Marbach/Bottwartal „Wir wollen wahrgenommen werden“

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Seit Anfang des Jahres protestieren Schüler und Studenten unter dem Motto Fridays for Future für mehr Klimaschutz (auf dem Foto eine Demonstration in Hamburg im Juni). Foto: Archivbild (dpa/Georg Wendt)

Marbach/Bottwartal - Menschen auf der ganzen Welt wollen an diesem Freitag auf die Straße gehen, um für mehr Klimaschutz, Klimagerechtigkeit und den Ausstieg aus dem Zeitalter der fossilen Brennstoffe zu kämpfen. Sogenannte Klimastreiks sind unter anderem in Ludwigsburg, Stuttgart und Heilbronn geplant. Neben Schülern und Studenten von der Bewegung Fridays for Future rufen auch Eltern, Großeltern, Unternehmen, Berufsgruppen und weitere gesellschaftliche Akteure zur Teilnahme auf.

Aus Steinheim wird eine Gruppe Neuntklässler der Blankensteinschule zur Demo in Ludwigsburg aufbrechen. Begleitet werden sie von ihrer Deutschlehrerin Bettina Thum und der Schulleiterin Jasmin Meister. Die Schüler Zanib und Adrian erklären, warum sie sich für Maßnahmen gegen den Klimawandel einsetzen: „Wenn wir jetzt nichts unternehmen, ist es zu spät. Wir wollen wahrgenommen werden und zeigen, dass die Probleme nicht mehr ignoriert werden dürfen.“ Für die beiden 14-Jährigen ist es die erste Demo ihres Lebens, früher hätten sie es nicht für nötig gehalten, an einer teilzunehmen. Das ist nun anders. Ihre Eltern würden ihre Einstellung zum Thema Umweltschutz zwar nicht teilen aber die Meinung ihrer Kinder akzeptieren. Von Freunden und Lehrern würden sie bei dem Thema unterstützt.

Sandra Sturmann aus Großbottwar fährt am Freitag mit ihren zwei Kindern (zwei und fünf Jahre), Verwandten und Freunden nach Stuttgart auf die Demonstration, um im Block von Parents for Future mitzulaufen. Ihrer Meinung nach ist es wichtig, dass auch Eltern und Familien sich für den Klimaschutz einsetzen und die Schüler und Studenten unterstützen. „Ich streike nicht nur als Privatperson, sondern auch als Mutter zweier Kinder und als Unternehmerin“, erklärt die Selbstständige, die als Change-Management-Consultant und systemischer Coach arbeitet. Was erhofft sie sich von ihrer Teilnahme? „Wir müssen Druck auf die Politik ausüben, damit diese mehr Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreift.“ So solle sie zum Beispiel Mikroplastik in Kosmetik verbieten. Für die Zukunft wünscht Sandra Sturmann sich, dass „noch eine breitere Öffentlichkeit gemeinsam auf die Straße geht - Eltern, Unternehmer, Jugendliche. Eben #ALLEFÜRSKLIMA“. Die Bewegung solle noch diverser werden.

Ein gesellschaftlicher Akteur, der die Bewegung unterstützt, sind die drei Marbacher Kirchengemeinden. „Nach einem weiteren Sommer des für jeden offensichtlichen Klimawandels steht uns allen die Dringlichkeit des Anliegens überdeutlich vor Augen. Es ist, wenn überhaupt noch, ,fünf vor zwölf‘ – das setzen wir in Marbach mit dem Glockengeläut ab 11.55 Uhr akustisch um. Und laden damit gleichzeitig zum Gebet ein, das die normale Alltagsroutine unterbricht,“ erklärt Pfarrerin Barbara Bürkert-Engel und kündigt das ökumenische „Fridayprayer for Future“ in der Stadtkirche Marbach ein. Die Gemeinde möchte sich mit ihren Stärken für den Klimaschutz einsetzen: „Wir wollen das tun, was unser ureigenstes Anliegen ist: unser Aufschrecken, die Bitte um Bewahrung unseres Lebensraumes und die Erinnerung zur Umkehr miteinander vor Gott aussprechen.“

Auch der Landesbischof Frank Otfried July habe in seinem Bischofsbericht vor der Frühjahrssynode die Bedeutung des Klimaschutzes und die Bewahrung der Schöpfung als Grundanliegen der christlich-jüdischen Glaubenstradition unterstrichen. Bei den Demonstrationen kann Barbara Bürkert-Engel nicht dabei sein, da sie zeitgleich wie das Gebet stattfinden – ihre jüngste Tochter hält dafür die Stellung. Das weckt Erinnerungen in der Marbacher Pfarrerin: „Ich weiß noch gut, wieviel Kraft und Energie ich in meiner Schulzeit von der großen Bonner Friedensdemo mit nach Hause brachte.“

Die Kirchenmitglieder zum Streik aufzurufen, sei als Pfarrerin nicht ihre Aufgabe. Es gebe andere Wege für sie, zum Beispiel Plastikflaschen aus dem Christophorus-Gemeindehaus zu verbannen oder mit Grundschülern über die Zukunft zu sprechen.