Marbach/Bottwartal Wo Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen

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Die Stiftskirche gehört zu den ältesten romanischen Bauwerken in Württemberg. Foto:  

Marbach/Bottwartal - Der Tag des offenen Denkmals wird von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bundesweit koordiniert. Museen und Denkmäler in Marbach und im Bottwartal waren am Sonntag beteiligt. Darunter auch das Heimatmuseum Affalterbach,
wo die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Arbeitskreises und ihre Helfer im Einsatz waren. Im Backsteinbau am Kelterplatz war alles liebevoll hergerichtet und dekoriert. Der Musikverein Affalterbach unter der Leitung des Vorsitzenden Roland Wiesinger spielte im bewirteten Zelt traditionelle Stücke.

Zu sehen gibt es im Heimatmuseum verschiedene Zimmer wie Salon, eine gute Stube und ein Schlafzimmer. Fast alles ist eingerichtet mit aus Affalterbach zusammengetragenen Möbeln, Bildern, Musikinstrumenten, Wäsche und Porzellan aus vergangenen Zeiten. Für Interessierte ist das Museum an jedem ersten Sonntag im Monat zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet.

Die dreischiffige romanische Stiftskirche St. Johannes in Oberstenfeld
gehört zu den ältesten romanischen Bauwerken in Württemberg. Die Krypta ist etwa aus dem Jahr 1025, die Basilika stammt aus dem 12. Jahrhundert. An der Walcker-Orgel aus dem 19. Jahrhundert werden wegen der guten Akustik der Kirche regelmäßigen Konzerten gespielt.

Am Aussichtsturm Wunnenstein in Winzerhausen
war Hans-Wolfgang Bock vom Historischen Verein im Gewand des Ritters Wolfelin von Wunnenstein zu sehen. Die Familie Erika, Lothar und Sven Streicher wartete vor einem Zelt mittelalterlich gekleidet auf die Besucher. Sie zeigten zusammen mit der Tanzgruppe Danza Magica Tänze aus Mittelalter und Renaissance. Musikalisch begleitet wurden die Tänze von der Musikgruppe Camino.

Schlossherr Ulrich Hartmann, Bewohner des Schlössles Höpfigheim
seit 1971, empfing die rund 30 angemeldeten Besucher im Innenhof zu einer Führung und erläuterte die Geschichte und einiges über die ehemaligen Besitzer des Schlosses im Laufe der Jahrhunderte. Das ehemalige Wasserschloss wurde um 1300 erstmals urkundlich erwähnt. Albrecht Leize übernahm die Gruppe und führte die Besucher mit einem Rundgang durch das historische Höpfigheim. Eine Besichtigung der örtlichen Orgelbauwerkstätte Klaus Kopetzki, die seit Dezember 2017 auf der Liste des Unesco Kulturerbes steht, stand ebenso auf dem Programm.

In der Martinskirche in Großbottwar
machte der Architekt und ehrenamtliche Beauftragte des Landesdenkmalamtes, Markus Pantle, eine Führung. Gezeigt wurde unter anderem das Epitaph der Freiherren von Dachröden, ein Grabdenkmal. Johann Phillipp Franz von Dachröden verlor innerhalb von drei Tagen seine gesamte Familie. Seine Ehefrau Caroline von Dachröden starb im Februar 1740 im Alter von 29 Jahren im Kindbett. Der fünfjährige Sohn starb noch am selben Tag wie seine Mutter. Auch die neugeborenen Zwillinge wurden nur zwei Tage alt. Das Netzgewölbe im Chor zeigt als mittlere Figur die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind. Flankiert wird sie von zwei Figuren, dem heiligen Martin und dem heiligen Januarius. Sankt Martin ist der Kirchenheilige, ihm ist die Kirche geweiht.

In Mundelsheim bot die hell erleuchtete Kilianskirche
meditative Musik und Stille mit einer Broschüre zur Selbsterkundung im eigenen, gewünschten Tempo des Denkmalbesuchers. Kirchengemeinderat Paul Möhrer war vor Ort und beantwortete alle Fragen. Die Kirche ist reich mit farbenprächtigen Wandmalereien ausgestattet, diese wurden vermutlich durch die Reformation übertüncht und blieben so erhalten. Freigelegt wurden sie über Kirchenrenovierungen ab 1892 bis 1977. Die Sanierung der Kirche und der Fresken erfolgte zwischen 2014 und 2016. In verschiedenen Darstellungen sind der Marienzyklus, der Zehn-Gebote-Zyklus, das Weltgericht sowie die Kilianslegende im Chor zu sehen.

Hans Dietl, Steinmetz und Restaurator, zeigte zum Tag des offenen Denkmals die St. Georgskirche in Kleinbottwar.
Mit viel Herzblut und Engagement zeigte er den Denkmalbesuchern die neuesten Ergebnisse der Gruftuntersuchung der Kirche. Auch Fenster und bildhauerische Arbeiten wurden ausführlich besprochen. Den Altar des Hans Leinberger aus dem Jahr 1505 sowie das Leben und die Herkunft des Meisters erklärte Hans Dietl. Vor Ort machte er eine Ölvergoldung mit der jeweiligen Farbfassung.

In Marbach war die Ölmühle Jäger
aus dem Jahr 1906 als Kulturdenkmal für alle geöffnet. Frank Böhme war der Ansprechpartner für alle technischen Fragen zum Thema Ölproduktion. Aus Raps, Lein, Mohn und Bucheckern wurden hier Öle gepresst. Manfred Widler zeigte eine „Schneckenpresse“ und presste aus fünf Kilogramm Leinsamen zwei Liter Leinöl.