommen können.

Allerdings schien es kurze Zeit so, als könnten Lüdke und Flaig zumindest einen Teilerfolg verbuchen. Das lag an der Initiative, die Barbara Eßlinger von den Grünen ergriffen hatte. Ihr gefiel die Stoßrichtung des Puls-Antrags. Schließlich habe man die Umwandlung der Streuobstwiesen in Gewerbeflächen in diesem Bereich überhaupt nur in Angriff genommen, um auf den Expansionswunsch von Marbacher Betrieben reagieren zu können, betonte sie. Insofern versuchte sich Eßlinger als Brückenbauerin und regte an, zumindest einem Kompromissvorschlag zuzustimmen. Sie legte ihren Ratskollegen eine abgemilderte Formulierung ans Herz, wonach die städtischen Flächen an Marbacher Unternehmen veräußert werden sollen – aber nicht müssen, wie es der Puls-Antrag vorgesehen hatte. „Wir hätten dann immer noch das Signal an die Marbacher Gewerbetreibenden gesetzt, dass wir die Grundstücke vorhalten. Wenn aber Benninger oder Neckarweihinger Unternehmen erweitern möchten und kommen wollen, könnten wir das noch in einem kleinregionalen Rahmen sehen“, argumentierte Barbara Eßlinger.

Ein Kurs, dem sich Jochen Biesinger von der CDU hätte anschließen können. Seine Fraktion fühle sich nämlich schon an die zum Verfahrensanfang geäußerte Selbstverpflichtung gebunden, Firmen aus der Schillerstadt einen Vorrang einzuräumen, sagte er. Ihm schmeckte allerdings die Vorstellung nicht, sich formal festzulegen. Schließlich müssten bei dem Thema die gesamtgesellschaftliche Bilanz und die Auswirkungen für die Stadt berücksichtigt werden. Ein ökologisches Kriterium sei beispielsweise, ob sich die Zahl der Auspendler unterm Strich verringern lassen könnte, wenn eine Firma von außerhalb nach Marbach kommt.

Doch trotz einiger Fürsprecher wie Biesinger war am Ende auch die abgemilderte Version des Antrags nichts mehrheitsfähig. Neun Räte waren dafür, 14 dagegen. Dazu kam eine Enthaltung. Kein grünes Licht gab es unter anderem von Ernst Morlock von der SPD. „Wir sollten uns keine Fesseln anlegen. Wir sollten abwarten, welche Anfragen an die Stadt gestellt werden“, meinte er. Ähnlich dachte auch Martin Mistele von den Freien Wählern. Für seine Fraktion sei es wichtig, dass Arbeitsplätze am Ort entstehen. Müssten viele Menschen aus Marbach auspendeln, erzeuge das eine Menge Verkehr. Folglich solle das Augenmerk darauf liegen, einen attraktiven Betrieb für diese Flächen zu gewinnen. „Die Qualität steht für mich an oberster Stelle. Es ist wenig zielführend, wenn dort ein Marbacher Betrieb ein Lager mit nur einem Mitarbeiter eröffnet“, sagte auch der Bürgermeister Jan Trost. Er verwies auf ein positives Beispiel aus Rielingshausen, wo sich jetzt auf einer frei gewordenen Fläche in der Zeppelinstraße die aus Winnenden stammende Peick Förder-Systeme GmbH niedergelassen habe, die auf einen Schlag 40 Arbeitsplätze in den Ort gebracht habe.

Hendrik Lüdke von Puls ließ sich von all dem aber nicht von seiner Grundhaltung abbringen. „Arbeitsplätze sind wichtig, ohne Frage“, sagte er. Die Politik fordere aber auch, den Flächenverbrauch zu reduzieren. In diesem Zielkonflikt habe die Natur für Puls Vorrang. Wenn aber schon neue Flächen versiegelt werden sollen, dann wenigstens von heimischen Unternehmen.

Doch zu dieser Einschränkung wird es nun nicht kommen. Genauso wenig ließ sich der Gemeinderat davon abbringen, die Ausweisung der rund einen Hektar großen Erweiterungsfläche weiter voranzutreiben. Bei vier Gegenstimmen segnete das Gremium den dafür nötigen Bebauungsplanentwurf samt öffentlicher Auslegung ab. Für einen Teil hat die Stadt schon einen konkreten Interessenten an der Hand, ein anderer Betrieb hatte auch Bedarf angemeldet, war aber abgesprungen, weil die Umsetzung zu lange auf sich warten ließ.

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