Marbach/Bottwartal Klimaneutralen Wein durch Kompensation?

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Die Verpackung spielt eine gewichtige Rolle beim Thema Nachhaltigkeit. Foto: Oliver Bürkle

Marbach/Bottwartal - Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt auch im Weinbau eine immer größere Bedeutung. Betriebe, die nachhaltig wirtschaften, sind bemüht, ihre gesamte Betriebsführung, den Außenbetrieb, die Kellerwirtschaft und die Vermarktung im Rahmen einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbetrachtung zu optimieren. Jeder Arbeitsschritt, also von der Arbeit draußen im Weinberg bis zum Versand wird bestenfalls hinterfragt und dann verbessert.

Seit Herbst 2009 gibt es ein Deutsches Institut für Nachhaltige Entwicklung DINE an der Hochschule Heilbronn. Es hatte ursprünglich die Aufgabe, Forschung und Bildung im Bereich des nachhaltigen Wirtschaftens in den Schwerpunkten Weinwirtschaft, Logistik und Tourismus zu betreiben und zu fördern. DINE versteht sich als Plattform für den Dialog zwischen allen Beteiligten im wirtschaftlichen Prozess rund um die nachhaltige Entwicklung im Bereich Tourismus und Bildung, Logistik und eben auch in der Weinbranche. Nach Untersuchungen des DINE werden in Deutschland im Schnitt bis zu 1,4 Kilo Kohlendioxid pro Liter Wein freigesetzt. International liegt die Bandbreite zwischen 1,5 und 6 Kilo pro Liter Wein. Aber wie wird ein Wein klimaneutral? Geht das überhaupt? Wenn trotz aller Maßnahmen die CO2-Bilanz noch positiv ist, kann das nicht zu vermeidende CO2 kompensiert werden. Kompensation bedeute, heißt es in einer Pressemitteilung von DINE, dass irgendwo auf der Erde diejenige Menge an CO2 nicht freigesetzt oder gebunden wird, die im Unternehmen als Überhang entsteht. Etwa durch Aufforstung. Wälder entziehen der Atmosphäre etwa zehn Tonnen des Gases pro Hektar und Jahr. „Erst wenn die Nettosumme aller Emissionen Null ist, darf von „klimaneutralem Wein“ gesprochen werden.“

Das Weingut Bernhard Ellwanger aus dem Remstal zählt zu den Vorreitern und bringt seit dem vergangenen Jahr nur noch klimaneutralen Wein auf den Markt. Jede Flasche ist mit dem Nachhaltigkeitslabel FairChoice® gekennzeichnet. Voraussetzung für die Teilnahme am Nachhaltigkeitsprojekt FairChoice® ist die Erstellung eines CO2-Fußabdruckes. Dabei muss in allen Produktionsschritten die Emission von Treibhausgasen mit dem Ziel erfasst werden, um Einsparungspotenziale zu finden und umzusetzen. Die nicht vermeidbaren Treibhausgas-Emissionen werden von Bernhard Ellwanger dann durch ein Klimaschutzprojekt in Brasilien ausgeglichen.