Marbach Ein Joint ist 30-mal giftiger als eine Zigarette

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Der Polizist Michael Leins klärt die Siebtklässler der Anne-Frank-Realschule über die Folgen von Drogenkonsum auf. Foto: Oliver von Schaewen

Marbach - Die Tafel füllt sich schnell: LSD, Crystal Meth und Kokain. Die Schüler der Klasse 7a sprudeln nur so, als Kommissar Michael Leins sie nach Drogen fragt. Plötzlich tritt er nach hinten und kramt in einem Federmäppchen. „Wer hat Drogen dabei?“, fragt er und zieht einen knallgelben Textmarker hervor. Ja, auch solche Stifte bergen Suchtpotenzial: Schnüffelstoffe, wie sie auch in Nagellackentferner oder Tankstellenbenzin vorkommen. „Kürzlich hat sich eine Clique mit Deos in die Nase gesprüht – einer ist an einem Schock, an einer Überreaktion, gestorben“, erzählt Leins und löst bei den Schülern Betroffenheit aus.

Die Doppelstunde an diesem Dienstagvormittag ist Teil der Drogenprävention am Marbacher Bildungszentrum. Die Schulsozialarbeiterin Ulrike Nolte begleitet Leins durch die Klassen. „Uns sind nur ganz wenige Einzelfälle bekannt“, sagt sie zum aktuellen Drogenkonsum unter den Schülern am Campus. Wichtig sei, mit der Prävention schon früh zu beginnen. Auch Leins, mit seinem Kollegen Michael Bokelmann für den Bereich Drogenprävention am Marbacher Revier zuständig, hält das Gebiet für „ein eher ruhiges Pflaster“. Man habe vor allem mit Cannabis zu tun.

Auf die Droge geht der Polizist im Gespräch mit den Schülern näher ein. „Was glaubt ihr, wie viel mal giftiger ein Joint als eine Zigarette ist?“, fragt er. Die Schüler staunen, als Leins ihnen den Faktor 30 nennt. Der Wirkstoff THC, ein Nervengift, halte sich vier Wochen lang im Körper. Wer jeden Samstag kiffe, bei dem reichere sich das Gift in Leber, Nieren und Gehirn an. „Kiffer sind einfach blöder“, erklärt Leins, erzählt von Gehirnblockaden und Stottern sowie davon, dass man bei Vorstellungsgesprächen wie etwa bei Bosch alles andere als eine gute Figur abgebe. Wer Haschisch konsumiere und erwischt werde, bekomme nicht nur Stress mit der Polizei und den Eltern, sondern müsse Jahre später bei der Führerscheinstelle in mehreren bis zu 130  Euro teuren Tests nachweisen, dass er „clean“ sei. „Auch wenn ihr im Alter von 14  oder 15 Jahren nur kurz probiert habt, kann euch das Jahre später noch einholen.“

Auf die möglichen Folgen eines XTC-Trips ging Leins ebenfalls ausführlich ein. „Auf den kleinen Pillen sind lustige Smileys – aber eigentlich gehört ein Totenkopf drauf.“ Wer die harte Droge einwerfe, könne zwei Stunden durchtanzen und habe dabei ein überwältigendes Glücksgefühl. Die Kehrseite der Medaille: Der Körper brauche sieben Tage, um wieder das Glückshormon Serotonin auszuschütten. „Es ist euch dann nicht mehr möglich, euch über eine Eins in Mathe oder ein Haustier zu freuen.“ XTC-Konsumenten liefen deprimiert herum, „die Gefahr eines Suizides steigt“. Ganz abgesehen davon, dass die Wirklichkeit verschwimme. „Manche denken, sie können fliegen – und haben das auch schon am Marstall-Center in Ludwigsburg ausprobiert.“ Noch Jahre später könnten zudem Krankheiten entstehen, die auf den Konsum von XTC zurückgehen.

Leins ging auch auf andere Drogen ein. Besonders warnte er vor Alcopops. In ihnen seien zwei bis drei Schnäpse versteckt. „Durch die Limonade schmeckt ihr nur noch das Süße.“ Bei zwei Flaschen seien im Nu 0,8 Promille erreicht. „Das ist ein Wert, der dich umschmeißt.“ Nicht selten landeten solche Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus.