Marbach Bei Asylheim ist der Zeitdruck draußen

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Bis zu 48 Personen finden in dem Heim ein Dach über dem Kopf. Foto: Werner Kuhnle

Marbach - Bei einem Vor-Ort-Termin der Stadträte im September hatten sich die Rathausspitze und die zuständige Baufirma noch zuversichtlich gezeigt, die neue Flüchtlingsunterkunft bis Ende Dezember in Betrieb nehmen zu können. Nun ist das alte Jahr rum – und das Hämmern und Klopfen auf der alten Rollschuhbahn doch nicht abgeschlossen. Für den Bürgermeister Jan Trost ist das aber kein Beinbruch. Der ganz große Druck in Sachen Flüchtlingsunterbringung sei erst mal draußen. „Wir können das Gebäude also in aller Ruhe fertigstellen“, sagt Jan Trost. Vor allem habe man nun genügend Zeit, das neue Heim im Innern nach den Bauarbeiten trocknen zu lassen. Ziel sei jetzt, dass die ersten Bewohner ihre Zimmer Ende Januar oder Anfang Februar in Beschlag nehmen. Die letzten Handwerker sollen im Frühjahr ihre Sachen zusammenpacken, wenn auch an den Außenanlagen nichts mehr gemacht werden muss.

Trotzdem sind die Bautrupps inzwischen schon so weit, dass die Kommune auf alle Eventualitäten reagieren kann. Sollte das Landratsamt Ludwigsburg der Stadt Marbach also wider Erwarten doch ad hoc Flüchtlinge zuweisen, wäre es denkbar, schon jetzt zumindest Teile des Gebäudes auf der ehemaligen Rollschuhbahn zu belegen, versichert Jan Trost. Der Bürgermeister macht trotz der momentan zurückgehenden Flüchtlingszahlen zudem klar, dass man nicht auf das neue Heim verzichten könnte. Die Unterkünfte in der Heckenstraße und im ehemaligen Art-Hotel seien im Grunde voll belegt, nur in Rielingshausen bei der Gemeindehalle seien einige Plätze frei. Und Marbach müsse 2019 rund 30 weitere Personen beherbergen. Stand jetzt sei es jedoch auch so, dass in diesem und im kommenden Jahr keine neuen Unterkünfte gebaut werden müssen. „Es müsste reichen“, sagt Jan Trost.

Der Rathauschef geht allerdings auch nicht davon aus, mittelfristig eines der großen Heime aufgeben zu können. Selbst das in Rielingshausen nicht, das so konzipiert ist, dass es irgendwann wieder abgebaut wird. Das hängt damit zusammen, dass die Flüchtlinge auf dem regulären, extrem angespannten Wohnungsmarkt eher schlechte Karten hätten, erklärt der Bürgermeister. Insofern müssten sie weiter in den Anschlussunterbringungen der Kommunen ein Dach über dem Kopf finden.

Gleichwohl hat die Kommune ihre Pläne nicht ad acta gelegt, die Unterkunft auf der Rollschuhbahn irgendwann umzunutzen und dort preiswerte Wohnungen anzubieten. Und schon jetzt müssen sich die Flüchtlinge den Umzug in das neue Gebäude ein Stück weit verdienen. Die Stadt will Asylsuchende, die sich besonders integrationswillig zeigen, mit einem Platz in dem maximal 48 Personen fassenden Haus belohnen. Bei der Zuteilung der Personen wird aber auch darauf geachtet, nicht unnötig Konflikte heraufzubeschwören, betont Jan Trost. So sollen beispielsweise Ethnien, die sich in ihren Heimatländern bekämpft haben, nicht zusammen in dem Gebäude einquartiert werden. Generell als förderlich für das Binnenklima in den städtischen Unterkünften habe sich auch der Ansatz erwiesen, auf einen guten Standard zu setzen. „Das hat sich bewährt. Nach außen gibt es kaum Konflikte“, sagt Jan Trost, der allerdings keinen Hehl daraus macht, dass intern in den Heimen natürlich auch mal gestritten wird.

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