Marbach Polizei geht von Brandstiftung aus

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Quelle: Unbekannt

Marbach - Meterhohe Flammen und starker Rauchgeruch: In der Flüchtlingsunterkunft am Marbacher Bahnhof ist in der Nacht vom Donnerstag gegen 4 Uhr ein Feuer ausgebrochen. Mehrere Anrufen meldeten den Brand.  Einer von vier Blöcken mit  Containern stand zwischenzeitlich in Vollbrand, wie Alexander Schroth, der Kommandant der Feuerwehr Marbach, auf Nachfrage dieser Zeitung mitteilt.  Etwa zu selben Zeit war auch Bürgermeister Jan Trost durch den Brandgeruch aus dem Schlaf geholt  worden: „Wir wohnen ja nicht weit entfernt und hatten in der Nacht das Fenster auf.“ Er weckte seine Frau und so entdeckten beide auch kurz darauf die Flammen, die in den Nachthimmel loderten: „Bis ich mich angezogen hatte, hatte auch schon mein Telefon geklingelt.“    

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Vor Ort erwartete den Rathauschef  ein neben dem Feuer auch ein leuchtendes Beispiel, was die ehrenamtliche Arbeit und die   interkommunale Zusammenarbeit angeht. Rund 75 Einsatzkräfte der Feuerwehren Marbach, Affalterbach, Erdmannhausen und Ludwigsburg sowie die Polizei und der Rettungsdienst waren im Einsatz „Jede verfügbare Kraft der Umgebung war vor Ort und nach Kräften bemüht. Nur deshalb ging der Brand zum Glück noch so glimpflich aus“, so Trost dankbar.    Einsatzkräfte der Polizei  hatten beim Eintreffen auch sofort mit der Evakuierung der Container begonnen. Aufgrund der starken Rauchentwicklung wurden  der angrenzende Bahnhof sowie die Rielingshäuser Straße gesperrt. Die Sperrung des Bahnhofs konnte um 5.40 Uhr wieder aufgehoben werden. Nachlöscharbeiten und die Bekämpfung von Glutnestern zogen sich hingegen  bis gegen 10.20 Uhr hin.

Insgesamt wurden bei dem Feuer vier  Personen  leicht verletzt: Ein Bewohner sprang aus einem Fenster, zwei  weitere und ein Feuerwehrmann erlitten eine Rauchgasvergiftung. Die Verletzten wurden in eine Klinik gebracht und konnten zum Teil auch bereits gegen Nachmittag  wieder entlassen werden.  Gegen 13 Uhr  war der Einsatz beendet, bei dem unter anderem auch das Dach der Unterkunft durch die Feuerwehr entfernt werden musste, so der Marbacher Kommandant Alexander Schroth: „Wir mussten die Haut aufwendig mit Werkzeugen öffnen, um das Feuer im Deckenzwischenraum zu bekämpfen“ Gegen 15 Uhr erfolgte noch eine Nachschau durch die Feuerwehr.

Bereits am Morgen hatte sich schon abgezeichnet, dass der Brand nicht durch Einwirkung von außen entstanden ist. Nach ersten Zeugenbefragungen richtete sich der Verdacht schnell gegen einen 24-jährigen Gambier, der zusammen mit seinem Bruder das Zimmer bewohnte, in dem das Feuer wohl ausgebrochen ist. Er war nach Brandausbruch in Richtung Bahnhof geflüchtet, wo er in einem psychischen Ausnahmezustand festgenommen wurde. Ob der Brand durch Fahrlässigkeit oder Vorsatz herbeigeführt wurde, werden die weiteren Ermittlungen ergeben – solange bleibt der Mann in einer psychiatrischen Einrichtung. Es ist nicht das erste Mal, dass der Gambier auffällig geworden war: Er war bereits  im März 2018 in Erscheinung getreten, als  in der Heinkelstraße in Kornwestheim eine  Flüchtlingsunterkunft  in Flammen stand. Auch damals war der Brand fahrlässig im Zimmer der beiden Brüder  ausgebrochen – ausgelöst durch zwei Heizlüfter. Der Schaden hatte  450 000 Euro betragen. Der Polizei liegt noch keine Info darüber vor, wie dieses Verfahren ausgegangen ist.

Der Landkreis, der für die Unterkunft verantwortlich ist, hat  54 der insgesamt 90 Bewohner für einen Tag  in die Schulturnhalle nach Affalterbach gebracht, wie Jürgen Vogt,  stellvertretender Landrat, berichtet. „Dort werden sie betreut und bekommen Kleidung aus der Kleiderkammer und etwas zu essen.“ Unter den in Affalterbach untergebrachten Personen seien  39 aus Familien mit  Kindern, die aus Syrien, dem Irak und Nigeria stammten. Außerdem handele es sich um 15 alleinstehende Männer aus verschiedenen Ländern. Viele der  Bewohner seien offenbar bei der Arbeit gewesen oder nicht anwesend. „Einige könnten auch versucht haben, sofort nach dem Brand bei Freunden unterzukommen.“

Im Laufe des Tages sollen die Bewohner von den zwei unversehrten Containern am Bahnhof wieder zurückkehren können, teilt Jürgen Vogt vom Landkreis mit. Der dritte Container sei verraucht und kann deswegen voraussichtlich für ein oder zwei Wochen  nicht bewohnt werden, da er durchlüftet werden müsse. Das Landratsamt werde Schadstoffmessungen durchführen lassen und hoffe, dass die Bewohner dann schnell wieder einziehen können. Der ausgebrannte Container sei hingegen gar nicht mehr benutzbar. Die Bewohner müssten nun auf andere Unterkünfte im Landkreis Ludwigsburg verteilt werden. Jürgen Vogt war am Donnerstag optimistisch: „Wir werden das gut schaffen.“ Für die Stadt Marbach ist der Fall, was die Unterbringung angeht, damit auch zunächst abgeschlossen, erklärt Trost: „Aber wir stehen dem Landkreis jederzeit mit Rat und Tat zu Seite, wenn unser Hilfe gebraucht werden sollte.“