Marbach Die Küche zu Hause konnte kalt bleiben

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Die Foodtrucks sowie viele offenen Geschäfte und Attraktionen haben viele Besucher angelockt. Foto: Werner Kuhnle

Marbach - I stell mei Rad en de Schatte“, sagte ein Mann schon kurz nach Beginn des Erlebnistages um 12.30 Uhr. Eine gute Idee, denn bei mehr als 30 Grad auf einen aufgeheizten Sattel steigen zu müssen, ist kein Vergnügen.

Dafür musste sich niemand selber am heimischen Herd die Finger verbrennen. Denn in zahlreichen Foodtrucks brutzelten die Profis um die Wette und machten die Auswahl schwer: Nur beim Eis zum Nachtisch dürften sich die meisten einig gewesen sein.

Die „kleinen leckeren Sachen“ waren es, die die Familie Hochwimmer aus Benningen, die eigentlich zum Töpfermarkt gekommen war, noch in die Stadt gelockt haben. „Es muss ja nicht immer ein halber Ochse sein“, scherzten sie gut gelaunt.

Und auch viele andere Besucher ließen es sich zur Musik von Joker Schock, der am Marktbrunnen für Stimmung sorgte, schmecken, suchten dabei aber immer den Schatten auf. Unbeeindruckt von der Hitze zeigten sich dagegen zwei Jungs. „Meine Mama möchte gern ein cooles Foto machen, stellst du das mal steil?“, bat der zehnjährige Leonard. „Das“ war die rotierende Kletterwand, die direkt am Rathaus stand. „Normalerweise wären wir jetzt im Freibad“, seufzte Leonards Vater Roman Völker. Aber Leonard war einer der Breakdancer der Hip-Hop-Crew der Tanzschule Jaag, die schon wenig später das Publikum vor der Wendelinskapelle begeisterte.

Deutlich ruhiger und kühler ging es in der Wendelinskapelle selbst zu. Unten nahmen sich die Buchhändler viel Zeit für die Beratung, in der Galerie im ersten Stock hatte Monika Schreiber aus edlen Sammeltassen und Rosenblütenblättern eine romantische Tafel geschaffen. „Das ist ein bisschen Kontrastprogramm zu den Foodtrucks“, schmunzelte sie.

Vor der Pizzeria amüsierte und verwirrte der Chaosbutler Theo Steichele mit verblüffenden Zaubertricks. Waren das nicht eben noch drei Münzen auf jeder Seite? Wer da seinen Augen nicht mehr traute, der konnte sie bei Optik Kienzle dreidimensional vermessen lassen.

„Ein paar Grad kälter wäre nicht schlecht“, meinte Simon Wurm von Pro Optik. „Aber man muss den verkaufsoffenen Sonntag als Werbung sehen, zu lassen ist keine Option.“

Richtig heiß wurde es in der Güntterstraße. Chris Böckle von der Fahrschule hatte aber vorgesorgt: Er bot kostenloses Eis, solange der Vorrat reichte. Wer es – auch dank des Bähnles – bis in die Erdmannhäuser Straße schaffte, bekam beim Küchenstudio Pfisterer und Fuchs leckere Häppchen und mit ätherischen Ölen aromatisiertes Wasser zum Abkühlen. „Vormittags waren einige Leute da, aber jetzt ist es den meisten wohl zu heiß“, meinte Ursula Zint.

Auch Friedemann Sorg, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Selbstständigen (IGS), die den Erlebnistag organisiert hat, hat festgestellt, dass es in der „Peripherie“ schwerer war, Kunden zu locken: „Stammkunden sind aber trotzdem gekommen.“

Und sogar zur Oehlerkreuzung fanden einige den Weg, um Schuhe zu probieren oder eine schicke Tasche zu kaufen. „Wir sind zwar etwas weit weg vom Schuss, aber wir profitieren von den Leuten, die aus Richtung Benningen kommen oder noch in den Biergarten wollen“, zeigte sich Uwe Oehler recht zufrieden.